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Wasserverbrauch: Hahn macht Flasche Konkurrenz

Die Mineralwasserbranche sorgt sich wegen der Beliebtheit des Hahnenwassers.

Die Mineralwasserbranche sorgt sich wegen der Beliebtheit des Hahnenwassers.

Die Schweizerinnen und Schweizer lieben Hahnenwasser. Wie viel davon genau pro Kopf getrunken wird, ist nicht bekannt. Gemäss einer unveröffentlichten Studie im Auftrag des Trinwasserverbands SVGW aus dem Jahr 2017 konsumieren 72 Prozent der Bevölkerung regelmässig Wasser aus dem Hahnen, 42 Prozent gar mehrmals am Tag. Sie tun das gemäss Umfrage vor allem wegen des guten Geschmacks.

Weitere Eigenschaften, die sie mit dem Hahnenwasser verbinden, sind: preisgünstig, jederzeit verfügbar, durstlöschend, qualitativ hochstehend, gesund, bequem, natürlich und frisch. Erstaunlich dabei ist, dass umweltfreundlich nur selten genannt wird. Dabei ist die Ökobilanz von Hahnenwasser äusserst gut – gerade im Vergleich zum Flaschenwasser.

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Vorteile von Mineralwasser

Der Mineralwasserbranche jedoch bereitet die Beliebtheit des Leitungswassers zunehmend Sorgen. Zwar wird hierzulande auch viel Wasser aus der Flasche getrunken, wie Zahlen des Verbands Schweizerischer Mineralquellen und Soft-Drink-Produzenten (SMS) zeigen. So wurden 1989 knapp 440 Millionen Liter konsumiert, 2017 waren es mit 977 Millionen Liter bereits mehr als doppelt so viel.

Pro Kopf haben die Schweizer zuletzt 115 Liter Mineralwasser getrunken. Doch der Konsum inländischer Marken hat im vergangenen Jahr leicht abgenommen – trotz des warmen Sommers. Darum will die Branche nun handeln, wie diese Zeitung kürzlich berichtete: Die Mineralwasserproduzenten wollen eine Kampagne lancieren, um den Rückgang zu stoppen und die Vorteile von Mineralwasser anzupreisen.

Doch warum sollten Konsumenten zur Flasche greifen, wenn es in der Schweiz doch gutes Leitungswasser fast gratis gibt? Der SMS beantwortet die Frage so: Leitungswasser sei vielfach aufbereitet und werde dabei entweder chemisch oder physikalisch behandelt. Im Gegensatz zu Mineralwasser könnten die Inhaltsstoffe des Hahnenwassers zudem starken Veränderungen unterworfen sein. Bei den Mineralwässern hingegen könnten die Konsumenten jene wählen, die ihnen geschmacklich besser entsprechen.

Paul Sicher, Kommunikationschef des SVGW, sagt dazu: «Man sollte Flaschenwasser und Hahnenwasser nicht gegeneinander ausspielen.» Jeder solle trinken, was er möchte. «Wichtig ist, dass die Menschen wissen, wie gesund und qualitativ hochwertig das natürliche Hahnenwasser in der Schweiz ist, und dass wir unseren natürlichen Wasservorkommen stärker Sorge tragen», so Sicher.

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