Presseschau

Swiss prüft Streckenstreichung und Defizite bei Kinderspitälern – das schreiben die Sonntagszeitungen

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Schweiz zahlte Lohn der angeblichen Geliebte des UNRWA-Chefs, Ignazio Cassis kennt kein «Switzerland first» und die Armee will Truppenunterkunft in den Alpen verkaufen : Das und mehr findet sich in den Sonntagszeitungen.

Schweiz zahlte Lohn der angeblichen Geliebte des UNRWA-Chefs

Immer mehr Details über die Missstände beim Uno-Hilfswerk für Palästinenser UNRWA gelangen laut der "SonntagsZeitung" an die Öffentlichkeit. So Schreibt die Zeitung unter Berufung auf einen Bericht der internen Ethikkommission, das der Schweizer UNRWA-Chef Pierre Krähenbühl nicht nur für ein "toxisches Arbeitsklima" gesorgt habe, sondern er auch im Jahr 2015 eine Stelle für eine Geliebte als "Special Advisor" geschaffen habe.

Das Aussendepartement EDA bestätigte der Zeitung, dass Auslagen für die Frau von März 2015 bis Dezember 2018 von der Schweiz bezahlt worden seien. Wie viel Geld die Schweiz für die Chefberaterin ausgab und, ob neben dem Lohn auch Reisespesen bezahlt wurden, habe das EDA mit Verweis auf die laufende Uno-Untersuchung aber nicht bekanntgeben wollen. Gemäss dem internen Bericht sei vielen Personen sowohl intern als auch bei den Gönnerstaaten klar gewesen, dass der verheiratete Krähenbühl und seine Chefberaterin ein Verhältnis hätten. Mitarbeiter hätten obendrein oft die Frage beantworten müssen, weshalb die beiden immer zu zweit reisten, hiess es.

Rückzug der Swiss gefährdet den Flughafen Lugano

Ein Rückzug der Fluggesellschaft Swiss vom Flughafen Lugano dürfte laut der "SonntagsZeitung" dem Airport einen weiteren Schlag versetzen. Erst habe die Fluggesellschaft Darwin Ende 2017 Konkurs angemeldet und die Flüge nach Genf eingestellt. Nun kündigte der Konzernchef der Swiss, Thomas Klühr, in einem Interview mit der Zeitung an, die Linienflüge seiner Fluggesellschaft zwischen Zürich und Lugano auf den Prüfstand zu stellen. Analog zum "Flugzug" zwischen Zürich und Basel könnte so eine Lösung auch für das Tessin gefunden werden, sagte der Manager.

Aufgrund der Fertigstellung des Ceneri-Tunnels verkürze sich die Zugfahrt deutlich und deshalb schaue man sich die Situation zu gegebener Zeit an, erklärte Klühr. Im Tessin zeige man sich über die Äusserungen entsetzt und warnte vor schwerwiegenden Folgen für den Flughafen und die Swiss. Der Flughafen könne noch mehr Verluste produzieren und zahlreiche Passagiere würden auf die Flughäfen von Mailand sowie andere Fluggesellschaften als die Swiss ausweichen, hiess es.

Kinderspitälern droht Kollaps

Kinderspitäler schlagen laut dem "SonntagsBlick" Alarm wegen steigenden Defiziten. Diese seien auf die Revision des Ärztetarifs Tarmed zurückzuführen. Im Jahr 2018 hätten die sechs grossen Kinderspitäler Zürich, Basel, St. Gallen, Bern, Lausanne und Genf insgesamt ein Defizit im ambulanten Bereich von rund 60 Millionen Franken verzeichnet - ein Anstieg von über zehn Prozent gegenüber dem Vorjahr. Bei den drei eigenständigen Kinderspitälern Zürich, Basel und St. Gallen seien es sogar rund 25 Prozent mehr gewesen. Die Kindermedizin sei aufgrund der steigenden Ausgaben akut bedroht, warnen Experten daher in der Zeitung.

Ignazio Cassis: «Switzerland first werden Sie von mir nie hören»

Bundesrat Ignazio Cassis hat in einem Interview mit dem "SonntagsBlick" das Sponsoring seines Departements mit dem Tabakkonzern Philip Morris erneut verteidigt. "Philip Morris ist nicht die Wirtschaft, sondern eine Firma aus einer Branche, die von vielen Seiten kritisiert wird", sagte er.

Aussenminister Ignazio Cassis.

Aussenminister Ignazio Cassis.

Die Kritik an der Geldannahme von dem Tabakkonzern sei auch dem Zeitgeist geschuldet, erklärte der Bundesrat. Er stellte wiederum die Überarbeitung des Sponsoring-Reglements des Aussendepartements EDA in Aussicht. Gleichzeitig sagte Cassis in dem Interview, dass es der Zusammenhalt der vier Kulturen der Schweiz sei, der ihn umtreibe. Er als Tessiner wolle diese Entwicklungen genau beobachten. "Am 1. August achten alle die Vielfalt, den Rest des Jahren schauen wir weg", mahnte der Aussenminister im "SonntagsBlick".

Senioren rüsten sich für den Widerstand

Schweizer Senioren rüsten sich laut der "NZZ am Sonntag" für den politischen Widerstand. "Täglich werden Menschen in der Schweiz aufgrund ihres Alters diskriminiert, sei es am Arbeitsplatz, bei der Stellensuche, beim Arztbesuch, im Spital, auf Wohnungssuche oder beim Abschluss von Versicherungen", sagt der Schweizerische Seniorenrat, die politische Stimme der älteren Menschen in der Schweiz, in der Zeitung. Nun wollten die Senioren den Unmut darüber mit zwei Volksinitiativen in die Politik tragen.

Die erste stamme von einer breiten "Allianz gegen Altersdiskriminierung" und wolle allen Bürgern das Recht geben, gegen altersbedingte Diskriminierung zu klagen. Die zweite Initiative fordere eine Verbesserung der Betreuung von Menschen in fortgeschrittenem Alter. Sie wolle den Bund verpflichten, auch einfachere Betreuungsformen wie Hilfe im Alltag oder betreutes Wohnen zu finanzieren.

Sprunghafter Anstieg von Passagierklagen

Die Zahl der Beschwerden von Fluggästen beim Bundesamt für Zivilluftfahrt Bazl hat sich im vergangenen Jahr laut der "NZZ am Sonntag" praktisch verdoppelt. So beschwerten sich 7167 Fluggäste bei der Behörde. Auch in diesem Jahr erwarte das Bazl deutlich mehr als 6000 Passagier-Anzeigen. Als Auslöser für diese Entwicklung vermutet die Zeitung die Zunahme der Verspätungen im gesamteuropäischen Flugsystem.

Anders als EU-Fluggesellschaften verneinten aber Schweizer Airlines oftmals Forderungen nach Entschädigungen und stützten sich auf Schweizer Gerichtsurteile, welche die Passagieransprüche sehr restriktiv auslegten. Hilfe erhielten Schweizer Fluggäste in einer Reihe von Fällen allerdings vom Bazl, das Airlines trotz anderslautender Gerichtsurteile über den Verordnungsweg zu Kompensationszahlungen an Kunden auffordere.

St. Gallen und Tessin: Nur wenige Verfahren wegen Burkaverbot

Das im Tessin und in St. Gallen geltende Verhüllungsverbot für den öffentlichen Raum zeigt laut dem "SonntagsBlick" kaum Wirkung. Im Kanton St. Gallen, wo das Verbot seit Anfang des Jahres gilt, hätten Beamte noch keine einzige Busse ausgesprochen. Und im Tessin, wo das Burkaverbot bereits seit rund drei Jahren in Kraft ist, habe die Polizei im Jahr 2018 lediglich 24 Fälle registriert - wovon elf Verfahren allerdings vermummte Fussball- und Eishockeyfans betroffen hätten.

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Der Chef des Tessiner Departements für Inneres, Justiz und Polizei, Norman Gobbi, rechtfertigte das Verbot dennoch: "Uns war klar, dass es nicht um die Menge der Verstösse, sondern eher um ein Prinzip geht", sagte er zum "SonntagsBlick". Das Gesetz ermögliche eine höhere Sicherheit und verteidige gleichzeitig die Werte unserer Kultur, so der Lega-Politiker.

Armee: Bundesamt für Rüstung sucht Käufer für Truppenunterkunft in den Alpen

Das Bundesamt für Rüstung Armasuisse sucht derzeit laut dem "SonntagsBlick" einen Käufer für eine Truppenunterkunft auf dem Oberalppass. Als Richtpreis werde 170'000 Franken genannt. Es sei keine Seltenheit, dass solche Liegenschaften zum Verkauf angeboten würden, hiess es von Armasuisse. Militärische Immobilien würden verkauft, falls sie nicht nötig seien und auch nicht anderweitig mehr verwendet werden könnten, hiess es weiter. In den vergangenen zehn Jahren seien jährlich zehn bis zwanzig Objekte öffentlich ausgeschrieben worden, erklärte ein Sprecher von Armasuisse gegenüber der Zeitung.

Schweiz bei US-Touristen beliebt wie nie

Die Amerikaner sind nach den Deutschen laut der "SonntagsZeitung" und "Le Matin Dimanche" die zweitgrösste Gruppe an ausländischen Besuchern in der Schweiz. Die Zeitungen berufen sich dabei auf Angaben von Schweiz Tourismus. Demnach legte die Zahl der Besucher aus den Vereinigten Staaten im Jahr 2018 gegenüber dem Vorjahr um 10,1 Prozent auf 2,3 Millionen Übernachtungen zu.

Die Steigerung in der Hotellerie, also ohne Para-Hotels und Airbnb-Unterkünften, betrug gegenüber dem Jahr 2013 sogar 42,4 Prozent. Als Hauptgründe für diese Entwicklung sehen Experten die florierende US-Wirtschaft und zahlreiche zusätzliche Direktflüge in die Schweiz. Zudem kämen die guten Kontakte zu US-Reiseveranstaltern zugute - denn nicht selten würden US-Touristen nach Flussreisen auf dem Rhein noch ein paar Tage durch die Schweiz reisen.

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