Wenn die Badi im Winter Gemüter erhitzt

Benutzerfeindliches Betriebskonzept mit zu kurzen Öffnungszeiten: Das wirft eine Gruppierung «Pro Badi» dem Gemeinderat vor und hat zuhanden der Gemeindeversammlung Fragen eingereicht. «Wir sperren uns nicht gegen flexible Lösungen», sagte Gemeindepräsident Peter Sandhofer, verwies aber auch auf kantonale Vorschriften.

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Von Werner Schneiter

Nicht die Budgets und nicht der Kläranlage-Anschlussvertrag mit Maschwanden bewirkte an der Obfelder Gemeindeversammlung vom Mittwoch einen Grossaufmarsch. Viele der 226 anwesenden Stimmberechtigten interessierten sich nur für die Badi-Anfrage an den Gemeinderat. Ihnen ist offenkundig ein längerer Aufenthalt im Schwimmbad wichtiger als zweieinhalb Stunden ausharren an der Gemeindeversammlung: Ein Grossteil verliess den Saal nämlich nach Verlesen der gemeinderätlichen Antwort.
Darin kam der Gemeinderat vorab auf den Knatsch in Sachen Pachtvertrag mit Pächter Remo Juchli zu sprechen. Er betonte, dass Gesuche für Aktivitäten ausserhalb des Badebetriebes grosszügig behandelt werden. Zudem sei der Pachtzins immer sehr niedrig gehalten worden. Als störend bezeichnete der Gemeinderat die Durchführung von Anlässen, ohne dass der Pächter zuvor eine Bewilligung eingeholt hat und entsprechenden Aufforderungen nicht nachgekommen ist. Weil keine Einigung zustande gekommen ist, wurde der Pachtvertrag vom Gemeinderat gekündigt und ein neuer Vertrag mit expliziten Präzisierungen ohne finanzielle Auswirkungen vorgelegt. Den hat der Pächter bisher nicht akzeptiert und die Kündigung beim Bezirksgericht angefochten. Er stellt sich auf den Standpunkt, dass der Kiosk-Betrieb dem Gastgewerbegesetz unterstellt ist und demzufolge für den Badikiosk die selben Öffnungszeiten gelten wie für ein Restaurant. Der Gemeinderat machte in seiner Stellungnahme deutlich, dass in dieser Freihaltezone kein selbstständiger Badi-Restaurantbetrieb bewilligungsfähig ist - und dass der Kioskbetrieb direkt mit dem Betrieb der Freibadanlage gekoppelt sein muss. Er stützt sich dabei auf Abklärungen bei der Baudirektion. Demzufolge stellt der Kiosk einen Nebenbetrieb zum Schwimmbad dar. «Aus diesem Grund haben sich die Betriebszeiten für den Kiosk grundsätzlich nach den Öffnungszeiten des Schwimmbades zu richten», liess die Baudirektion verlauten. Die gerichtliche Beurteilung bringe jetzt nur Verzögerungen für eine Pächterlösung in der Saison 2010 und verursache zusätzliche Kosten, bedauert der Gemeinderat.

Öffnungszeiten als Stein des Anstosses
Laut Gemeinderat haben Badeanlage und Kiosk dieselben Öffnungszeiten, in der Vorsaison von 10 bis 19 Uhr, in der Hauptsaison von 10 bis 20 Uhr und in der Nachsaison von 10 bis 19 Uhr. Bei guter Witterung sei es möglich, die Schliessungszeit um eine Stunde hinauszuschieben, aber ausserhalb der Öffnungszeiten müsse die Anlage - auch aus versicherungstechnischen Gründen - geschlossen bleiben. Dass Personen, die nicht baden wollen, den Restaurantbetrieb benützen können, habe der Gemeinderat bisher toleriert, obschon das laut Vertrag mit dem Pächter nicht möglich wäre. Und laut Baudirektion sei es möglich, pro Jahr zwei bis drei Ausnahmebewilligungen an Wochenenden für Events zu erteilen.
Diskussionsbedarf mit einer Delegation von Nutzern über das Betriebskonzept sieht die Behörde nicht. Der Gemeinderat habe die alleinige Kompetenz, die Regeln festzulegen. Und er sieht nur wenig Chancen, dass der Kanton einer Zonenplanänderung zustimmt. Und wenn: Eine Umzonung des Geländes, das ausserhalb des Siedlungsgebietes liegt, würde nach gemeinderätlicher Auffassung einen Zeitbedarf von über einem Jahr beanspruchen - ohne Einwendungen und Rekurse.

«Benutzerfeindliches Betriebskonzept»
In seiner Stellungnahme sprach Pro-Badi-Vertreter Heinrich Eggenberger von einem benutzerfeindlichen Betriebskonzept, von unhaltbaren Zutrittsbedingungen zum Kiosk für Personen ohne Badeabsicht. «Man stelle sich vor, wenn Grosseltern mit ihren Enkeln in die Badi kommen wollen», sagte er und kritisierte die im Vergleich zu umliegenden Badeanstalten zu kurzen Öffnungszeiten und die Diskussionsverweigerung des Gemeinderates. «Nur er weiss, was die Leute brauchen, nach dem Motto: Der König sagt es den Untertanen». Pro Badi wünsche sich, dass der Gemeinderat den vorhandenen Spielraum ausnütze, seine vorzüglichen Kompetenzen ausschöpfe und die Wünsche der Bevölkerung ernst nehme und diese benutzerfreundlich umsetze. «Der heutige Zustand ist nicht akzeptabel», schloss Heinrich Eggenberger unter grossem Applaus. Man sperre sich nicht dagegen, die Badi schon um 8 Uhr zu öffnen, und man habe nie etwas eingewendet, wenn die Badi jeweils zwei Stunden länger geöffnet gewesen sei, sagte Gemeindepräsident Peter Sandhofer. «Der Gemeinderat ist an einer guten Lösung interessiert - auf einer sachlichen Ebene», fügt er bei und findet es kontraproduktiv, dass mit der jetzigen Diskussion «der Kanton aufgescheucht worden ist».

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