Kommentar

Von wegen Freiheit: Der Bundesrat entscheidet vorerst nichts – und handelt richtig

Anna Wanner
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Viele Fälle und das jeden Tag. Die Schweiz steht im internationalen Vergleich der Coronazahlen schlecht da. Warum der Bundesrat aber trotzdem die richtige Strategie wählt.

Halten wir das aus? 5596 Infektionsfälle an einem Tag und der Bundesrat entscheidet: nichts. Die Schweiz steht schlechter da als viele andere Länder, die notabene schärfere Massnahmen erlassen haben. Der Bundesrat wartet zu, erst in einer Woche will er über allfällige neue Regeln entscheiden.

Das Vorgehen birgt das Risiko, dass sich die Situation weiter verschärft. Trotzdem ist es richtig, dass die Kantone das Zepter in der Hand behalten und Regeln aufstellen, die ihrer eigenen Situation entsprechen. Viele Kantone haben Verschärfungen erlassen. Am weitesten geht die Walliser Regierung, die Besuche in Altersheimen, Gottesdienste und Kontaktsportarten verbietet sowie Kinos, Theater und Schwimmbäder schliesst. Die Lage in den Kantonen unterscheidet sich massiv. Im Wallis wurde in den letzten zwei Wochen fast ein Prozent der Bevölkerung positiv getestet, in Schaffhausen sind es sechsmal weniger.

Richtig ist das Vorgehen aber auch, weil noch unklar ist, inwiefern die Massnahmen vom letzten Wochenende wirken. Gleichzeitig appellierte Bundesrat Alain Berset abermals an die Verantwortung der Bevölkerung: «Das Virus hat keine eigenen Beine, es kann sich nicht alleine fortbewegen.» Nur suggerieren Maskenpflicht und Schutzkonzepte eben auch grösstmögliche Freiheit. Sollten wir noch Freunde und Familie treffen? Und können wir ohne Bedenken auswärts essen? Die Freiheit ist längst eingeschränkt. Halten wir das weiterhin aus? Oder müssen doch strengere Regeln her?

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Anna Wanner

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