CVP-Grössen reagierten am Freitag irritiert bis amüsiert über die dicke Schlagzeile auf der Titelseite des «Blicks». «Leuthard tritt nach ‹No Billag› ab», stand da. CVP-Präsident Gerhard Pfister, angesprochen auf den Wahrheitsgehalt der Geschichte, spottet: «Das, was stimmt, ist der Titel: Dass Bundesrätin Leuthard nach der Abstimmung zu ‹No Billag› zurücktreten wird, und nicht vor der Abstimmung.» Geht es nach ihm und CVP-Generalsekretärin Béatrice Wertli, ist der Artikel blosse Spekulation. Pfister spricht gar von «Unsinn».

Doris Leuthard selbst hatte die Debatte um ihren Abgang im letzten Sommer befeuert, als sie angab, sie befinde sich «am Ende ihrer letzten Legislatur». Also hört sie spätestens Ende nächsten Jahres auf. Seither schiessen die Spekulationen ins Kraut. Angeheizt auch von Parteigängern. Geht es nach Leuthard-nahen Kreisen in der Partei, können einige Möchtegern-Papabili den Rücktritt nun nicht mehr erwarten. «Es ist, vorwiegend in rückwärtigen Reihen, ein Gescharre im Gang», sagt ein Beobachter, «das sich in medialen Spekulationen niederschlägt.»

Schlechte Prognosen

Spekulationen um Leuthard müssten der CVP eigentlich zupasskommen. Sie halten die Partei im Gespräch. Aber bisher profitierte sie nicht davon. Laut einer Umfrage des «Tages-Anzeigers» würde die CVP, wenn jetzt Wahlen wären, sogar 2,5 Wählerprozent verlieren und unter die 10-Prozent-Grenze fallen. Auch in der CVP gibt es Befürchtungen, dass die Partei bei den Nationalratswahlen 2019 massiv Sitze verlieren könnte. Namentlich liberal-soziale Kreise innerhalb der Partei sind alles andere als glücklich über die von Pfister eisern durchgezogene Wertedebatte, die in urbanen Gegenden auf Unverständnis stösst.

Drohen der Partei also weitere grosse Verluste, wie einige Parteivertreter befürchten? Präsident Pfister sagt offen: «Wir haben verschiedene Szenarien, wenn wir es richtig anstellen, sind per Saldo auch Sitzgewinne möglich. Die CVP ist eine ausgeprägt föderalistische Partei, deshalb muss man jeden Kanton für sich ansehen, was die Ausgangslage für die Wahlen 19 angeht.» Er ist sicher: «Thematisch liegen wir richtig.» Gesundheitskosten, Wertedebatte, Altersvorsorge beschäftigten die Leute am meisten, wie Umfragen zeigten. «Das sind klassische CVP-Schwerpunkte. Das wird sich auszahlen.» Er wolle aber nichts beschönigen und würde sich natürlich über schnellere Erfolge freuen, sagt Pfister. Doch: «Ich bin überzeugt: Langfristig ist der Weg über Inhalte, Profil, klare Positionen richtig. Die CVP hat diesbezüglich in den letzten zwei Jahren Fortschritte gemacht.»

Im Nebel um Leuthard kämpft Pfister also ums Profil seiner Partei. Sicher ist nur, dass der Rücktritt der Bundesrätin irgendwann erfolgen wird. «Ich hoffe, Bundesrätin Leuthard bleibt noch lange im Amt», sagt Pfister. Aber der Rücktritt vor den Wahlen 2019 müsste eine Chance für die Partei sein, doch noch zu Schub zu kommen, dank der Debatte um neue Köpfe. Pfister bleibt aber auch hier auf seinem Kurs: «Natürlich bringt eine Bundesratsvakanz kurzfristig zusätzliche Publizität für eine Partei. Aber wichtiger für den nachhaltigen Erfolg einer Partei sind die Inhalte.»

 Doris Leuthard – ihre Karriere: