Abzocker-Initiative

Wieso die Romands mit der Abzocker-Initiative nichts anfangen können

Christine Bussat soll die Abzocker-Initiative auch in der Romandie zum Thema machen.

Christine Bussat soll die Abzocker-Initiative auch in der Romandie zum Thema machen.

Die Abzocker sitzen in der Deutschschweiz – das Interesse der Romands am Abstimmungskampf ist deshalb lau. Christine Bussat, die bereits die erfolgreiche Unverjährbarkeits-Initiative lanciert hat, soll nun helfen, Gegensteuer zu geben.

Das Problem fängt bei der Sprache an: Wie nennt man einen Abzocker auf Französisch? Paolo Bernasconi, einstiger Mafiajäger im Tessin und seit kurzem Thomas Minders Mitstreiter im Kampf für die Abzocker-Initiative, suchte an einer Pressekonferenz vergeblich ein Wort. «Sauterelle» (Heuschrecke) und «mercenaire» (Söldner) kamen ihm in den Sinn - beides unpassend. In der Regel reden die Romands von der Initiative gegen die «profiteurs». Doch selbst diesem Wort fehlt die stark negative Komponente des Wortes «Abzocker».

Thomas Minders geschickter Schachzug, die Initiative mit den komplexen aktienrechtlichen Bestimmungen schlicht «Abzocker-Initiative» zu nennen, funktioniert in der Westschweiz nicht. Und während in der Deutschschweiz einst der «Blick» grosse Kampagnen gegen «Abzocker» gefahren und Manager mit hohen Boni an den Pranger gestellt hatte, blieben die Westschweizer Medien stumm.

«Die Supermanager sitzen in Basel und Zürich», sagt der welsche Publizist Peter Rothenbühler. «Die Lohnexzesse finden grossmehrheitlich in der Deutschschweiz statt», sagt der Freiburger CVP-Fraktionschef Urs Schwaller. So fühlen sich die Romands einerseits kaum betroffen von der Initiative, was die Ausgangslage für die Gegner schwierig macht. Andererseits fehlt der emotionale Nährboden, weshalb von einem Abstimmungskampf derzeit wenig zu spüren ist. Der Abstimmungssonntag vom 3. März steht in der Romandie ganz im Zeichen des Raumplanungsgesetzes.

«Initiantin hilft Initianten»

Allerdings: Für die Initianten muss dies kein Nachteil sein. Niemand weiss dies besser als die Genferin Christine Bussat. Mit der Initiative gegen die Unverjährbarkeit von sexuellen Straftaten an Kindern feierte sie an der Urne einen Erfolg - dank der Deutschschweiz, wo das Volksbegehren im Vorfeld keine hohen Wellen schlug. Ausgerechnet Bussat kämpft nun für die Abzocker-Initiative. Sie ist Mitglied des Westschweizer Unterstützungskomitees rund um Paolo Bernasconi und dem ehemaligen IKRK-Präsidenten Cornelio Sommaruga.

«Eine Initiantin hilft einem Initianten», sagt Bussat. Zwar stehe sie voll hinter dem Inhalt der Initiative, weil sie gegen «jeglichen Missbrauch» sei. Doch deutlich wird auch, dass Bussat mit Minder vor allem auch den Frust gegenüber Bundesbern teilt. Bussat ist in der Romandie populär - ihr Engagement macht Minder «très heureux», wie er sagt. Dennoch fehlt dem Initiativkomitee ein politisches Schwergewicht als Vorzeigefigur.

Dafür hat die CVP Waadt am Montag die Ja-Parole zur Initiative beschlossen. Nationalrat Jacques Neirynck (CVP/VD) hat gestern Minder seine Unterstützung zugesichert und ihm mitgeteilt, dass ein Ja in der Luft liege. Vielleicht tröstet diese Prognose den Initianten darüber hinweg, dass die wichtigste welsche Politsendung «Infrarouge» die Abzocker-Initiative erst zwei Wochen vor dem Abstimmungssonntag zum Thema machen will. «In Zeiten der brieflichen Stimmabgabe viel zu spät», echauffiert sich Minder. Doch Minder wäre nicht Minder, wenn er nicht über einen früheren Sendetermin verhandeln würde. Einem der Bedeutung des Themas angemessenen, versteht sich.

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