Gemeinderatspräsident

«Wers bequem haben will, wählt Viktor Stüdeli»

In Selzach kommt es zwischen Peter Brudermann (Bild / Freie Liste) und Amtsinhaber Viktor Stüdeli (CVP) zu einer Kampfwahl ums Gemeindepräsidium.

Peter Brudermann

In Selzach kommt es zwischen Peter Brudermann (Bild / Freie Liste) und Amtsinhaber Viktor Stüdeli (CVP) zu einer Kampfwahl ums Gemeindepräsidium.

Am 28. Juni will Peter Brudermann neuer Gemeindepräsident von Selzach werden. Im Interview spricht er über seine Rolle als «Andersdenkender» und seine ehrgeizigen Pläne.

Christof Ramser

Peter Brudermann, warum sollten die Selzacher Stimmbürger am 28. Juni gerade Sie als neuen Gemeindepräsidenten wählen?

Peter Brudermann: Ich bringe Dynamik in die Gemeinde. Nach 20 Jahren als Gemeindepräsident ist davon bei Viktor Stüdeli nicht mehr viel übrig. Es braucht stachelige Leute im Rat, die konstruktive Anreize schaffen. Wers hingegen bequem haben will, wählt noch einmal vier Jahre Viktor Stüdeli. Ich will den Bürgern zeigen, was eine Motion oder ein Postulat bewirken können. Sie sollen ihre Anliegen vermehrt einbringen. Dann werde ich die Zusammenarbeit mit den umliegenden Gemeinden vorantreiben. Ein weiterer Punkt ist die Gemeindeorganisation: Eine Gemeinde kann nur sparen, wenn sie haushälterisch mit den Mitteln für Angestellte und Infrastruktur umgeht.

Sie wollen restrukturieren?

Brudermann: Ob es eine Re- oder eine Umstrukturierung braucht, ist offen. Ich habe mit Vertretern der Freien Liste Lommiswil über Synergien und Sparmöglichkeiten gesprochen. Im Bereich Infrastruktur und Gemeindepersonal ist durchaus Potenzial vorhanden.

Wie weit kann eine solche Zusammenarbeit gehen? Ist eine Gemeindefusion für Sie denkbar?

Brudermann: Bei dem Thema laufen viele Sturm. Ich frage mich, wieso? Denn in einer fusionierten Gemeinde hat der Stimmbürger weiterhin Rechte und kann diese an der Gemeindeversammlung wahrnehmen. Bei Zweckverbänden ist das nicht der Fall. Es wird gesagt, dass die Notwendigkeit für eine Fusion nicht gegeben sei. Zusammen mit Lommiswil hätten wir aber einen höheren Stellenwert, zum Beispiel im Schulbereich.

Sie melden sich häufig zu Wort, machen an Gemeindeversammlungen oft Eingaben. Ihre Erfolgsbilanz ist aber bescheiden.

Brudermann: Ich mache nicht die Faust im Sack. Mir passt nicht, wie an Gemeindeversammlungen mit Andersdenkenden umgesprungen wird. Anregungen werden nicht entgegengenommen, sondern abgeblockt. Ich werde mit der Macht der Stimmen gebodigt, und nicht mit Argumenten. Es ist falsch, dass der Gemeinderat das Volk an den Gemeindeversammlungen vor Tatsachen stellt, so dass keine Fragen mehr offen bleiben. Mein Eindruck ist, dass Viktor Stüdeli nur scheinbar offen ist. Denn er geht nicht richtig auf Vorschläge ein, übrigens auch im Gemeinderat nicht. Allfällige negative Auswirkungen werden ausgeblendet. So wird man nicht motiviert, selber zu denken.

Woher wissen Sie das?

Brudermann: Ich sass ein paar Mal als Zuhörer im Gemeinderat und habe festgestellt, dass gerade die CVP sehr wenig einbringt. Dann ist die SP Selzach inexistent. Da ist keine Dynamik mehr drin, Anliegen im gesellschaftlichen oder im Umwelt-Bereich werden nicht mehr vorgebracht. Das ist auch der Grund, warum der dritte SP-Sitz verloren gegangen ist.

Die SP hat einen Sitz in Person ihres Cousins Rolf Brudermann verloren. Können Sie ihm noch in die Augen schauen?

Brudermann: Das konnte ich immer, und in der Politik gibt es keine Garantien. Es gibt auch nach 20 Jahren keine Garantie, dass man als Gemeindepräsident wiedergewählt wird.

Sie wurden auf Anhieb gewählt. Haben Sie vor allem Protestwähler abgeholt?

Brudermann: Ich habe wohl viele Neuwähler angesprochen, aber sicher auch Protestwähler. Viele meiner Wähler gehen nicht an die Gemeindeversammlungen. Das ist auch ein Grund, warum meine Vorstösse dort abgeschmettert werden.

Sie kritisieren vieles. Selzach steht aber nicht so schlecht da.

Brudermann: Ja, aber das ist nicht nur der Verdienst des Gemeindepräsidenten. Gerade im finanziellen Bereich hat die Finanzkommission vieles dazu beigetragen. Manchmal jedoch auf eine intransparente Art. Sonst hätten wir nicht dermassen hohe Überschüsse gehabt in den letzten Jahren.

Sie wollen den Gemeinderat regelrecht umkrempeln. Nehmen Sie sich nicht zu viel vor?

Brudermann: Alleine kann ich meine Ziele nicht verwirklichen. Aber ich bin zuversichtlich, dass die neu gewählten Gemeinderäte Hand bieten würden. Es darf nicht sein, dass die Bisherigen noch einmal vier Jahre eingelullt werden. Der Rat muss offener werden und Berührungsängste abbauen. Es geht schliesslich um die Sache.

Falls Sie gewählt werden: Wie sieht Selzach in zehn Jahren aus?

Brudermann: Selzach wird Schulen haben, die bekannt sind für ihre Qualität, weil sie transparent sind und mit Zielsetzungen arbeiten. Man wird unseren Schülern gerne Lehrstellen anbieten, und sie haben grösstmögliche Chancen, in die Kantonsschule einzutreten. Steuerlich wird Selzach im kantonalen Mittelfeld liegen, nicht darüber. Dann werden wir mehr Industrie und Gewerbe haben, und zwar in einer breiten Vielfalt. Ich denke auch über eine Pensenreduktion des Gemeindepräsidiums nach. Damit würden gleichzeitig die Gemeinderäte aufgewertet.

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