Coronakrise

Tessiner Appell an die Deutschschweizer: «Kommt jetzt bitte nicht ins Tessin!»

Regierungsrat Norman Gobbi will, dass die Deutschschweizer in der Deutschschweiz bleiben.

Regierungsrat Norman Gobbi will, dass die Deutschschweizer in der Deutschschweiz bleiben.

Am schwersten getroffen in der Schweiz ist der Kanton Tessin. Auch die getroffenen Massnahmen zur Eindämmung des Virus sind dort die weitreichendsten. Die meisten Betriebe bleiben weiterhin geschlossen. Doch einige Deutschschweizer zieht es nach wie vor in den Süden der Schweiz.

Die Coronakrise hält das Tessin weiter in Atem. Der weitgehende wirtschaftliche Shutdwon wird ab Montag für eine weitere Woche bis 5.April weitergeführt. Das erklärte Regierungspräsident Christian Vitta (FDP) am Samstag in einer Medienkonferenz in Bellinzona.

Demnach bleiben die Baustellen weiterhin geschlossen. Die wirtschaftliche Produktion bleibt auf das Notwendige zurückgefahren. Allerdings sind Ausnahmen möglich, wenn Industriebetriebe die Notwendigkeit ihrer Produktion sowie die Einhaltung der Hygiene- und Sicherheitsnormen (Abstandsregeln) nachweisen können.

Die Sozialpartner, Arbeitnehmer- und Arbeitgeberverbände, begrüssten den Schritt. Vitta wiederum zeigte sich dankbar gegenüber dem Bundesrat, der für die Tessiner Massnahmen, die über die Bundesmassnahmen hinaus gehen, in Windeseile eine «Lex Ticino» geschaffen hatte. So kann sichergestellt werden, dass etwa Entschädigung für Kurzarbeit in Branchen geleistet wird, welche in der Deutschschweiz noch operativ sind.

Schärfsten Massnahmen in der Schweiz

Im Tessin bleiben Restaurants, Geschäfte und Gewerbe geschlossen, mit Ausnahme der Lebensmittelläden. Allerdings gilt für Personen, die älter als 65 Jahre sind, ein Einkaufsverbot. An diesem wird festgehalten, weil diese Personengruppe in Bezug auf das Coronavirus als besonders gefährdet gilt.

Im Vergleich mit anderen Kantonen hat das Tessin die schärfsten Massnahmen zur Eindämmung des Coronavirus ergriffen. Grund dafür ist die hohe Inzidenz des Virus, das heisst die Zahl der Erkrankungen auf 100'000 Einwohner. Im Tessin sind seit 25. Februar 1835 Personen positiv getestet worden, die Zahl der Verstorbenen ist auf 93 gestiegen (Stand Sonntag, 29.März), die mit Abstand höchste Ziffer an Toten aller Kantone.

Angesichts der kritischen Situation und der angespannten Lage in den Spitälern, ruft der Kanton Tessin Deutschschweizer dazu auf, in den nächsten Tagen und in der Osterwoche nichts in Tessin zu reisen. «Bbliibed Sii bitte diheim!» appellierte der Tessiner Staatsrat Norman Gobbi während der Medienkonferenz auf Schweizerdeutsch.

Tatsächlich war in den letzten Tagen bekannt geworden, dass sich eine Reihe von Deutschschweizer in ihre Rustici oder Ferienwohnungen zurückgezogen haben. Auch bei sportlichen Aktivitäten in den Tälern waren diverse Deutschschweizer beobachtet worden. Der Kanton Tessin befürchtet, dass diese im Falle einer Erkrankung das bereits belastete Gesundheitssystem zusätzlich belasten könnten.

Auch Ticino Turismo, die kantonale Tourismusagentur, hat reagiert und informiert auf ihrer Homepage www.ticino.ch zu vielen Fragen in dieser Coronakrise. Zudem wurde ein Video mit der Botschaft «Wir bleiben für Sie da, aber bleibt jetzt zu Hause» aufgeschaltet.

Meistgesehen

Artboard 1