Schweiz

Unerwartete Entwicklung: Die Kriminalität sinkt, aber mehr Jugendliche landen im Gefängnis

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Die Jugendkriminalität geht zurück. Das hat positive Folgen. Doch die ganz schweren Fälle nehmen zu. Über die Besonderheiten des Jugendstrafrechts.

Justizvollzug Das Jugendstrafrecht funktioniert anders als das Erwachsenenstrafrecht. Es geht nicht darum, Gerechtigkeit herzustellen und einen Täter zu bestrafen. Die Sühne steht nicht im Vordergrund, sondern der Schutz.

Ein Jugendanwalt überlegt sich bei der Aufarbeitung eines Delikts deshalb, was die geeignete Massnahme ist, um einen Täter vor weiteren Taten abzuhalten. Meistens sind das gemeinnützige Arbeitseinsätze. Diese mögen angesichts einer Tat wie Cybermobbing als milde Reaktion erscheinen, doch das ist durchaus Absicht. Die Jugendlichen sollen nicht kriminalisiert werden, sondern eine zweite Chance erhalten.

Die Täter: Männlich, 16 oder älter und Ausländer

In schweren Fällen, in denen das Umfeld überfordert ist, werden die Täter allerdings in einer geschlossenen oder in einer offenen Unterbringung, in einer anderen Familie oder in einem Gefängnis platziert.

Platzierungen ausserhalb eines Gefängnisses gelten als Schutzmassnahmen und sollen keine Strafe darstellen. Am verbreitetsten sind Unterbringungen in offenen Institutionen. Platzierungen in anderen Familien sind sehr selten. Das liegt daran, dass es schwierig ist, geeignete Plätze zu finden.

Neun von zehn Jugendlichen, die auf eine dieser vielen Arten in der Schweiz fremdplatziert werden, sind männlich und 16-jährig oder älter. Der Ausländeranteil ist mit 40 Prozent der Platzierten überdurchschnittlich hoch.

Mehr Jugendliche landen im Gefängnis

Die Entwicklung der vergangenen Jahre ist grundsätzlich positiv. Weil die Jugendkriminalität tendenziell rückläufig ist, hat die Zahl der Platzierungen abgenommen. Die Kurve ist allerdings zuletzt abgeflacht. Das liegt daran, dass der Rückgang der Jugendkriminalität stagniert.

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Ein Problem manifestiert sich vor allem in einem Bereich. Während die Zahl der Platzierungen insgesamt rückläufig ist, hat jene mit der härtesten Sanktion 2019 einen Höchststand erreicht. 39 Jugendliche befinden sich in einem Gefängnis. In den Vorjahren war diese Zahl halb so gross oder noch kleiner. Diese Jugendlichen haben schwere Taten begangen und sind in den üblichen Institutionen untragbar.

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