Wahlen Maschwanden
Wo der ehemalige Gemeindepräsident wieder Gemeinderat werden will

Briefe und Bussen statt zuerst reden mit den Leuten: Ernst Lüscher, ehemaliger Gemeindepräsident, und Urs Studer, auch er Landwirt, werfen dem Gemeinderat Paragrafenreiter und fehlendes Augenmass vor. Sie kandidieren gegen die fünf Bisherigen. Für Gemeindepräsident Andreas Binder steht die korrekte Amtsführung im Vordergrund.

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Anzeiger aus dem Bezirk Affoltern

Von Werner Schneiter

Nach zwölf Jahren Gemeindepräsidium und vier Jahren Gemeinderat trat Ernst Lüscher im Jahr 2002 zurück. Nun strebt er als Gemeinderatskandidat ein Comeback an, zusammen mit Urs Studer, Präsident der Sennereigenossenschaft und der Flurgenossenschaft. Ihr Antrieb, gegen die fünf Bisherigen anzutreten, ist unter anderem eine wachsende Unzufriedenheit mit der Art der Amtsführung im Gemeinderat. Statt mit den Leuten vorerst das Gespräch zu suchen, agiere die Behörde oft kleinlich, mit fehlendem Augenmass und klammere sich einfach an Paragrafen. «Wir sind doch keine Grossstadt, sondern ein Bauerndorf, wo sich alle kennen - da sollte doch das Gespräch noch möglich sein», halten Lüscher und Studer fest. Da treffe gleich Brief ein - und sogleich würden Bussen ausgefällt.

Die beiden Landwirte betonen, sie seien auch für die Einhaltung von Gesetzen und Reglementen, es wäre aber zu begrüssen, wenn der vorhandene Spielraum ausgenützt würde. «Die riskieren gar nichts und halten alles gleich schriftlich fest. Von Berufs wegen bewegen sich die Bisherigen immer innerhalb von Vorgaben und Reglementen. Und so verhalten sie sich auch im Gemeinderat. Nötig ist Entscheidungsfreude und der Mut, die Diskussion auch mit dem Kanton zu führen», sagen die beiden Kandidaten, die nicht nur Unzufriedenheit nicht nur in Bauernkreisen orten. Der in den letzten vier Jahren im Maschwander Gemeinderat nicht vertretene Bauernstand - auch das ist für Ernst Lüscher und Urs Studer ein Argument, sich um einen Sitz zu bemühen. Und damit für eine echte Wahl sorgen.

Und - welche Chancen traut sich das Landwirt-Duo am 31. Januar 2010 zu? «Wir erreichen zumindest einen Achtungserfolg», glaubt Ernst Lüscher. Auch Urs Studer ist davon überzeugt, schränkt aber ein: «Werde ich gewählt und Ernst nicht, so nehme ich die Wahl nicht an. Ich allein mit vier anderen im Gemeinderat - das tue ich mir nicht an.» Speziell ist der Umstand, dass ein ehemaliger Gemeindepräsident nun wieder Gemeinderat werden will. «Mit Vorgesetzten hatte ich noch nie Mühe und stets ein gutes Verhältnis. Als Gemeinderat säge ich niemandem in die Beine», bemerkt Ernst Lüscher dazu.

Gesetze und Vorschriften einhalten

Für Gemeindepräsident Andreas Binder ist der Vorwurf eines fehlenden Augenmasses nichts Neues. Erstaunt ist er über den Zeitpunkt der Nomination der Kandidaten gewesen, da an der Wählerversammlung keine Kandidatur genannt und keine Kritik am Gemeinderat geäussert wurde.

«Ich kann mit den Vorwürfen leben», fügt er sogleich bei und betont, dass das Gespräch mit den Einwohnern immer gesucht werde. Aber letztlich seien Gesetze, Vorschriften und Vorgaben einzuhalten, und man müsse alle Personen gleich behandeln, was bei wesentlichen Übertretungen zu Bussen führen kann. Bevor Bussen ausgesprochen werden, könne der Betroffene immer Stellung dazu nehmen. Dass der schriftliche Verkehr grösser geworden ist, bestreitet Andreas Binder nicht. «Es ist besser, die Fakten schriftlich festzuhalten, damit auch zukünftige Gemeinderatsmitglieder Informationen hervorholen können, damit die damaligen Abläufe nachvollziehbar sind. Bei Nachfragen stossen wir immer wieder auf widersprüchliche Aussagen. So gesehen ist es besser, sich an schriftliche Fakten und Akten zu halten.»

Motiviert in eine weitere Amtsdauer

«Wir sind motiviert und bereit für eine weitere Amtsdauer», sagt Andreas Binder. Das haben die fünf Bisherigen auch in einem Flugblatt festgehalten. Während vor vier Jahren, vier Neue gewählt werden mussten, treten jetzt alle mit dem Zusatz «Bisher» an.

Tiefbauvorsteher Ruedi Bühler, Hochbauvorstand Fredy Sommer und Sozial- und Gesundheitsvorsteher Walter Wetli haben eine Amtsdauer hinter sich. Sicherheits- und Liegenschaftenvorsteherin Kathrin Felix-Strebel kam im Mai 2008 in den Gemeinderat. Andreas Binder war von 2002 bis 2008 Sicherheitsvorstand und ab 2008 Finanzvorstand. Seit 2006 amtet er als Gemeindepräsident.

Was steht in der kommenden Legislatur in Maschwanden an? Vorerst wird nun der ARA-Anschluss in Obfelden realisiert. Zudem verzeichnet Maschwanden derzeit ein gewisse Bautätigkeit. Die Einwohnerzahl, im Moment 600, wird nach Bezug der Sagi-Überbauung um 50 bis 80 Einwohnerinnen/Einwohner zunehmen. «Wir hoffen, dass unter den neu Zugezogenen auch Familien mit Kindern dabei sind, damit auch die Schule wieder Zuwachs bekommt. Wir wollen die Neuzuzüger in Maschwanden gut integrieren», sagt Andreas Binder dazu.

Im Baubereich sei aber auch das verdichtete Bauen ein Thema, hier gebe es Potenzial. Man warte in dieser Sache aber immer noch auf eine Antwort des Kantons, so der Gemeindepräsident. In der kommenden Legislatur steht n aber auch die Sanierung der Kantonsstrasse durch das Dorf und die Sanierung der Badi an.

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