Schweiz

Wegen Coronakrise: Caritas will Sozialhilfe von Aufenthaltsbewilligung entkoppeln

Haben im Sozialstaat Schweiz keine Rechte: Sogenannte «Sans-Papiers» bei einer Demonstration in Lausanne. (Symbolbild)

Haben im Sozialstaat Schweiz keine Rechte: Sogenannte «Sans-Papiers» bei einer Demonstration in Lausanne. (Symbolbild)

Auch wer sich illegal in der Schweiz aufhält, soll in der Krise nicht alleingelassen werden: Die Caritas fordert die Entkoppelung von Sozialhilfebezug und Aufenthaltsbewilligung.

(wap) Die Coronakrise sei für die Caritas zur «grössten Hilfsaktion in ihrer Geschichte für die Schweizer Bevölkerung» geworden, meldete das Hilfswerk am Montag in einer Miteilung. Über 100'000 Menschen hätten schweizweit Hilfe der Caritas in Anspruch nehmen müssen, weil sie durch die Coronakrise in eine Notlage geraten seien. Grund dafür seien grosse Lohneinbussen durch Arbeitslosigkeit, Kurzarbeit oder den Wegfall von Nebenjobs.

Besonders betroffen sind nach Angaben der Caritas Personen, die illegal in der Schweiz leben. Bei ihnen greife das Auffangnetz des Sozialstaates nicht, da die Bezugsrechte an eine Aufenthaltsbewilligung geknüpft seien. In Krisensituationen stünden arbeitende «Sans-Papiers» darum ohne jegliche soziale Sicherheit da. Dies habe sich besonders in der Westschweiz gezeigt, schreibt Caritas in ihrer Medienmitteilung.

Mehr Kurzarbeitsentschädigung und Prämienverbilligungen

Die Caritas appelliert deshalb an die Politik, den Sozialhilfebezug nicht länger an eine Aufenthaltsbewilligung zu knüpfen. Auch die Existenz der «Sans-Papiers» müsse gesichert werden. Weiter müssten laut Caritas die Mittel für die Prämienverbilligung in den nächsten zwei Jahren um mindestens 50 Prozent erhöht werden und die Kurzarbeitsentschädigung für Menschen in prekären Situationen auf 100 Prozent erhöht werden.

Insgesamt half die Caritas in der Coronakrise laut eigenen Angaben bereits mit 12,2 Millionen Franken, wovon 9,7 Millionen von der Glückskette stammen. Je nach Dauer der Krise sei zu befürchten, dass die Mittel nicht ausreichten, schreibt die Caritas in ihrer Mitteilung. Bis jetzt habe die Caritas an 14'000 in Not geratene Personen finanzielle Direkthilfe ausgerichtet. Weiter wurden nach Angabe der Caritas 31'000 Einkaufsgutscheine verteilt und eine halbe Million Hygienemasken abgegeben.

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