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Wigdorovits' Anfängerfehler: Wenn der PR-Profi einen PR-Berater nötig hätte

PR-Berater Sacha Wigdorovits nannte Geri Müller schon mehrmals einen «Antisemiten». Nun muss er sich gegen den Verdacht wehren, in der Affäre um den grünen Nationalrat die Fäden gezogen zu haben. Dabei unterlaufen dem PR-Profi Anfängerfehler.

Lorenz Honegger
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PR-Profi Sacha Wigdorovits: Was war seine Rolle in der Affäre Geri Müller?

PR-Profi Sacha Wigdorovits: Was war seine Rolle in der Affäre Geri Müller?

Nordwestschweiz

In der PR-Branche gilt Kommunikationsprofi Sacha Wigdorovits als harter Hund; einer, der die schwierigsten Mandate annimmt – solche, bei denen die Konkurrenz dankend ablehnt.

Er vertritt Milliardärssöhne unter Missbrauchsverdacht, Erpressungsopfer, Grossbank-Chefs und CEOs von Tabakkonzernen – nicht immer, aber oft mit unzimperlichen Methoden.

Wenn Journalisten mit ihren Recherchen den Ruf einer seiner Klienten gefährden, flattert schnell einmal eine Klageandrohung auf der Redaktion ein.

Auch letzte Woche bot Wigdorovits seinen Anwalt auf, nur ging es dieses Mal um ihn selber. Der «Tages-Anzeiger» hatte berichtet, er, der bekennende Israel-Lobbyist, habe in der Affäre um den palästinafreundlichen Nationalrat Geri Müller darauf hingewirkt, dass kompromittierendes Material über den grünen Politiker bei der Presse landet.

PR-Mann Wigdorovits verlangte die sofortige Löschung des Artikels und bezeichnete die Vorwürfe als «frei erfunden». Das Problem: Die Vorwürfe waren nicht frei erfunden. Er hatte erwiesenermassen mehrmals Kontakt mit der 33-jährigen Frau, die ihre Chats und Nacktbilder mit Geri Müller in Umlauf gebracht hatte.

Die wiederholten Gespräche gab Wigdorovits aber erst zu, als ihm die Journalisten die Beweise schwarz auf weiss vorlegten, und immer nur so weit, wie man sie ihm nachweisen konnte.

Seine Rolle bleibt diffus. Laut Recherchen des «Tages-Anzeigers» ging Wigdorovits mehrere Zeitungen an, bevor die «Schweiz am Sonntag» die kompromittierende Geschichte über die Nacktfotos am 17. August publizierte. Er selbst bestreitet bis jetzt, Drahtzieher gewesen zu sein, und sieht sich als Opfer eines Komplotts von Geri Müller und dessen Anwalt.

Wie beim Paartherapeuten

In der Kommunikationsbranche wundert man sich derweil, wie viele Anfängerfehler dem PR-Profi in den letzten Tagen unterlaufen sind. Immerhin hatte er selbst Anfang Juli in einem Beitrag für die «Neue Zürcher Zeitung» noch geschrieben, wie wichtig «proaktive Kommunikation, Transparenz und, im Falle von Fehlern, ein selbstkritisches Schuldeingeständnis» seien.

Nun verstiess er gegen jedes einzelne dieser Gebote. Ein Partner einer grossen PR-Agentur vermutet, Wigdorovits fehle die Distanz zur Person Geri Müller. Das sei wie beim Paartherapeuten, der in der eigenen Ehe bei der ersten grösseren Krise alles falsch mache.

«Müller ist ein Antisemit»

Tatsächlich ist der Badener Stadtammann Müller mit seinen Kontakten zur radikal-islamischen Hamas-Regierung seit Jahren einer von Wigdorovits ärgsten Kontrahenten. Als diese Zeitung im September 2011 mit ihm über sein Engagement für Israel sprach, sagte er ohne Umschweife: «Geri Müller ist in meinen Augen ein Antisemit. Dass die Grüne Partei seine Äusserungen schluckt, nur weil er ihnen Stimmen einbringt, ist politischer Opportunismus und ein Skandal.»

Die Aussagen autorisierte er schriftlich. Wigdorovits erzählte von seiner Herkunft aus einer jüdischen Flüchtlingsfamilie und davon, dass ihn «die antisemitischen Tendenzen» in der Öffentlichkeit nicht mehr losliessen. «Ich habe mir einfach gesagt, dass ich etwas unternehmen muss.»

Im selben Jahr gründete er mit Gleichgesinnten die Stiftung und gleichnamige Internetseite Audiatur, «um jene Fakten über den Nahostkonflikt öffentlich zu machen, welche die meisten Medien verschweigen».

Die traditionellen Organisationen der Schweizer Juden seien ihm «zu duckmäuserisch». Sie hätten Angst, noch mehr Antisemitismus zu provozieren. Er war überzeugt: «Das ist genau der falsche Weg.»

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