Nidau
Verschnaufpause für Schweizer Fahrende

Die Jenischen auf dem ehemaligen Expo-Areal in Nidau können vorderhand dort bleiben. Die Behörden haben der Gruppe eine zehntägige Verschnaufpause verschafft.

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Jenisches Volk auf dem Expo-Gelände in Biel.

Jenisches Volk auf dem Expo-Gelände in Biel.

Keystone

Die Jenischen befänden sich in einer schwierigen Situation, sagte die Nidauer Stadtpräsidentin Sandra Hess am Montag vor den Medien. Die Verantwortung für neue Stand- und Durchgangsplätze sei in den letzten Jahren zwischen Bund und Kantonen hin und her geschoben worden, niemand habe sich so recht zuständig gefühlt.

"Wir glauben, dass es der richtige Weg ist, dem Jenischen Volk nun eine Verschnaufpause zu verschaffen", sagte Hess. In dieser Zeit sollen für die Jenischen politische Kanäle für Gespräche, vorab mit dem Kanton Bern, geöffnet und eine Anschlusslösung gefunden werden.
Jenische zufrieden mit Angebot

Die Vertreter der Jenischen zeigten sich zufrieden mit dem Angebot, wie Pressesprecher Gerard Müllhauser sagte. Er hoffe, dass es nun zum Dialog mit dem zuständigen Regierungsrat Christoph Neuhaus komme und das Ziel eines Durchgangsplatzes im Kanton Bern endlich erreicht werde.

Er hoffe, dass die nächsten Tage erfolgreich sein werden "und wir nicht mehr demonstrieren müssen", sagte Müllhauser. Die politischen Kanäle bis hoch zum Bund müssten offen bleiben, damit das Problem endlich politisch gelöst werden könne.

Die fehlenden Plätze seien nicht nur ein Problem des Kantons Bern, sondern ein gesamtschweizerisches. "Wir sind Schweizer", betonte, Müllhauser. Für das schlechte Bild, das ausländische Fahrende mitunter abgäben, könnten die Schweizer Jenischen nichts. "Wir sind Nachbarn, einfach nicht in einer Wohnung, sondern in einem Wohnwagen."

Ohne Lösung wird weiter protestiert

"Wir geben nicht auf", machte Mike Gerzner von den Jenischen aber deutlich und fügte an, dass die Gruppe nach dem 5. Mai wieder auf die Berner Allmend ziehen wolle, wenn es keine andere Lösung gebe.

Auf der Berner Allmend hatte die Gruppe am vergangenen Dienstag ein Protestcamp errichtet, um auf ihre Lage aufmerksam zu machen. Die Stadt Bern zeigte zwar Verständnis für das Anliegen, liess das Terrain aber polizeilich räumen, da es anderweitig gebraucht wurde.

Von Bern zog eine grössere Gruppe Jenischer nach Nidau auf das ehemalige Gelände der Expo.02. Das Gelände befindet sich auf Nidauer Boden, gehört aber der Stadt Biel. Das Areal diente 2002 der Landesausstellung Expo.02.

Die für Liegenschaften zuständige Bieler Gemeinderätin Sivlia Steidle gab bekannt, dass die Fahrenden am Montag ein offizielles Gesuch für die Nutzung des Geländes gestellt hätten. Sie würden für alle nötigen Installationen selber sorgen, auch dafür, dass der Platz so verlassen werde, wie sie ihn angetroffen hätten. Die Jenischen bezahlen laut Müllhauser 15 Franken pro Wohnwagen und Tag.

Petition lanciert

Laut Steidle hat der Bieler Stadtpräsident Erich Fehr Kontakt zu Regierungsrat Neuhaus aufgenommen. Neuhaus wolle sehr bald die Jenischen treffen, sagte sie. Auch ein Vertreter der Jenischen habe kurz mit Neuhaus sprechen können, sagte ein Jenischen-Vertreter am Rande der Medienkonferenz. Ob es zu einer Lösung komme, habe der Regierungsrat aber offen gelassen.

Ob das Gelände in Nidau auch zukünftig für Fahrende zur Verfügung stehen wird, ist offen. Hess wollte dazu nicht Stellung nehmen und betonte mehrfach, dass sie nur über die aktuelle Lage diskutiere, nicht über die Zukunft.

In der Region Biel wurde eine Petition für den Verbleib der Jenischen lanciert, die bereits über 500 Unterschriften auf sich vereinigt hat. Der Fahrenden-Sprecher Müllhauser appellierte an die Schweizer Gemeinden, Stand- und Durchgangsplätze zu schaffen.

Eine weitere, kleinere Gruppe Fahrender befindet sich derzeit in Pruntrut. Auch diese Gruppe soll dort vorderhand bleiben können.

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