Heli-Rettung
TCS wollte nicht fliegen - Schweizer Touristin stirbt in Ägypten

Neue Runde im Streit um die Rettungsflieger: Gemäss einem SRF-Bericht wollte der TCS eine Tessinerin, die im ägyptischen Hurghada einen Herzinfarkt erlitt, nicht ausfliegen - sie sei zu instabil. Für die Patientin hatte der Entscheid fatale Folgen.

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Ein Ambulanzflugzeug des TCS. (Archiv)

Ein Ambulanzflugzeug des TCS. (Archiv)

tcs

Guter Gesundheit reiste die Mutter von D.P. im vergangenen Jahr ans Rote Meer nach Ägypten. Nach wengien Tagen erkrankte die Tessinerin jedoch stark und musste in Hurghada ins Spital. Dort erlitt sie einen Herzinfarkt und musste fortan künstlich beatmet werden.

Die medizinische Betreung vor Ort war schlecht, wie die Tochter im «Kassensturz» auf SRF berichtet. Sie bemüht sich deshalb um eine Rückführung ihrer Mutter in die Schweiz mit dem TCS, bei dem ihre Mutter seit Jahren versichert ist.

Klarstellung

Der TCS lässt über seinen Anwalt foglendes klarstellen: «Bereits weniger als 24 Stunden nach dem ersten Kontakt mit dem TCS hatte die Tochter der Patientin veranlasst, dass der TCS den Fall wieder abschliesst. Sie erklärte, die Krankenversicherung der Patientin sorge für die Rückführung. Der TCS könne das Dossier schliessen (die entsprechende Audioaufzeichnung liegt vor). Der TCS konnte am von Dr. Zimmermann im Interview erwähnten zweiten Tag (am zweiten Tag ‹hätte eine Chance bestanden, dass sie heute noch leben würde›) keine Rückführung machen.

Der TCS wollte nach Wiederaufnahme des Mandates die Patientin zurückführen. Ihr Zustand wurde jedoch aufgrund der Unterlagen aus dem ägyptischen Spital und der Rücksprache mit dem dortigen Arzt nach zwei Herz-Kreislaufstillständen als zu instabil für einen Rückflug beurteilt. Es war aus medizinischer Sicht zu diesem Zeitpunkt wahrscheinlich, dass die Patientin den Transport in die Schweiz nicht überleben würde.»

Risiko beim Transport

Doch der Touring Club entscheidet sich gegen den Transport. Zu gefährlich, heisst es. Dem widerspricht der Notfallmediziner Professor Heinz Zimmermann in der Sendung. «Die Patientin musste intubiert und anschliessend reanimiert werden, das sind aber keine Gründe, dass sie nicht hätte zurückgeführt werden können.», so Zimmermann.

Tagelang insistiert die Tochter beim TCS. Doch dieser verweigert den Transport. In ihrer Not wendet sich D.P. an die Rega. Diese entscheidet sich umgehend, den Transport zu wagen. Doch die Rettung kommt zu spät. Die Tessinerin stirbt noch im Flugzeug in Ägypten.

Der TCS sieht sich dadurch in seiner Beurteilung, der Flug wäre zu gefährlich, bestätigt. Zimmermann sieht dies anders: Seiner Meinung nach hätte die Patientin bessere Überlebenschancen gehabt, wenn sie sofort in die Schweiz geflogen worden wäre. Der Fall wird nun untersucht.

Debatte um Rettungsdienste

Der tragische Fall aus Ägypten ist ein weitere Episode im Streit um die optimale Rettung und den Krankentransport zwischen den TCS und Rega und zeigt, wie unterschiedlich die beiden Rettungsdienste operieren.