Bundesratswahlen
SVP unterstützt Karin Keller-Sutter – Heidi Z'graggen packt Chance nicht

Die SVP unterstützt die Urner CVP-Regierungsrätin Heidi Z’graggen für die Wahl in den Bundesrat. Ihre Konkurrentin, CVP-Nationalrätin, Viola Amherd macht aber mehr Stimmen als erwartet. Deutlich fällt die Unterstützung der SVP für Karin Keller-Sutter aus.

Roger Braun
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Eigentlich sprach bei der SVP alles für Heidi Z’graggen. Die Urner Regierungsrätin zählt sich zum rechten Flügel der CVP, sie ist vergleichsweise ausländer- und öffnungsskeptisch und sie ist mit dem gut vernetzten SVP-Politiker Bruno Dobler liiert. Als Christoph Blocher jüngst betonte, wie gut er bei der Planung des Ferienresorts von Samih Sawiris in Andermatt mit ihr zusammenarbeitete, lag der Schluss nahe: Z’graggen ist die Kandidatin der SVP.

Umso ernüchternder muss das Resultat des SVP-Hearings für sie sein. Wie Fraktionschef Thomas Aeschi nach der Fraktionssitzung bekannt gab, unterstützt zwar eine Mehrheit der Partei die Urner Regierungsrätin. Doch angesichts dessen, dass ihre Konkurrentin, Nationalrätin Viola Amherd, in der SVP als links verschrien ist, muss das Stimmergebnis eine Enttäuschung für Z’graggen sein. 38 Parlamentarier stimmten für sie, 10 für Amherd, 7 legten leer ein.

«Insgesamt konnte Z’graggen zu wenig klar machen, wieso sie die rechtere Alternative zu Amherd sein soll», begründet ein Ratsmitglied das durchzogene Resultat für die Urnerin. Unterstützung für Amherd gab’s dagegen von den Bauern. Die Walliserin hatte am Vortag beim Hearing der Bauern deutlich besser abgeschnitten als Z’graggen. Sie überzeugte nicht nur durch ihre Dossierkenntnisse, sondern konnte auch darlegen, dass sie in der Vergangenheit stets bauernfreundlich gestimmt hatte, sagte ein Bauernvertreter im Vertrauen.

Heidi Z'graggens Karriere in Bildern:

Heidi Z'graggens Karriere in Bildern
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Z'graggen ist Primarlehrerin und und promovierte Politikwissenschafterin.
Ihre Dissertation schreibt sie zum Thema "Professionalierung von Parlamenten im historischen und internationalen Vergleich".
Z'graggen ist seit 2004 Urner Regierungsrätin. Sie steht der Justizdirektion vor. (Bild von 2018)
Z'graggen (4. von links) auf dem Urner Regierungsratsfoto 2014.
Anfang 2010 verliert Z'graggen die Ersatzwahl für den Ständerat gegen Markus Stadler (links, GLP).
Z'graggen auf der Piste: 2015 spricht sie anlässlich der Einweihungsfeier der Sesselbahn Gurschen-Gurschengrat.
Mit dabei ist damals auch der ägyptische Unternehmer Samih Sawiris.
Als Regierungsrätin ist Z'graggen verantwortlich für das Tourismusprojekt des ägyptischen Investors in Andermatt.
Auch an der Eröffnungsfeier des Gotthard-Basistunnels 2016 nimmt Z'graggen teil.
Z'graggen gilt als wirtschaftsfreundlich und migrationskritisch, spricht sich aber für die «Ehe für alle» aus.

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KEYSTONE/URS FLUEELER

Der «Depp» wirkt nach

Schlecht kam bei der SVP zudem an, dass Z’graggen ein Parteimitglied an einer Podiumsdiskussion mit «Depp» betitelt hatte. Als ein SVP-Fraktionsmitglied sich erkundigte, wieso sie sich bis heute nicht entschuldigt habe, stritt Z’graggen den Vorfall ab. «Das finde ich unhaltbar für eine künftige Bundesrätin», sagt ein SVP-Mitglied, das Amherd wählen wird.

Auf eine Stallorder verzichtet die SVP, wie Aeschi sagte. Damit ist jedes Fraktionsmitglied frei zu wählen, wen es will. Berücksichtigt man, dass am Dienstag 19 Personen abwesend waren, kann Amherd mit einem guten Dutzend Stimmen aus der SVP rechnen.

Da Amherd Mitte-links sehr gut abgestützt ist, hat die Walliserin gute Chancen, am 5. Dezember zur Nachfolgerin von Doris Leuthard gewählt zu werden.

SVP empfiehlt bei der FDP Keller-Sutter zur Wahl

Für die Nachfolge von Johann Schneider-Ammann unterstützt die SVP die St. Galler FDP-Ständerätin Karin Keller-Sutter. Sie machte 38 Stimmen; auf den Nidwaldner FDP-Ständerat Hans Wicki entfielen 16 Stimmen.

Hearings haben am Dienstag auch Grünliberale und Grüne durchgeführt. Sie entscheiden aber erst nächste Woche, wen sie unterstützen. Noch ausstehend sind zudem die Hearings der Fraktionen der FDP, CVP und BDP.

Karin Keller-Sutters Karriere in Bildern:

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Von 1992 bis 2000 sitzt sie im Wiler Gemeinderat, ab 1996 ausserdem im St. Galler Kantonsrat. (Bild von 2001)
2000 gelingt Keller-Sutter (2. von links) der Sprung in die St. Galler Kantonsregierung. Bis 2012 ist sie Sicherheits- und Justizdirektorin.
Schon bald kommt sie mit dem Bundesrat in Kontakt. Hier trifft sie Pascal Couchepin, Ruth Metzler und Moritz Leuenberger in Bern. Anlass ist eine Begegnung der Kantonsvertreter aus der Ostschweiz mit dem Bundesrat.
Einen Namen macht sich Keller-Sutter als Hardlinerin im Hooligan-Problem: In ihrer Amtszeit führt sie Schnellrichter ein, die Fans aburteilen, die im Stadion Pyros zünden.
"Diese Frau stoppt die Hooligans", titelt der "Blick". Auch von der "eisernen Lady aus der Ostschweiz" ist die Rede.
Noch bevor sie ins Bundesparlament nach Bern gewählt wird, pflegt Keller-Sutter Umgang mit wichtigen Persönlichkeiten, etwa mit den Bundesräten Doris Leuthard...
... Samuel Schmid...
... Christoph Blocher...
... oder mit dem damaligen Chef der Armee, André Blattmann.
Bereits 2010 will sie Bundesrätin werden. Damals steht ihr aber Johann Schneider-Ammann vor der Sonne.
2011 wählt das St. Galler Stimmvolk Keller-Sutter mit einem Glanzresultat in den Ständerat.
Für ihr «konsequentes Vorgehen gegen die Gewalt in Fussballstadien» erhält sie im Januar 2012 den Swiss Award in der Sparte Politik.
Als Ständerätin schafft sie den Sprung von der Hooligan-Hardlinerin zur vielseitig begabten Politikerin mit umfassendem Dossier.
Ihre Vorstösse in der kleinen Kammer drehen sich etwa um Wirtschafts-, Verkehrs- oder staatspolitische Themen.
2018 amtet sie als Ständeratspräsidentin.
Keller-Sutter hat drei Verwaltungsratsmandate inne: bei der Bâloise-Versicherung, der Anlagestiftung Pensimo (Präsidentin) und der ASGA Pensionskasse. Beim Arbeitgeberverband sitzt sie im Vorstand.
Im selben Jahr kandidiert KKS, wie sie gemeinhin genannt wird, zum zweiten Mal für den Bundesrat. Parteikollege Hans Wicki wird ihr den Sieg kaum streitig machen – Keller-Sutter gilt als grosse Favoritin.

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Keystone