Sion
Wegen Kauf von Kampfjets: Offiziere wollen Schliessung von Militärflugplatz stoppen

Armeenahe Organisationen fordern einen Marschhalt, bis Entscheid über neue Kampfjets gefallen ist.

Lorenz Honegger
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Bald ein Bild der Vergangenheit? Eine F/A-18 in Sion. Keystone

Bald ein Bild der Vergangenheit? Eine F/A-18 in Sion. Keystone

KEYSTONE

Jahrzehntelang starteten in Sion Flugzeuge der Schweizer Luftwaffe. Ende 2017 soll damit Schluss sein. Ab dem 31. Dezember wird die Armee nach dem Willen des Bundesrates den regelmässigen Militärflugbetrieb im Wallis einstellen und den Standort nur noch in Ausnahmefällen nutzen. Sion wird zu einem rein zivilen Flughafen. Zum Beispiel für die wachsende Zahl an superreichen Wintertouristen, die mit dem Privatjet ins Wallis fliegen.

Doch nun regt sich Widerstand. Die Schweizerische Offiziersgesellschaft und zahlreiche weitere armeenahe Gruppierungen wollen die Schliessung des Sittener Militärflugplatzes in letzter Minute stoppen. Sie kritisieren, der Schritt schränke den Spielraum für die Beschaffung neuer Kampfflugzeuge erheblich ein. Ihre Befürchtung ist, dass der Kauf von 55 bis 70 neuen Kampfjets nicht mehr möglich sein wird, wenn die Luftwaffe nur noch über die Flugplätze Payerne, Meiringen und Emmen verfügt.

«Der Standort Sion muss erhalten bleiben, bis die Zahl der zu beschaffenden Flieger feststeht», fordert Stefan Holenstein, Präsident der Offiziersgesellschaft, auf Anfrage. Sonst werde der Entscheid vorweggenommen.

Zu wenig Flugplätze für 70 Jets

Die Zahl von 55 bis 70 Kampfjets steht als Maximalvariante in den Empfehlungen der Expertengruppe von Verteidigungsminister Guy Parmelin. Das Ende Mai veröffentlichte Papier bildet die Grundlage für die Beschaffung eines neuen Kampfflugzeuges. Die Kosten dafür betragen bis zu 14 Milliarden Franken. Die Offiziersgesellschaft hat sich bereits öffentlich für die teuerste Option ausgesprochen. Präsident Holenstein argumentiert, ohne die Kapazitäten in Sion sei diese Variante «kaum mehr möglich».

Der Aviatikexperte Max Ungricht bestätigt, dass sich eine so grosse Anzahl Flieger wohl nicht von den Flugplätzen Payerne und Meiringen alleine betreiben lässt. Der dritte Standort Emmen sei ein Werksflugshafen, der nur in Ausnahmefällen für militärische Operationen infrage komme.

Eine Konzentration auf zwei Standorte mache zwar aus Kostengründen Sinn, stelle aus militärtaktischen Überlegungen jedoch ein erhebliches Risiko dar. Im Ernstfall könnte die Luftwaffe von einem Gegner viel schneller ausser Gefecht gesetzt werden. «Ich kenne kein westeuropäisches Land, das auf einem Flugplatz drei oder vier Staffeln stationiert», sagt Ungricht. Aus fachlicher Sicht fände er es «im Sinn einer Dezentralisierung» sinnvoll, wenn Sion offenbleibt.

Mit Wohlwollen reagiert der für das Walliser Sicherheitsdepartement zuständige FDP-Staatsrat Frédéric Favre auf die Forderung der Offiziersgesellschaft: Das Militär ist im Alpenkanton ein gern gesehener Arbeitgeber. «Die Armee ist im Wallis immer willkommen gewesen und wird es auch bleiben.» Der Kanton sei offen, was die künftige Nutzung des Standorts als Ausweichflugplatz für die Luftwaffe anbelange. Favre betont aber auch, dass das Wallis die zivile Zukunft des Flughafens mit dem Bund bereits in einer Vereinbarung festgelegt habe.

VBS zeigt die kalte Schulter

Weniger verständnisvoll äussert sich das Verteidigungsdepartement (VBS) zum Vorpreschen der Offiziere: Die Schliessung des Sittener Militärflugplatzes sei bereits «mehrfach kommuniziert» worden. Ob dies den Entscheid über die Anzahl der zu kaufenden Kampfjets präjudiziert, will Sprecher Renato Kalbermatten nicht kommentieren. Der Bundesrat werde noch in diesem Jahr einen Richtungsentscheid zur Erneuerung der Luftverteidigung fällen. Bis dahin werde das Departement keine weiteren Fragen beantworten.

Am meisten Freude an einer Beibehaltung des Militärflugplatzes Sion hätte vermutlich nicht die Walliser, sondern die Luzerner Bevölkerung. Denn am Standort Emmen (wie auch in Payerne und Meiringen) wird der Fluglärm ab kommendem Jahr als Folge der Schliessung des Militärflugplatzes Sitten zunehmen: Die Luftwaffe rechnet im Kanton Luzern mit rund 20 Prozent mehr Bewegungen von Armeeflugzeugen als bisher, und das teilweise über dicht besiedeltem Gebiet.

Der Forderungskatalog der Offiziere geht übrigens noch weiter. Sie verlangen auch, dass der Flugplatz Buochs im Kanton Nidwalden als «Sleeping Base» – als schlafende Basis – beibehalten wird. Das heisst: Im Ernstfall soll der Standort wieder voll militärisch nutzbar sein. Doch auch hier signalisiert das VBS, die Würfel seien bereits gefallen.

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