Pandemiepolitik

Von rot bis grün: Ein Ampelsystem zeigt wie ernst die Corona-Situation ist

Wer ist von der Pandemie am meisten betroffen? Das Ampelsystem soll helfen.

Wer ist von der Pandemie am meisten betroffen? Das Ampelsystem soll helfen.

Viele Kantone stützen ihre Pandemiepolitik auf ein «Rebound»-Konzept der Kantonsärzte. Es zeichnet im Moment ein positives Bild.

Flickenteppich! Corona-Chaos! Seit der Bund die Federführung bei der Bekämpfung des Coronavirus den Kantonen übergeben hat, hagelt es Kritik an den unterschiedlichen Herangehensweisen. Eine Umfrage bei einer Reihe von Kantonen zeigt nun, dass zwar jeder Kanton grundsätzlich eigene Entscheidungen fällt. Es gibt aber durchaus gemeinsame Grundlagen. Die Redaktion von CH Media wollte von den Kantonen wissen, in welcher Lage sie der Bevölkerung das Arbeiten von zuhause wieder empfehlen würde, so wie es einst der Bund tat.

Thurgau empfiehlt Heimarbeit ab 20 Fälle pro Tag

Der Kanton Thurgau empfiehlt ab zehn neuen Fällen pro Tag (gemittelt über drei Tage) Personen mit erhöhtem Risiko von zu Hause aus zu arbeiten. Steigt dieser Wert auf 20 Fälle oder kommt es zu einem abrupten Anstieg der Ansteckungen sollen möglichst alle Heimarbeit leisten. Von solchen Werten ist der Kanton aber weit entfernt. In den letzten Tagen wurden zwischen einer und drei Neuansteckungen registriert.

Mit der Nennung eines genauen Schwellenwertes fürs Homeoffice ist Thurgau die Ausnahme. Alle anderen angefragten Kantone wollen sich nicht festlegen, bei welchen Infektionswerten, sie welche Massnahme ergreifen.

Die Entscheidungsgrundlagen der Kantone sind unterschiedlich transparent. Meist besteht ein Strategiepapier für den Fall stark ansteigender Infektionen, das im Fachjargon «Rebound»-Papier genannt wird. Öffentlich machen will man es in vielen Kantonen nicht, verweist aber auf das Rebound-Konzept der Vereinigung der Kantonsärztinnen und Kantonsärzte an. Dieses ist ebenfalls nicht zugänglich, basiert aber auf dem öffentlichen Konzept des Kantons Zug.

© CH Media

Das Zuger Konzept beinhaltet ein Ampelsystem mit den Phasen Grün, Gelb, Orange und Rot. Die Ampel richtet sich nach der Zahl der Neuinfektionen pro Woche und der Geschwindigkeit, mit der die Fälle zunehmen. Gibt es weniger als zehn bestätigte Corona-Fälle pro 100000 Einwohner in den letzten sieben Tagen, bleibt die Ampel auf grün. Für den Kanton Zug liegt die Grenze auf 13 Fällen pro Woche für die Schweiz bei 855. Der Kanton Zug verzeichnete in den letzten sieben Tagen (Stand 6. August) neun Fälle, die Ampel zeigt also grün. Die gesamte Schweiz hatte in den letzten sieben Tagen 936 neue Fälle. Das sind rund 11 pro Hunderttausend Einwohnern und liegt damit über dem Grenzwert von 10. Weil aber die Neuinfektionen gegenüber der Vorwoche zurückgegangen sind, steht die Ampel auch für die Gesamtschweiz auf Grün. Denn bei einer Abnahme bleibt die Lage bei bis zu 50 Fällen pro Hunderttausend Einwohnern im grünen Bereich.

Selbst für den Kanton Genf, der rund 42 Neuinfektion in den letzten sieben Tagen auf hunderttausend Einwohnern verzeichnet, steht die Ampel auf Grün. Grund ist auch hier, dass sich in der letzten Woche das Virus weniger schnell verbreitete.

Nationale Gremien sind erst bei Alarmstufe Rot gefragt

Das kantonale Konzept für die zweite Coronawelle verzichtet weitgehend auf Automatismen wie zum Beispiel einer Maskenpflicht für Läden ab einer gewissen Anzahl Infektionen. Die Behörden sollen jeweils in der konkreten Situation über Auflagen oder Schliessungen von Läden, Restaurants oder Schulen, Versammlungsverbote oder zusätzliche Hygienemassnahmen befinden. Im Einzellfall zum Beispiel bei Ansteckungen in einem einzelnen Schulhaus oder Restaurant ist gemäss der Zuger Strategie der Kantonsarzt zuständig. Generellen Massnahmen wie zum Beispiel der Schliessung aller Schulen erlässt die Regierung. Flächendeckende Massnahmen sind allerdings erst bei Alarmstufe Rot vorgesehen. Diese tritt bei einer schnellen Ausbreitung ab 25 Fällen pro Hunderttausend Einwohner in Kraft. Breitet sich das Virus langsam aus, liegt der Richtwert bei 75 Fällen.

Verschlechtert sich die Lage von Grün auf gelb soll die Kommunaktion mit der Bevölkerung und den Nachbarkantonen intensiviert werden. Konkrete Absprachen mit anderen Kantonen sind für die orange Phase vorgesehen. Erst bei Alarmstufe Rot sollen dem Bund und der Gesundheitsdirektorenkonferenz wieder mehr Gewicht zukommen.

Allerdings halten sich die Kantone nicht strikt an dieses Schema. So betont etwa ein Sprecher des Kantons Solothurn, dass Massnahmen immer mit den umliegenden Kantonen abgesprochen würden.

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