Solothurn

Am Freundschaftsfest wird Weltoffenheit gelebt und genossen

Die Ausländerorganisation des Alten Spitals führte den Anlass am Wochenende zum 36. Mal durch. Das Freundschaftsfest will den Austausch innerhalb der Vereine, zwischen den Vereinen und mit der Öffentlichkeit.

Das Fest ist beinahe so alt wie ihre Schöpferin: Zum 36. Mal nämlich fand am Wochenende das Freundschaftsfest der Ausländerorganisation des Alten Spitals statt. Die Organisation selbst, die mehrere Ausländervereine sowie den Freizeitclub Aareträff unter ihrem Dach vereint, existiert bereits seit ungefähr 38 Jahren. Das Freundschaftsfest seinerseits folgt dem Hauptzweck der Organisation: Austausch innerhalb der Vereine, zwischen den Vereinen und mit der Öffentlichkeit. So haben auch heuer wieder rund 50 Helfer die Ärmel hochgekrempelt, um bei wechselhaften Wetterbedingungen einen kulinarischen Fächer von der Paëlla über thailändisches Curry bis hin zu Cevapcicis aufzuspannen.

Festchronik ohne «Tolgge»

Von Anbeginn dabei: José Campos, Präsident der Ausländerorganisation und der spanischen Familienvereinigung. Er ist gleichzeitig auch Patron des Fests: «Es ist ein schönes Treffen zwischen Ausländern und Schweizern», schwärmt er. «Und zu Problemen ist es in diesen 36 Jahren nie gekommen.» Eine enge Zusammenarbeit besteht zudem auch mit dem Alten Spital, das den Vereinen den Raum für ihr Lokal und den Support bei Aktivitäten bietet. So weiss auch Leiterin Eva Gauch um die Bedeutung des Fests: «Von allen Projekten der Organisation hat das Freundschaftsfest am längsten Bestand.»

Nur der Name hat sich geändert: Bevor sich mit dem Aareträff, dem Freizeitclub von Insieme und Celebral Solothurn, vor rund acht Jahren eine Gruppierung mit Behinderten hinzukam, hiess die Veranstaltung Ausländerfest. Der Integrationsgedanke greift seither weiter als die reine Migrationsthematik. Ansonsten war im multikulturellen Vereinsbouquet des Alten Spitals lange Zeit vieles im Wandel. Gruppierungen kamen und gingen.

«Einige Vereine ergriffen schnell die Initiative, waren dann aber oft auch schnell wieder weg», sagt Gauch. Mit der Tamil Welfare Association, dem internationalen Kultur- und Solidaritätsverein der Kurden, der spanischen Eltern- und Familienvereinigung dem serbischen Fussballklub Bratstvo, dem Chor der Nationen und eben dem Freizeitclub hat sich nun aber ein fester Kern an Integrationsvereinen gebildet. Insgesamt 200 Mitglieder - angeschlossene Familienmitglieder nicht mitgerechnet - gehören der Ausländervereinigung am, rechnet Campos vor.

Altes Kriegsbeil begraben?

Natürlich sei es gerade bei früheren Gruppierungen gelegentlich zu Querelen gekommen, weiss Gauch, «vor allem, wenn unterschiedliche Bedürfnisse aufeinanderprallten oder wenn Spielregeln nicht eingehalten wurden.» Mit der heutigen Zusammenstellung sei es aber merklich ruhiger geworden: «Es ist auch nicht mehr vorgekommen, dass man sich in Unfrieden hat trennen müssen.» Natürlich sei man auch bei der Konstellation der Vereine entsprechend achtsam. Aktuell bestehende geopolitische oder kulturelle Konflikte werden auch bei der Vergabe der Vereinslokale mitberücksichtigt, sodass ebendiese Konflikte nicht «im Kleinen» von neuem entfacht werden.

Natürlich gebe es auch innerhalb der Vereine zuweilen Unstimmigkeiten. «Aber dort würde ich eine Intervention eher als Einmischung denn als Hilfestellung betrachten.» Zudem bestünden zurzeit auch keine Ressourcen, um bei auftauchenden Konflikten zu vermitteln. Übrigens könnte im Herbst mit dem Einzug des Beratungsbüros Ital UIL, das die Heimkehr hier ehemals arbeitstätiger Italiener koordiniert, ein rostiges «Kriegsbeil» begraben werden. Aufgrund von Meinungsverschiedenheiten mit der Organisation hatte der italienische Verein vor Jahren einen eigenen Weg ausserhalb der Mauern des Alten Spitals eingeschlagen.

Eva Gauch schätzt die Verschieden- und Eigenheiten der Vereine, weiss aber, dass dazu für sie als Leiterin auch ein intensiver Kontakt mit den Gruppierungen nötig ist. Betreuung und Begleitung sind nicht zuletzt auch wichtig, damit aus einer Idee ein handfestes Projekt wie eben beispielsweise das Freundschaftsfest werden kann. «Die meisten Vereine stehen vor dem gleichen Problem: Mitglieder, die sich für eine Sache engagieren wollen, gibt es nicht gerade zuhauf.» Dennoch wird in den Reihen des Alten Spitals darüber nachgedacht, ein weiteres Integrationsfest auf die Beine zu stellen, eines, das über die Gaumengenüsse hinausgehen und auch noch nicht kulinarische, kulturelle Programmpunkte beinhalten soll.

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