Solothurn

Dieser Fotograf verliess seine Komfortzone und wurde dafür ausgezeichnet

Mit diesen zwei Bildern holte sich der Solothurner Fotograf André Scheidegger den Titel «Photographer of the Year 2020».

Mit diesen zwei Bildern holte sich der Solothurner Fotograf André Scheidegger den Titel «Photographer of the Year 2020».

Der Solothurner Fotograf André Scheidegger gewann in einem internationalen Wettbewerb den Titel «Photographer of the Year 2020».

Hunderte professionelle Fotografen liess André Scheidegger hinter sich, dabei wollte er eigentlich nur gegen sich selber antreten. «Die Platzierung war mir egal, als ich meine beiden Bilder für den Foto-Wettbewerb einreichte», erzählt der Solothurner Fotograf. «Es ging mir darum, mich selber herauszufordern.» Denn normalerweise stünden bei ihm die Bedürfnisse der Kunden im Fokus. Anders beim Wettbewerb: «Hier geht es darum, mein eigenes Ding umzusetzen, andere Techniken auszuprobieren, neue Wege zu beschreiten.» Und: «Es geht dar­um, mich aus meiner Komfortzone zu locken.»

Doch mit dem Resultat war letztendlich nicht nur André Scheidegger zufrieden, sondern es hat offensichtlich auch die Jury begeistert, die beim internationalen Wettbewerb vom Bund professioneller Portraitfotografen (bpp) die Punkte vergaben. Ein Bild von Scheidegger holte in der Kategorie «Creative People» den neunten Rang, in der Kategorie Porträt war das zweite Bild des Solothurners ganz zuoberst. Als wäre das nicht schon genug, reichte es in der Endabrechnung gar zum Titel «Photographer of the Year 2020». Obwohl André Scheid­egger bei der dritten zählenden Kategorie, «Wedding», gar kein Bild eingereicht hatte, weil er bereits seit Jahren keine Hochzeiten mehr als Fotograf begleitet hatte. 

«Dass ihnen meine Arbeit gefällt, bedeutet mir ex­trem viel.»

Als der Anruf aus Deutschland kam und Scheidegger über seinen Sieg informierte, da war die Freude dann doch extrem gross. Auch weil er zu jenen, die in der Jury sitzen, seit Jahren aufschaut. «Dass ihnen meine Arbeit gefällt, bedeutet mir ex­trem viel. Es ist die Bestätigung, dass ich als Fotograf auf dem richtigen Weg bin», sagt Scheid­egger, der bereits 2002 erstmals eine Auszeichnung erhielt, und ergänzt mit einem breiten Grinsen: «Ich bin immer noch ganz aus dem Häuschen vor Freude.»

Eigentlich hätte Scheidegger an einer grossen Gala in Deutschland seine Preise entgegennehmen sollen. Doch wegen der Coronapandemie ist diese ausgefallen. Statt gemeinsam mit Fotografen aus den Niederlanden, Deutschland und der Schweiz zu feiern, stiess der 40-Jährige im engsten Kreis mit Champagner auf seinen Sieg an – in seinem Fotoatelier in der blauen Post.

Dort ist das Zuhause seiner eigenen Firma. Scheidegger, der als 16-Jähriger eine Fotografenlehre begann, nachdem er den Wunsch, Stuntman zu werden, beiseitegelegt hatte, arbeitet er seit 2014 als selbstständiger Fotograf und realisiert mit seiner Firma Moodpix GmbH in erster Linie Auftragsarbeiten für Unternehmen. «Die ganze Palette», sagt der heute 40-Jährige, «von Porträts über Foto­reportagen bis hin zu Foodfotografie.»

Pilot erhält das Siegerbild als Geschenk

Im Zuge einer solchen Auftragsarbeit ist auch das Bild entstanden, das ihm im Wettbewerb den Sieg in der Kategorie «Porträt» einbrachte. Es zeigt einen Piloten der Patrouille Suisse mit Helm unter dem Arm vor seinem Arbeitsgerät – einer Tiger F-5. Das Bild unterscheidet sich wesentlich von jenem, das Scheidegger für die Patrouille Suisse machte. Denn für das Wettbewerbsfoto setzte der Fotograf auf ein separates Konzept: «Heroischer», fasst er es zusammen, «aber nicht zu übertrieben», da er den abgebildeten Piloten der Patrouille Suisse als eine Person erlebt hat, die auf dem Boden geblieben ist. «Ihm werde ich das Bild schenken», erzählt Scheidegger und ergänzt nach einer kurzen Pause lachend: «Bislang habe ich ihm noch gar nicht vom Sieg erzählt.»

Was macht für den frisch ausgezeichneten Fotografen ein starkes Bild aus? «Es muss Emotionen transportieren, technisch perfekt sein und eine überraschende Note haben», wobei Letzteres nicht immer notwendig sei. Wie etwa beim Piloten.

Das zweite Bild hat dieses Überraschende in sich, erinnert mehr an ein Kunstwerk als an eine Fotografie, wie man sie kennt. Aufgenommen wurde das Bild um 1 Uhr nachts in der Solothurner Bahnhofunterführung. Mit Mehrfachbelichtung kam zustande, dass man ein und dieselbe Person mehrmals sieht, jene, die an der Decke klebt, ist das Resultat einer Spiegelung. Danach hat Scheidegger noch mit einer Art Pinsel auf seinem Tablet gemalt, was den Effekt der bedrohlichen Wolken erzeugt. Der Mann auf dem Bild ist übrigens ebenfalls ein Solothurner. Thomas Toth, der gemeinsam mit Scheidegger eine ganze Reihe solcher Bilder produziert, die im kommenden Sommer in der Stadt ausgestellt werden.

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Autor

Fabio Vonarburg

Fabio Vonarburg

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