Waldkindergarten

Der «Chindsgi» findet draussen im Wald statt

Cornelia Schönenberger und die «WaKi»-Kinder feuern deren Eltern beim Wettrennen an. Bilder: Hansjörg Sahli

Cornelia Schönenberger und die «WaKi»-Kinder feuern deren Eltern beim Wettrennen an. Bilder: Hansjörg Sahli

Seit bald acht Jahren existiert in Solothurn ein Waldkindergarten. Der Unterricht im Freien soll unter anderem das Naturbewusstheit, die Sozialkompetenz und das Selbstvertrauen stärken.

Im Frühling 2004 wurde in Solothurn ein Waldkindergarten eröffnet. Die Kindergärtnerin Cornelia Schönenberger hat das Konzept entworfen und führt den «WaKi», der seinen Standort oberhalb der Pfadiheime St.Niklaus hat. Die acht Kinder, die den Kindergarten momentan besuchen, erscheinen an diesem nebligen Novembertag dick eingekleidet und gut gelaunt. Den ganzen Morgen lang klagt niemand über die Kälte, welche bei zu langem Stillstehen trotz warmer Kleidung unter die Haut geht. «Meine Kinder sind nie krank», erzählt Rahel Makwana, Mutter von Aliyah, die den grossen «Chindsgi» besucht.

Sie vermutet, dass die Kinder durch den Unterricht im Freien abgehärtet werden. Ihr Sohn, der inzwischen die zweite Klasse besucht, sei ebenfalls im «WaKi» gewesen. Der Schulübertritt habe ihm aber keine grossen Probleme bereitet. «Am Anfang hat er sich ein wenig eingeengt gefühlt», erzählt die Sozialarbeiterin. Das habe sich mit der Zeit jedoch gelegt. Mit den anderen Kindern sei er von Anfang an gut ausgekommen, und seine Lehrerin erlebte ihn als «ideenreich und eigenständig», was unter Umständen dem «WaKi» zu verdanken sei.

Draussen bei jeder Witterung

Der Unterricht im «WaKi» findet jeden Tag draussen statt. Bei Regen und Sturm bieten ein Tipi und ein Atelier den nötigen Schutz. Den Rahmen bildet der solothurnische Lehrplan, ausgeführt wird jedoch alles in der Natur. «Ich halte mich stark an das, was im Lehrplan steht. Ich versuche aber auch, die Balance zu halten zwischen dem vorgegebenen Rahmen und meinem eigenen Konzept», erklärt Schönenberger. Sie habe den Waldkindergarten gegründet, weil ihr die Natur sehr nahestehe. Das Verständnis für diese gehe immer mehr verloren. Im «WaKi» mache sie hingegen die Beobachtung, dass die Kinder sehr achtsam mit den Bewohnern des Waldes umgehen.

Gegen den Regelkindergarten habe sie nichts, sagt Schönenberger. «Der Waldkindergarten ist für die Kinder, für die Natur und nicht gegen die Schule.» Sie wolle auch niemanden dazu überreden, seine Kinder in den «WaKi» zu schicken. «Den einen gefällt die Idee, den anderen nicht.» Sie akzeptiere das. Doch sie sieht Unterschiede zwischen den Kindern des Regelkindergartens und den «WaKi»-Kindern: «Im ‹WaKi› wird die Ausdauer geschult. Diese fördert die Konzentration.» Zudem werde die Wahrnehmung gestärkt, da man auf vieles achten müsse, beispielsweise den Körper und das Wetter. «Sowohl die körperliche als auch die emotionale Wahrnehmung sind bei den Kindern sehr breit», stellt Schönenberger fest.

Kinder haben Mitspracherecht

Auffallend ist die entspannte Atmosphäre im «WaKi». Keines der Kinder scheint unzufrieden zu sein. Laut Schönenberger liegt dies einerseits an der Umgebung. «Die Natur schafft einen Ausgleich an positiven Gefühlen.» Zudem werden Konflikte konstruktiv angegangen. «Die Kinder lernen, dass jedes Problem gelöst werden kann.» Bei Konflikten wird stets nach einer Lösung gesucht, mit der alle zufrieden sind. «Kinder brauchen ein Gegenüber, das sie ernst nimmt», erklärt die Pädagogin. Dementsprechend viel Wert legt Schönenberger auf das Mitspracherecht der Kinder.

«Das eigenständige Denken wird stark gefördert», lobt Rahel Makwana die Leistungen Schönenbergers. Für sie sei die Kindergärtnerin «pädagogisch sehr gut». Den Kindern werde sehr wenig vorgegeben, wodurch ihre Kreativität gefordert sei. Zu Beginn des Unterrichts erhalten die Kinder Kärtchen, jedoch keine Anweisungen, was sie damit machen müssen. Innert weniger Minuten erkennen die Ersten, dass sie die Kärtchen, die wie Dominosteine aussehen, so aneinanderreihen sollen, dass immer die gleichen Muster nebeneinander liegen. Die Kindergärtnerin bestätigt zwar die Lösungsansätze der Kinder, erklärt selbst aber nichts. Dies überlässt sie den Kindern und fordert sie auf, das Spiel denen zu erklären, die es noch nicht verstanden haben.

Kinder sind verantwortungsbewusster

Solche pädagogischen Mittel könnten den starken Zusammenhalt der Kinder im «WaKi» erklären. Bei Wettrennen fällt auf, dass die Kinder immer beide Antreter anfeuern. Wer als Letzter im Ziel ist, ist nicht frustriert. «Der Letzte hat am meisten Geduld», sagt Schönenberger fröhlich. «Sie legt sehr grossen Wert auf die gegenseitige Rücksichtsnahme», fällt Rahel Makwana auf. Und Petra Durrer, Mutter des fünfjährigen Samuel, stellt fest, dass ihr Sohn sich seiner kleinen Schwester gegenüber verantwortungsbewusster verhält, seit der den «WaKi» besucht.

Doch nicht nur die Wahrnehmung für andere Kinder wird geschult. «Samuel hat ein gutes ‹Gspüri› für sich selbst entwickelt», bemerkt Durrer. Er wisse sehr gut, wie er sich im Winter anziehen muss, damit er draussen nicht kalt hat. Das ist ein erklärtes Ziel von Cornelia Schönenberger. «Die Kinder solllen sich selber kennen lernen, ihre Talente erkennen und ihre Ressourcen nutzen», erklärt die Kindergärtnerin.

Infoabend am 12. Januar 2012 um 19.30 in der Kantonsschule Solothurn. Weitere Infos unter www.waldkindergarten-so.ch.

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