Vergleich

Was Hollands Armee anders macht als die Schweiz

Ein F-35 Joint Strike Fighter der US-Armee.Wikipedia Commons

Ein F-35 Joint Strike Fighter der US-Armee.Wikipedia Commons

Die Schweiz und Holland sind in vielerlei Hinsicht vergleichbare Staaten. Woch wie sieht es in der Armee aus? Holland setzt im Unterschied zur Schweiz auf eine einzige Kampfjetflotte und auf internationale Kooperation.

Die Schweiz und Holland sind in vielerlei Hinsicht vergleichbare Staaten. Beide Länder sind klein, gut organisiert, wirtschaftlich stark und finanzpolitisch sorgfältig.

Im Asylwesen versucht die Schweiz derzeit, das holländische Modell schneller, zentralisierter Verfahren zu adaptieren. Justizministerin Simonetta Sommaruga weilte zu diesem Zweck persönlich in Holland, um sich ein Bild vor Ort zu machen.

In der Sicherheitspolitik liegen die Gemeinsamkeiten etwas weniger auf der Hand. Holland ist im Unterschied zur neutralen Schweiz Mitglied der Nato.

Dennoch lohnt sich der Vergleich. Wie in der Schweiz warf auch in den Niederlanden die Beschaffung neuer Kampfflugzeuge in den letzten Monaten hohe Wellen.

Umstrittener Deal mit USA

Die Niederlande sind seit kurzem Besitzer des ersten neuen, amerikanischen Kampfjets Joint Strike Fighter (JSF). Das hypermoderne Flugzeug steht derzeit noch auf dem US-Luftwaffenstützpunkt Eglin in Florida.

Dort werden niederländische Piloten von ihren amerikanischen Kollegen für den Flug mit dem JSF ausgebildet.

Die Teilnahme am JSF-Projekt, im US-Verteidigungsministerium «F-35 Lightning II» genannt, war in den Niederlanden jahrelang heftig umstritten.

Noch vor einem Jahr verabschiedete die sozialdemokratische Arbeiterpartei eine Resolution, die den Ausstieg aus dem teuren JSF-Projekt gefordert hatte. Jetzt, ein Jahr später, hat die Linke dem Kauf zugestimmt – das Projekt wurde aus Spargründen massiv redimensioniert.

Die sozialliberale Haager Regierung muss aber weiterhin sparen. Von einem 6-Milliarden-Sparpaket entfällt eine Milliarde auf die Armee.

Um sich ein modernes Flugzeug leisten zu können, schafft Holland im Gegenzug sämtliche Panzerbrigaden ab – ein erster signifikanter Unterschied zur Schweiz, die an Artillerie und Panzertruppen festhält.

Die niederländische Luftwaffe wird voraussichtlich 35 JSF-Jets erwerben. Ursprünglich war der Kauf von 85 Flugzeugen geplant, die nach dem Stealth-Prinzip gebaut und daher für das Radar eines Gegners unsichtbar sind.

Die niederländische Verteidigungsministerin Jeanine Hennis-Plaschaert will für den Kauf zwischen 4 und 6 Milliarden Euro ausgeben.

Die Kosten sind variabel, weil die Produktion des Flugzeugs tendenziell teurer wird. Zum Vergleich: Die 22 Gripen-Jets, welche die Schweiz kaufen will, kosten 3,1 Milliarden Franken.

Ersatz für F-16-Jets

Im Unterschied zur Schweizer Luftwaffe, die mit dem Gripen und dem FA-18 auf zwei Flugzeugtypen setzt, verfolgt Holland aus Effizienzgründen mittelfristig eine Einflotten-Politik.

Die JSF-Maschinen sollen sukzessive die veralteten F-16-Jets ablösen. Die Lieferung der neuen Flieger erfolgt deshalb gestaffelt auf 20 Jahre.

Aus Sicht der Schweizer Armee ist der Gripen hingegen nur der Ersatz für die veraltete Tiger-Flotte und nicht die Vorwegnahme der Ersatzbeschaffung für die 33 F/A18, die in ungefähr 15 bis 20 Jahren ausgemustert werden.

Im Unterschied zur Schweiz denken Hollands Politiker und Generäle international. An der Entwicklung des JSF sind nebst den USA auch die Nato-Partner Italien, Grossbritannien, Türkei, Kanada, Australien und Norwegen beteiligt. Auch Israel und Singapur wollen den JSF bestellen.

Der JSF soll aber nicht nur gemeinsam entwickelt, sondern auch in gemeinsamen Übungen zum Einsatz kommen.

Die internationale Kooperation wird massiv vereinfacht, wenn zahlreiche Luftwaffen mit derselben Technologie ausgerüstet sind.

Die holländische Luftwaffe kooperiert aktuell bei internationalen Friedenseinsätzen eng mit der deutschen Bundeswehr. So haben deutsch-niederländische Verbände etwa in Afghanistan gemeinsame Einsätze geflogen.

Schweiz fliegt autonom

Die Schweiz setzt derweil weder auf internationale Einsätze noch auf eine verstärkte Kooperation mit Nachbarstaaten. Mit der Wahl des schwedischen Gripen soll der militärische Alleingang letztlich zementiert werden.

Ein Angebot Frankreichs für eine «umfassende Kooperation der beiden Luftwaffen» hat der Bundesrat auf Vorschlag von Ueli Maurer im Zuge der Kampfjet-Evaluation abgelehnt.

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