«Wie viele Gebrauchtgegenstände, die 30 Jahre alt sind, haben Sie noch zuhause?» - «Bei uns sind das nicht mehr viele, ausser natürlich die Frau, die den Haushalt schmeisst.» Besagten Spruch machte Verteidigungsminister Ueli Maurer am Wochenende an einem Abstimmungsanlass im Kanton Zug. Offenbar wollte er dem Publikum so das hohe Alter der Schweizer Kampfjetflotte verständlich machen. Einen ähnlichen Witz gab er bei Auftritten in Neuenburg und im aargauischen Holziken zum Besten: «Überlegen Sie sich, was zu Hause nach 30 Jahren noch funktioniert. Bei mir ist es nur noch die Frau!»

Darf ein Bundesrat solche Sprüche reissen? Beim Verteidigungsdepartement (VBS) heisst es heute Morgen auf Anfrage: «Kein Kommentar.» Auf der Social-Media-Plattform Twitter überwiegt die Kritik: Der Zuger alt Nationalrat und Armeegegner Jo Lang (Grüne) fordert Maurers Rücktritt. Peer Teuwsen, Herausgeber der Schweizer Seiten der «Zeit», twittert: «Ich frage mich: wie klingt das wohl in den Ohren von Ueli Maurers Frau?» Yvonne Feri, Aargauer Nationalrätin und Präsidentin der SP Frauen, kritisiert den SVP-Bundesrat als «unsensiblen Patriarchen».

«Überhaupt nicht schlimm»

Ueli Maurers Parteikolleginnen nehmen ihm die Sprüche indes nicht übel. SVP-Nationalrätin Nadja Pieren (BE) sagt: «Ich finde das überhaupt nicht schlimm. Ein bisschen Humor darf sein. Man kann in der Politik nicht jedes Wort auf die Goldwaage legen.»

Ratskollegin Yvette Estermann (SVP, LU) sagt: «Wer Ueli Maurer kennt, empfindet den Spruch nicht als frauenfeindlich.»

Das sieht auch Andrea Geissbühler (SVP, BE) so: «Als Ueli Maurer noch Parteipräsident der SVP Schweiz war, unterstützte er die Frauen immer. Wenn er ein Frauenfeind wäre, müsste man die Aussage vielleicht anders bewerten. So aber ist es für mich absolut kein Problem.»

Kein Novum

Das erste Mal ist es nicht, dass Maurer mit Sprüchen über das andere Geschlecht aneckt. 2011 witzelte er vor der Abstimmung zur Waffenschutzinitiative: «Ich habe den Eindruck, wir haben komische Frauen in der Schweiz. Sie heiraten Verbrecher, und kaum sind sie verheiratet, werden sie von morgens bis abends mit einer Waffe durch die Wohnung gejagt.» Rita Gygax, damalige Präsidentin der SVP Frauen, reagierte verärgert: «Es war nicht gerade die geschickteste Aussage.» Über häusliche Gewalt dürfe man sich nicht lustig machen.