Während die Wahlzettel im Kanton Zürich ausgezählt werden, steht Sarah Akanji noch als Captain der Frauenmannschaft des FC Winterthur auf dem Rasen. Als sie danach aus der Dusche kommt, ist klar: Nicht nur kann sich Akanji an diesem Sonntag über einen sportlichen Sieg freuen (3:1 gegen den SC Schwyz), sondern auch gleich noch über ein politisches Glanzresultat. Die 25-jährige Schwester von Fussballstar und Nati-Stammspieler Manuel Akanji ist die mit Abstand bestgewählte SP-Kantonsrätin im Kanton Zürich. Nie habe sie mit einem solchen Resultat gerechnet, sagt Akanji am Tag danach.

Es ist tatsächlich ein grosser Erfolg für die politische Newcomerin, die erst seit rund einem Jahr Mitglied der SP ist. Dieser Erfolg ist wohl auch auf den bekannten Namen zurückzuführen, auf den bekannten Bruder. Aber aus ihrer Sicht nur zu einem sehr kleinen Teil, wie Akanji sagt: «Die Menschen in Winterthur wissen, wofür ich stehe. Sie kennen meinen Einsatz für die Gleichstellung, etwa mit der Gründung der Frauenmannschaft des FC Winterthur.» Niemand habe sie gewählt, nur weil sie die Schwester eines bekannten Fussballers sei, ist sich Akanji sicher.

Schon bald gilt es ernst für sie: Am 6. Mai wird Akanji zum ersten Mal im Zürcher Kantonsratssaal sitzen, debattieren, irgendwann den ersten Vorstoss einreichen. Sie freue sich extrem auf die neue Aufgabe, sei sehr motiviert. «Und natürlich auch ein bisschen nervös, weil ich mich noch nicht auskenne im Kantonsrat.» Für was sie sich dort einsetzen will, weiss sie aber schon genau: «Für die Chancengleichheit einerseits, in der Bildung etwa oder beim Lohn.» Zudem fordert sie, dass die Klimademonstranten ernst genommen werden. Akanji sagt: «Der Kanton Zürich muss ökologischer werden.»

Die Neo-Politikerin hat Geschichte und Politikwissenschaften studiert und dann ein Praktikum auf dem SP-Parteisekretariat absolviert. Heute ist sie dort im Bereich Kampagnen tätig. Akanji betont, sie sei schon immer ein politischer Mensch gewesen, auch wenn sie erst vor kurzem in die aktive Politik eingestiegen sei. «Als Mädchen wurde ich im Fussball anders behandelt als die Buben, und auch meine Hautfarbe hat meine Erfahrungen geprägt», sagte die Tochter eines nigerianischen Vaters und einer Schweizer Mutter einmal in einem Interview. So habe sie früh gelernt, etwas zu unternehmen, wenn sie etwas störe. «Dass ich meinen Tatendrang auch in einer Partei ausleben könnte, habe ich erst später gemerkt», so Akanji weiter.

Sie bleibt dem Fussball treu

Aufgewachsen ist sie zusammen mit ihrem jüngeren Bruder Manuel und ihrer älteren Schwester Michelle in Wiesendangen bei Winterthur. Dort entdeckt sie ihre Liebe für den Fussball. Als sie zehn Jahre alt ist, tritt sie dem FC Wiesendangen bei. Akanji wird immer besser, spielt später eine Saison lang in der obersten Frauenliga für den FC St. Gallen, bis eine Verletzung ihr einen Strich durch die Rechnung macht. Aus der Profikarriere im Fussball, so wie sie ihr Bruder einschlägt, wird nichts. Ein Hobby aber bleibt der Sport; im Jahr 2016 gründet Akanji die Frauenmannschaft des FC Winterthur, wird Captain, steigt mit dem Verein auf. Dem Fussball will sie trotz ihrer neuen Karriere in der Politik treu bleiben – und in Zukunft in beiden Bereichen für mehr Gerechtigkeit kämpfen.

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