Als einen «grossen Schritt nach vorne» bezeichnet Regula Rytz, Präsidentin Grüne Schweiz, den Wahlsieg vom Wochenende. Für sie ist klar: «Die langjährige Vorarbeit, besonders die inhaltliche Arbeit, war glaubwürdig.» Auch der Regierungsratskandidat Martin Neukom habe überzeugt. Die Klimabewegung habe den letzten Schub gegeben.

Patrik Müller, Chefredaktor Zentralredaktion CH Media, räumt der politischen Grosswettersituation mehr Gewicht ein: «Das Timing hätte für die Grünen nicht besser sein können.» Dass dieser Themen-Zyklus nicht immer zu Gunsten der Grünen laufen muss, macht er mit einem Beispiel klar. «Vor vier Jahren, vor den Nationalratswahlen, hat Frau Merkel die Schleusen aufgemacht und es kamen viele Flüchtlinge. Da haben sich viele Schweizer gesagt: 'Stop, jetzt müssen wir SVP wählen.'» Jetzt rede man vom Klimawandel – und es gäbe keine anderen grossen Probleme, wie etwa eine Massenarbeitslosigkeit.

Für Schweizer Verhältnisse sei der Zuwachs von Grünen und GLP enorm, macht Müller klar: «Zusammengezählt sind die beiden Parteien etwa gleich gross wie die SVP.»

Eine der besten Erklärungen für den Wahlerfolg sei von Regierungsrat Ernst Stocker (SVP) gekommen. Dieser habe seine Leute dafür gerügt, dass sie zu wenig Emotionen in den Wahlkampf brachten. «Die Bürgerlichen haben gesagt, Zürich gehe es gut, man wolle weiter machen wie bisher. Damit holt man niemanden hinter dem Ofen hervor», findet auch Müller.

Weil auch die SVP, eigentlich Meisterin im Themen setzen, nichts gebracht habe, sei es auf den Klimawandel hinaus gelaufen. Die SVP gab nach den Wahlen den Medien Schuld an der Wahlschlappe

Rytz betont, es müssten jetzt Taten folgen: «Wir haben einen klaren Auftrag der Wählerinnen und Wähler, dass wir vorwärts machen im Klimaschutz, und zwar so, dass er für die Wirtschaft eine Chance ist.»

Patrik Müller stellt aber auch klar, dass die GLP und die Grünen nicht immer einig sind: «Wenn man sagt, die Bürgerlichen hätten die Mehrheit verloren, stellt man die GLP in die linke Ecke. In vielen Fragen sind sie aber überhaupt nicht mit den Grünen und der SP einig. Das möchte ich zuerst noch sehen, was sich wirklich ändert.» Den Klimanotstand auszurufen, das tue niemandem weh. «Wenn es dann um Verbote oder um die Erhöhung des Benzinpreises geht, dann machen die Leute vielleicht plötzlich nicht mehr so begeistert mit.»