Nuglar-St. Pantaleon

Ein Serientäter geht in Nuglar Jesus an die Kehle

Im Schwarzbubenland gibt es immer wieder Gewalttaten, die sich im Ablauf stark ähneln. Die Tatorte sehen immer gleich aus. Die Bevölkerung ist aber nicht betroffen. Der Täter reisst Jesus-Figuren von Kreuzen, misshandelt oder entführt sie.

«Über die letzten Jahre verteilt wurden immer wieder Wegkreuze beschädigt. Die Heiland-Figuren werden abgerissen und zusammengeschlagen», erzählt Adolf Morand der Präsident der römisch-katholischen Kirchgemeinde St. Pantaleon-Nuglar. Doch nun hat der Vandalismus ein neues Ausmass erreicht.

«Kein primitiver Mist»

Auf einem Kreuz, das schon vor knapp einem Jahr vom Jesus-Hasser heimgesucht wurde, zeichnete vor einigen Tagen ein Unbekannter eine Frau. Ob es sich um den Serientäter handelt, weiss man nicht. Zuerst tat Morand, 63, das Bild allerdings als «primitiven Mist» ab. Doch nachden er mehrmals darauf angesprochen wurde - und obwohl diese Kreuze laut Morand nichts mit der Kirchgemeinde zu tun haben - ging er der Sache selbst nach.

Sehr schönes Werk

Was er vorfand beeindruckte den Präsidenten der Kirchgemeinde stark. Die Dame präsentiert sich in Jesus-Manier gekreuzigt und nackt! «Es ist ein sehr schönes Werk, eine bemerkenswerte Leistung», fasst er das Gesehene in Worte.

Die Frau ist nur nackt, wie Jesus

Seiner Meinung nach ist das Bild der Frau im Adamskostüm keine «Verunstaltung». Er sieht eher ein Werk mit starker Aussagekraft. Ihn, so Morand, störe die Nacktheit der Frau nicht. Auch Jesus sei nackt ans Kreuz genagelt worden. Und man könne die Frau als eine feministische Botschaft ja auch positiv interpretieren.

In Nuglar wurde eine nackte Frau auf eine Kreuz gesprayt

In Nuglar wurde eine nackte Frau auf eine Kreuz gesprayt

Teilt Morand diese Einschätzung allerdings den restlichen Dörflern mit, stösst er auf Unverständnis. Schon oft gehört habe er: «Du spinnsch!» Die meisten Dörfler sähen nur eine Provokation. Da die Dörfler diese Provokation nicht dulden wollten, wurde die Frau inzwischen weggeputzt.

Gefahr für den Verkehr

Es reue ihn schon ein bisschen, das Kunstwerk zu verlieren, erklärt der 63-Jährige. Ihm sei aber immer bewusst gewesen dass die Frau weg musste. Schon nur weil die nackte Frau an sehr prominenter Stelle hing und deshalb eine Gefahr für den Verkehr darstellte. «Die Autofahrer hätten mehr auf sie geschaut als auf den Verkehr», ist er sich sicher.

Keine Jesus-Figuren mehr

Die Besitzerin des Kreuzes hat mittlerweile Strafanzeige gegen Unbekannt erhoben. Die Dörfler wollen diesen Vandalismus nicht weiter akzeptieren. Für Asolf Morand ist auch das weitere Vorgehen der Gemeinde klar: «Bis der Täter dingfest gemacht wird, werden in Nuglar-St. Pantaleon keine neuen Jesus-Figuren an die Kreuze gehängt.» (cht)

Meistgesehen

Artboard 1