Wahlkampf

SVP wirbt mit Bild von Holocaust-Mahnmal: «Fehler ist unentschuldbar» – Kritik auch aus der eigenen Partei

Mit diesem Sujet machte die SVP Werbung für die Begrenzungsinitiative. Auf dem Hintergrund ist das Holocaust-Mahnmal in Berlin zu sehen.

Mit diesem Sujet machte die SVP Werbung für die Begrenzungsinitiative. Auf dem Hintergrund ist das Holocaust-Mahnmal in Berlin zu sehen.

Die Zürcher SVP bebilderte eine Wahlwerbung für die Begrenzungsinitiative mit einem Foto des Holocaust-Mahnmals in Berlin. Zwar entschuldigte sich die Partei, die Reaktionen fallen jedoch heftig aus – von links bis rechts.

Ein Post der Zürcher SVP sorgte am Freitagmorgen für Entrüstung: In einer Abstimmungs-Werbeanzeige auf sozialen Medien wie Facebook, Twitter und Instagram verwendete die Partei ein Foto des Berliner Holocaust-Mahnmals, das der im Zweiten Weltkrieg getöteten Juden gedenkt. Über dem Bild titelte die SVP, dass mit der Begrenzungsinitiative «die Zubetonierung der Schweiz» verhindert werden könne.

Zwar löschte die Zürcher SVP den Post kurz nach Veröffentlichung wieder, der Schaden war aber bereits angerichtet – und die Reaktionen fallen durchs Band negativ und heftig aus.

Prominent meldete sich CVP-Präsident Gerhard Pfister zu Wort, der auf Twitter schrieb, falls es eine Begrenzungsinitiative gegen Dummheit gebe, er würde unterschreiben.

Dem Tenor schloss sich auch der Kabarettist Viktor Giacobbo an, der den Intellekt der Verantwortlichen bei der Zürcher SVP anzweifelte.

Mehrfach kam auf den sozialen Medien die Frage auf, ob die SVP das Bild des Holocaust-Mahnmals nicht absichtlich verwendet habe. Dies, weil bei Bildagenturen wie Adobe oder Pixaby das besagte Bild entweder direkt mit dem Titel «Memorial to the Murdered Jews of Europe» oder mit Begriffen wie «Holocaust», «Nationalsozialismus» und «Mahnmal» versehen war.

Für die ehemalige Grünen-Präsidentin Regula Rytz ist klar, dass wegen des Fehlers der Zürcher SVP nun personelle Konsequenzen folgen müssten, «sonst ist die Entschuldigung unglaubwürdig». Auch der aktuelle Präsident der Grünen, Balthasar Glättli, schloss sich Rytz' Statement an und kritisierte die «Provokation und die totale Ignoranz» der SVP.

«Das Mahnmal kannte niemand» – Martin Suter, Parteisekretär der Zürcher SVP, nimmt Stellung:

Zürcher SVP nimmt Stellung zur Werbung mit Holocaust-Mahnmal

Nicht nur Politiker auf nationaler Ebene empörten sich über die SVP-Wahlwerbung, sondern auch der Geschäftsführer der Berner EVP, Ruedi Löffel, für den der SVP-Post einen neuen Tiefpunkt darstellt.

Weitaus sachlicher als Politikerinnen und Satiriker reagierte der politische Dachverband der Schweizer Juden (SIG) auf den SVP-Fauxpas. In einer Mitteilung schrieb der Dachverband: «Dieses Bild in diesem Kontext ist tatsächlich deplatziert. Der Fehler wurde schnell eingesehen und korrigiert, gut so. Es zeigt, wie wichtig die sorgfältige Überprüfung und Verifizierung von Infos und Bildern im Netz sind.»

Kritik am SVP-Post kommt denn auch nicht nur von den anderen Parteien, sondern auch aus den eigenen Reihen der SVP. So schrieb etwa das Vorstandsmitglied der SVP Zürich, Michael Frauchiger, dass die Unwissenheit, die zu diesem Post geführt habe, unverzeihbar sei.

Auch der ehemalige Zürcher SVP-Nationalrat Claudio Zanetti war von der Aktion seiner Parteigenossen erzürnt, wie er dem Tages Anzeiger sagte: «Ich kann ihnen nichts Zitierfähiges sagen, damit würde ich mich strafbar machen», sagt er. Nur so viel: «Es hätte unglaubliche Konsequenzen, wenn man derartige Fehler einfach mit Unwissenheit entschuldigen könnte.» Zanetti verlangt interne Analysen und Konsequenzen.

Die SVP selber entschuldigte sich auf den sozialen Medien: «Das ist ein Riesenlapsus, für den wir uns entschuldigen.» Das Bild sei in der Bilddatenbank als Symbolbild für «Beton» angeboten worden. Allerdings habe man beim Verwenden des Sujets nicht auf den Bildinhalt geachtet. Parteisekretär Martin Suter habe das Mahnmal leider nicht erkannt, wie er selbst sagt. «Wir wollten damit sicher nicht provozieren und das Sommerloch in den Medien füllen. Wenn wir damit jemanden verletzt haben, tut es uns leid.»

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