Quereinsteiger

Was taugen die 3000 potenziellen Quereinsteiger als Lehrer?

Primarschüler einer ersten Klasse am allerersten Schultag im Schulhaus Aemtler in Zürich. 21/08/2006 (models released für redaktionelle Zwecke)

Weit über 3000 potenzielle Quereinsteiger

Primarschüler einer ersten Klasse am allerersten Schultag im Schulhaus Aemtler in Zürich. 21/08/2006 (models released für redaktionelle Zwecke)

Anfang Juli lancierte die Zürcher Bildungsdirektorin Regine Aeppli einen interkantonalen Aufruf gegen den Lehrermangel: Quereinsteiger sollten sich melden. Sie taten es in Zürich und der Nordwestschweiz – massenweise. Wie viele sich als Lehrer eignen, ist jedoch fraglich.

Matthias Scharrer

Das Echo überrascht auch Fachleute: «Wir haben bereits rund 1800 Interessenten», sagt Martin Wendelspiess, Volksschulamt-Chef des Kantons Zürich. Ähnlich ist der Rücklauf in den ebenfalls an der Aktion «Gemeinsam gegen den Lehrermangel» beteiligten Nordwestschweizer Kantonen: Bei der Pädagogischen Hochschule (PH) Nordwestschweiz sind laut Direktor Hermann J. Forneck 1560 Personen registriert, die als Quereinsteiger den Lehrerberuf ergreifen wollen. Kein Vergleichswert war bei der PH Bern erhältlich.

Anfang Juli hatten die Trägerkantone der drei grössten pädagogischen Hochschulen der Schweiz (Zürich, Bern, Basel-Stadt und -land, Aargau, Solothurn) Interessierte dazu aufgerufen, sich als Quereinsteiger für den Lehrerberuf ausbilden zu lassen.

Hintergrund ist der chronische Lehrermangel, der in den nächsten Jahren wohl noch zunimmt. «Ich habe nicht mit so vielen Interessenten gerechnet», sagt Lilo Lätzsch, Präsidentin des Zürcher Lehrerinnen- und Lehrerverbands (ZLV). «Allerdings wird nur ein Bruchteil von ihnen die Voraussetzungen für den Lehrerberuf erfüllen», vermutet sie.

Drei Viertel mit hohem Bildungsniveau

Der Zürcher Volksschulamt-Chef Wendelspiess geht hingegen davon aus, dass mehr als die Hälfte der Interessenten für die Lehrerausbildung infrage kommt. Von denen, die bereits ausführlichere Dossiers einreichten, habe die Hälfte eine akademische Ausbildung und ein Viertel eine Ausbildung auf Fachhochschul-Niveau. Die Mehrheit sei in ungekündigter Stellung. «Die Angst, das Lehrer-Image sei am Boden, wird dadurch relativiert», sagt Wendelspiess.

Mit was für Tests die für eine Lehrerausbildung geeigneten Interessenten ausgewählt werden, ist noch unklar. Ebenso, wie ihre Ausbildung genau aussehen wird. «Die pädagogischen Hochschulen sind daran, verschiedene Programme zu erarbeiten», sagt Wendelspiess.

Drei Hochschulen, drei Zeitpläne

Beteiligt sind die PH Zürich, die PH Bern und die PH Nordwestschweiz. Sie sollen auch gemeinsame Eckpunkte vereinbaren, damit die Lehrerpatente für Quereinsteiger in allen beteiligten Kantonen gültig sind.

Allerdings laufen die Vorbereitungen unterschiedlich schnell: Die PH Zürich will bereits kommenden Frühling, die PH Nordwestschweiz im Herbst 2011 mit ihren Quereinsteiger-Programmen beginnen, wie aus den Rektoraten zu erfahren ist. Ob, wie und wann die PH Bern loslegt, ist laut Sprecherin Suzanne Auer noch offen. Geplant seien kürzere und längere Lehrgänge, von denen ein guter Teil berufsbegleitend stattfinden soll; sagt Hans-Jürg Keller, Prorektor der PH Zürich.

«Wer schon ein verwandtes Studium und berufliche Erfahrung in ähnlichen Bereichen hat, wird vielleicht ein Semester Vorbereitung an der PH und zwei Jahre berufsbegleitende Ausbildung absolvieren, während er schon als Lehrer tätig ist», skizziert Keller den Stand der Dinge.

Die in einem früheren Studium und durch Berufserfahrung erworbenen Kompetenzen würden in Form von Kreditpunkten angerechnet. Davon brauchen die Quereinsteiger am Schluss gleich viele wie Absolventen einer normalen Lehrerausbildung.

«Ich gehe davon aus, dass im Frühling 2011 eine erste Tranche von besonders geeigneten Interessenten die Ausbildung anfängt», sagt Keller. Im kommenden Sommer sollen sie dann bereits unterrichten. An der PH Nordwestschweiz soll das Quereinsteiger-Programm im Herbst 2011 beginnen. Der genaue Ablauf wird laut Forneck im Laufe dieser Woche zunächst intern kommuniziert.

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