Coronavirus

Viren-Robocops auf Corona-Patrouille: Universitätsspital Zürich testet Hygiene-Helfer mit UV-Strahlung

Die dänischen Roboter von UVD Robots haben das Interesse von Spitälern in Genf und Zürich geweckt.

Die dänischen Roboter von UVD Robots haben das Interesse von Spitälern in Genf und Zürich geweckt.

Schweizer Krankenhäuser interessieren sich für neuartige Roboter, die Viren und Bakterien abtöten. Erste Tests sind am Laufen, und auch an Flughäfen könnten die Geräte zum Einsatz kommen. Ein Freiburger Start-up will an diesem Trend nun mitverdienen.

Manche Reinigungsmittel putzen zwar so sauber, dass man sich drin spiegeln kann. Doch dieses Werbeversprechen reicht in Zeiten Coronas nicht mehr aus – vor allem in Spitälern. Zwar gelten dort schon heute strengste Hygieneregeln und Putzrichtlinien. Doch es geht immer besser. Das glaubt die dänische Firma UVD Robots. Sie stellt seit 2018 Geräte auf vier Rollen her, die mithilfe von Ultraviolett-Lichtstrahlen Viren und Bakterien den Garaus machen.

In rund 50 Ländern kommen die Roboter bereits zum Einsatz, wie zum Beispiel in Thailand, Italien, China oder Deutschland. Nun zeigen auch hiesige Spitäler Interesse. Das bestätigt David Perron, Chef der Berner Firma Curmed, die Chirurgie- und Orthopädie-Produkte vertreibt. Der Freiburger ist zudem Generalvertreter von UVD Robots. «Das Universitätsspital Zürich führt derzeit Tests mit unseren Robotern durch», sagt Perron. Auch bei einer Genfer Privatklinik, die Covid-19-Patienten beherbergt, seien Tests geplant.

Gefährlich für Haut und Augen

Und so funktionieren die modernen Reinigungskräfte: Zuerst wird programmiert, welche Flächen in einem Zimmer bestrahlt werden sollen. Danach fährt der Roboter autonom hin und her. Bei schwer zugänglichen Stellen fährt er näher und bleibt länger stehen. Die UV-Strahlen zerstören die DNA der Viren und Bakterien. «Die meisten Spitäler setzen die Roboter zusätzlich zur bisherigen Reinigung ein, um das Ansteckungsrisiko weiter zu minimieren», sagt Perron.

Für einen zwanzig Quadratmeter grossen Raum, sei es ein Krankenzimmer oder ein Operationssaal, benötige der Roboter zirka fünf bis sechs Minuten. Auch Gesichtsmasken könnten mit den Strahlen desinfiziert werden. Während der Reinigungstour dürfen allerdings keine Menschen im Raum sein, da die starke UV-Strahlung für Haut und Augen schädlich ist.

Covid-19 habe vergleichbare Strukturen wie SARS oder andere Corona-Viren, sagt Perron. Man könne mit grösster Wahrscheinlichkeit davon ausgehen, dass die UV-Strahlung auch bei diesem Virus wirke, der derzeit für eine weltweite Pandemie sorgt. UVD Robots habe analysiert, dass eine Bestrahlung von 50 milliJoule pro Quadratzentimeter das Covid-19-Virus zu 99,99 Prozent abtöte. Unabhängige, wissenschaftliche Studien seien dazu noch nicht verfügbar.

Der Einsatz der in Dänemark produzierten Roboter ist jedoch nicht günstig. Im Schnitt kostet ein Modell inklusive Service rund 100000 Franken. Möglich seien auch Leasing-Modelle ab 2000 Franken pro Monat, sagt Perron.

Nicht nur Spitäler kommen in Frage. «Wir werden die Flughäfen Zürich, Genf und Basel kontaktieren», sagt Perron. Der französische Flughafen Nizza habe bereits Tests durchgeführt. Und was ist mit Museen? «Da könnte das UV-Licht für Gemälde gefährlich sein.» Sprich: Mona Lisa wurde das Lächeln schnell vergehen.

Anfragen von Tessiner Schulen

Perron sagt, dass er auch schon von Tessiner Gemeinden kontaktiert worden sei, welche die Virentöter in Klassenzimmern einsetzen möchten. Allerdings gebe es dort oftmals keine Rampen und Lifte, nur Treppen, was den Bewegungsradius der Maschine einschränkt.

Hier könnte das Start-up Rovenso in die Bresche springen. Die Firma wurde 2016 an der ETH Lausanne gegründet und arbeitet seit einem Jahr im freiburgischen Villaz-Saint-Pierre. Das Kerngeschäft sind Überwachungsroboter auf vier Rädern, die Treppen steigen können und auf Firmengeländen oder in Grossraumbüros erkennen, wenn ein Feuer ausbricht oder jemand einbricht. Mit den Sicherheitsfirmen Securitas und Protectas laufen Kooperationen.

Die Schweizer Alternative, die noch nicht auf dem Markt ist: Der «Rovéo» aus dem Kanton Freiburg.

Die Schweizer Alternative, die noch nicht auf dem Markt ist: Der «Rovéo» aus dem Kanton Freiburg.

Doch nun hat Rovenso mit seinen sieben Angestellten umdisponiert, wie Geschäftsführer Thomas Estier sagt. «Innerhalb von drei Wochen haben wir einen unserer Roboter umgebaut und mit einer UVC-Strahlentechnologie ausgerüstet.» Der Vorteil: Der Roboter namens Rovéo ist relativ klein und kann Treppen steigen.

Just vor der Corona-Krise konnte sich Rovenso von Investmentfirmen ein Kapital von 2,3 Millionen Franken sichern. Für den neuen Rovéo habe man schon zahlreiche Anfragen erhalten, sagt Geschäftsführer Estier. In Frage kämen für Rovéo vor allem grössere Räume in Fabriken, Firmenkantinen oder Grossraumbüros. Estier betont Rovéos Fähigkeit, seine Umgebung zu scannen und ein 3D-Modell des Raumes herzustellen. So weiss er, welche Oberflächen er wie lange und aus welchem Winkel bearbeiten muss.

Dank des automatisch verstellbaren Strahlenvisiers können auch verstecke Flächen bestrahlt werden. Möglich ist es auch, Flächen zu definieren, die nicht gereinigt werden müssen, wie zum Beispiel Arbeitsplätze, die stets nur von einer Person benutzt werden. Einen Preis hat Estier für den Rovéo noch nicht definiert. Eine wöchentliche Miete könnte 500 bis 700 Franken betragen.

Die Herausforderung, die auch Curmed-Chef David Perron erwähnt: Momentan sind die Spitäler und Firmen noch sehr auf die aktuelle Krisenbewältigung fokussiert, weniger mit der Anschaffung neuer Geräte. Perron ist sich jedoch sicher: «Spätestens wenn es zu einer zweiten Welle kommen sollte, werden unsere Geräte wichtiger denn je.»

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