Solothurn schreibt Geschichte

Der grosse Fund

Nur noch der Sockel ist da, der Füdlistein weg. Beim Abtransport sank der Laster ein.

Nur noch der Sockel ist da, der Füdlistein weg. Beim Abtransport sank der Laster ein.

Solothurn Tourismus lädt Solothurner ein, von Tag zu Tag eine Kriminalgeschichte weiterzuschreiben. Aus den eingeschickten Ideen entwickelt ein Schreib-Team dann jeweils einen neuen Abschnitt.Teil 6.

Autorin: Simone Leitner

Mitwirkende: Isabel Hunziker, Zuchwil | Hans Fischer, Lüterkofen | Susanne Im Hof, Grenchen | Mathieu Im Hof, Grenchen | Joelle Harms, Selzach | Elisabeth Huser, Matzendorf

Zurück beim Sockel in der Goldgasse, der ohne «Füdlistein» nackt und unspektakulär aussieht, gehen Kommissar Studer und Jeffrey Affolter wortlos um die Stehle herum. Alma ist auch dabei, allerdings kniet sie am Boden und sucht verzweifelt jeden Zentimeter äusserst genau ab. Alle drei fokussieren auf den einen, ausschlaggebenden Hinweis: «Wir werden hier ein Geheimnis lüften, welches nicht nur den Füdlistein, sondern die Geschichte in ein neues Licht rückt.» Studer und Jeffrey sehen zu Alma auf den Boden und sind hellhörig geworden. «Alma, du warst doch als erste am Tatort und hast frische Spuren gesehen. Warum hattest du solch grosse Angst? Du warst am Telefon mit der Polizei ausser dir. Warum hast du bis heute noch nie mit uns darüber gesprochen?», fragt Kuno Studer. Er unterdrückt seinen Ärger und versucht vielmehr einen freundschaftlichen Ton anzuschlagen. «Ich denke, es ist an der Zeit, uns einzuweihen.» Alma setzt sich auf den Boden, lehnt mit dem Rücken an die Wand, seufzt und erzählt den beiden Kollegen eine verrückte Geschichte. Jeffrey reicht ihr seine Hand und zieht sie auf die Beine. «Liebe Alma, wir werden noch heute alle einzelnen, losen Bsetzisteine aufheben und abtragen – dann wissen wir, was hinter dem Geheimnis steckt», nimmt Kommissar Studer die Fäden wieder in die Hand. Jeffrey schlägt vor, dass sie abwarten, bis es dämmert und dann alles absuchen. «Perfekt, und ich klappere bis es soweit ist alle Steinbildhauer, mit denen ich gestern telefoniert habe, persönlich ab.» Alma verabredet sich mit Studer und Jeffrey um 17 Uhr in der Goldgasse.

Jeffrey sitzt im Grossraumbüro der Redaktion, schreibt noch kurz das Ende seines Artikels um und ist zufrieden. Mit der Recherche über denkmalgeschützte Häuser, die in den vergangenen Monaten renoviert wurden, konnte er auch Chefredaktor Andreas A. von Burg überzeugen. Schöne, uralte Bauernhäuser umzubauen, sei ein Traum vieler. Sich aber an die Richtlinien des Denkmalschutzes zu halten, eher ein Albtraum. Jeffrey hetzt schon wieder Richtung Goldgasse, es ist kurz vor 17 Uhr.

«Du hattest Recht!» Alma rüttelt an den losen Bsetzisteinen und schaut Studer mit weit aufgerissenen Augen an. «Hier ist ein Hohlraum, der mit Brettern abgedeckt ist!» Endlich, das Team hat eine Spur und die Goldgasse ein riesiges Gewölbe von mehreren Metern Länge. Nachdem sie den letzten grossen Solothurner Steinbrocken beiseite geräumt haben, eröffnet sich im Kegel der Taschenlampe hinter dem Loch nicht nur für Kuno Studer «eine Sensation!»: Ein perfekt gehauenes und gemauertes Rundgewölbe zeigt sich in voller Pracht. Jeffrey hat sofort eine Vermutung: «Beim Stehlen des schweren Füdlisteins ist der Laster mit Hebebühne eingesunken. Vielleicht sogar absichtlich, um mit dem Diebstahl des Füdlisteins uns alle in die Irre zu führen, uns vom wirklichen Ziel abzulenken», raunt er vor sich hin. Aber in welchem Zusammenhang steht die Statue des polnischen Nationalhelden Kosciuszko mit diesem Fund? «Die Statue und die Scherbe seien weitere Teile der Fährte», sagt Alma. Ihr wissender Blick spricht Bände.

Studer erklärt, es sei kein Zufall, dass jeder von ihnen mit einem gestohlenen Gegenstand oder dem Ort des Geschehens eine besondere Beziehung pflege: «Alma, du und der Füdlistein. Jeffrey und die Statue und ich mit der Scherbe im Museums Blumenstein. Ich und meine Affinität zu den Solothurner Patrizierfamilien.» Studer, Alma und Jeffrey entschliessen sich, das Gewölbe wieder abzudecken. «Vorerst», sagt Kommissar Kuno Studer. «Morgen müssen wir die zuständigen Ämter einschalten.» Alma sieht Studer fassungslos an. «Das wirst du nicht wagen, jetzt wo wir dem Spuk auf der Spur sind!» Sie packt ihre Sachen und geht.

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