Tierschutz

Tierhalter sind verunsichert

Kaninchen: Für sie ist Zweisamkeit nicht zwingend. (zvg)

Kaninchen

Kaninchen: Für sie ist Zweisamkeit nicht zwingend. (zvg)

Ob beim Zürcher Tierschutz, bei der Kantonstierärztin oder bei der Stiftung für das Tier im Recht: Die Telefone laufen heiss. Die neue Tierschutzverordnung verunsichert die Halter – was den Tieren nützt.

Sidonia Küpfer

Meerschweinchen dürfen nicht mehr einzeln gehalten werden, Neuhundehalter müssen eine Ausbildung absolvieren und Kleintiere brauchen grössere Käfige - dies sind nur einige der Neuerungen, welche die seit 1. September geltende Tierschutzverordnung festlegt.

Nach den ersten knapp neun Monaten zeigen sich Tierschützer im Kanton Zürich vorsichtig positiv gestimmt: Die Neuerungen hätten eine Sensibilisierung für das Thema Tierhaltung bewirkt. So stellt Bernhard Trachsel vom Zürcher Tierschutz fest, dass immer mehr Personen bei ihm Ratschläge einholten, sei es per E-Mail oder beim Tierschutz-Beratungstelefon: «Gerade die Änderungen für die Hundehalter, die in den Medien breit diskutiert wurden, haben auch die Änderungen bei anderen Heimtieren in den Vordergrund gerückt.» Gefragt werde etwa: «Ist die Katze ein soziales Wesen? Oder darf man Katzen einzeln halten?»

Prüfen von offenen Stallungen

Ob sich die private Tierhaltung in Zürcher Haushalten zum Besseren bewegt hat, ist kaum zu überprüfen, und so kann auch Trachsel noch nichts dazu sagen. Ende Jahr will der Zürcher Tierschutz ein erstes Fazit ziehen. Dann könne man beispielsweise die beim Tierschutz gemeldeten Verstösse analysieren und feststellen, ob diese allenfalls qualitativ anders gelagert seien, so Trachsel.

Der Zürcher Tierschutz werde offen einsehbare Tierhaltungen prüfen und allenfalls das Gespräch mit den Tierhaltern suchen, sagt Trachsel, aber auch für ihn ist klar: «Wir können nicht auf Repression setzen, wir müssen auf Information setzen.» Und er gibt sich kämpferisch: «Wir werden die Umsetzung der neuen Tierschutzverordnung genau verfolgen und bei Bedarf auch den Finger darauf halten, wenn im Kanton Zürich etwas schief läuft.» Ein Dorn im Auge ist ihm beispielsweise die Ausnahmeregelung für Kaninchen, die auch einzeln gehalten werden dürfen. Gegen diese Inkonsequenz hatte vor kurzem auf nationaler Stufe SVP-Nationalrat Lukas Reimann eine Motion eingereicht. Unbefriedigend sind für Trachsel zudem die langen Übergangsfristen bei den Nutztierregelungen.

Neue Tierhalter sind offener

«Es besteht eine gewisse Verunsicherung punkto Tierhaltung», sagt Gieri Bolliger von der Stiftung für das Tier im Recht. Vor allem bei den neuen Tierhaltern beobachte er eine Veränderung des Bewusstseins.

Schwierig sei aber manch langjähriger Halter: «Wenn jemand 30 Jahre einen einzelnen Kanarienvogel gehalten hat, ist er oft der Ansicht, besser zu wissen, was für den Vogel gut ist, als ein Experte.»

Wie legt man das Recht aus?

Vorwiegend mit Auslegungsfragen zum neuen Recht sieht sich die Kantonstierärztin Regula Vogel konfrontiert. «Mir werden Fragen gestellt wie ‹Was versteht man unter extremer Witterung›». Solche und ähnliche Fragen gelte es zu sammeln und an den Bund weiterzuleiten, denn in diesen Punkten sei Rechtsgleichheit wichtig, so Vogel.

Probleme in der Umsetzung des Gesetzes sieht Regula Vogel überall da, wo die Tierhalter viel Zeit investieren müssten, um den neuen Anforderungen zu genügen, zum Beispiel wenn sie aufwendige Ausbildungen absolvieren müssten. Die Erfahrung zeige, dass bauliche Anpassungen oft leichter durchzusetzen seien als Änderungen bei den personellen Voraussetzungen.

Im letzten Jahr startete der Bund eine Informationsoffensive. Auch die Tierschutzorganisationen ziehen mit (siehe unten). Die vermehrten Anfragen bei den Beratungsstellen freuen Tierschützer Trachsel, denn für ihn ist klar: «Die Tiere profitieren von gut aufgeklärten Tierhaltern.»

Informationen zur Tierhaltung:
www.tiererichtighalten.ch
www.tierimrecht.org
www.zuerchertierschutz.ch/de/tierhaltungsfragen.html

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