Vaterschaftsurlaub

Väter wollen ihre Initiative auch bei Gegenvorschlag nicht zurückziehen

Initiative fordert vier Wochen Vaterschaftsurlaub

Initiative fordert vier Wochen Vaterschaftsurlaub

Bern - 04.07.17 - Am Dienstag wurde die Vaterschaftsurlaubs-Initiative bei der Bundeskanzlei eingereicht. Die Initiative verlangt vier Wochen bezahlten Urlaub für frischgebackene Väter. Hinter dem Begehren steht eine Allianz aus Berufsverbänden sowie Familien- und Männerorganisationen. Adrian Wüthrich, Präsident des Gewerkschaftsdachverbandes Travail.Suisse und des Vereins "Vaterschaftsurlaub jetzt!", nimmt Stellung zur Initiative.

Die Initianten eines vierwöchigen Vaterschaftsurlaubs wollen ihre Initiative auch bei einem Gegenvorschlag nicht zurückziehen.

Es ist einiges los an diesem Nachmittag auf dem Bundesplatz in Bern: Männer jeder Generation, Kleinkinder und auffallend viele Frauen lärmen und klatschen für ihre Volksinitiative für einen bezahlten vierwöchigen Vaterschaftsurlaub. 107 '106 beglaubigte Unterschriften übergeben der Gewerkschaftsdachverband Travailsuisse, der Dachverband der Männer- und Väterorganisationen «männer.ch» sowie der Bund der Frauenorganisationen Alliance F und Pro Familia der Bundeskanzlei zur Überprüfung.

Bislang wird vielen frischgebackenen Vätern nämlich nur ein einziger freier Tag gewährt – gleich viel wie beim Bezug einer neuen Wohnung. «Eine völlig veraltete Regelung, die überwundene Rollenmodelle gesetzlich zementiert», kritisiert Adrian Wüthrich, Präsident von Travailsuisse.

Wie der 14-wöchige Mutterschafts- soll der Vaterschaftsurlaub über die Erwerbsersatzordnung finanziert werden: Arbeitgeber und -nehmer müss- ten dafür je 0,06 Lohnprozente mehr einbezahlen – bei einem Monatslohn von 6000 Franken in etwa den Preis einer Tasse Kaffee.

Spendierhose oder Rotstift?

Mehr als 30 Vorstösse für eine gesetzlich verankerte «Papizeit» sind im Parlament in den vergangenen Jahren gescheitert. Zuletzt lehnte der Nationalrat 2016 eine parlamentarische Initiative des Bündner CVP-Vertreters Martin Candinas für einen zweiwöchigen Vaterschaftsurlaub und im März einen Vorstoss der Zürcher BDP-Nationalrätin Rosmarie Quadranti für eine bezahlte Elternzeit ab.

Stehen die Chancen nun besser? Ein wenig. Zum einen, weil die problemlos zustande gekommene Volksinitiative den Handlungsdruck erhöht. Zum anderen, weil das Begehren wohl im Frühjahr 2019 unter der Bundeshauskuppel diskutiert werden dürfte – in einem Wahljahr also, in dem jede Partei ihre Wählerschaft vergrössern möchte und die Spendierhose deshalb oft näher ist als der Rotstift. Ein parlamentarisches Ja zum vierwöchigen Vaterschaftsurlaub wäre dennoch eine saftige Überraschung: Zu solide ist die bürgerliche Mehrheit von SVP und FDP, laut welcher der volkswirtschaftliche Schaden der Initiative zu gross wäre.

«Kein fauler Kompromiss»

Das sieht auch der Waadtländer Nationalrat Laurent Wehrli so, welcher als einziger Freisinniger im Initiativkomitee sitzt. «Ich glaube zwar nicht, dass ich ganz alleine auf weiter Flur kämpfen werde», sagt der 52-Jährige. «Aber zahlreich werden die Mitstreiter in meiner Partei gewiss nicht sein.»

Auch wenn die Initiative im Parlament keine Mehrheit finden sollte: Ein Gegenvorschlag über die halbe Distanz – ein zweiwöchiger Vaterschaftsurlaub – ist absehbar. «Dieser ist Teil des Wahlprogramms meiner Partei», sagt der Solothurner CVP-Nationalrat Stefan Müller-Altermatt, wie Wehrli ebenfalls Mitglied des Initiativkomitees. «Ich rechne bei einem solchen Gegenvorschlag daher mit grosser Unterstützung meiner Fraktion.» Doch gäben sich die Initianten mit zwei Wochen überhaupt zufrieden? «Auf keinen Fall», sagt Adrian Wüthrich. «Auch wenn sich das Parlament zu einem zweiwöchigen Vaterschaftsurlaub durchringen sollte, kommt ein Rückzug der Initiative nicht infrage.» Vier Wochen stellten einen minimalen Kompromiss dar, von dem man nicht abrücken werde.

Diesen Kurs unterstützt auch der Aargauer SP-Nationalrat Cédric Wermuth: «Kommt ein solch ‹fauler› Zwei-Wochen-Kompromiss ins Parlament, werde ich Nein stimmen», stellt er klar. Die Volksabstimmung könne man nämlich trotz des nötigen Ständemehrs gewinnen, glaubt der 31-jährige Vater einer zweijährigen Tochter.

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