Telekommunikation
Sunrise UPC legt gute Zahlen vor – doch bei einem der neuen Partner laufen die Fernsehkunden davon

Der Medienkonzern Liberty Global hat die Schweizer Telekomfirma Sunrise übernommen und führt sie mit seiner Tochter UPC zusammen. Nur so kann die Kabelnetzbetreiberin wieder wachsen.

Stefan Ehrbar
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Ein Ladengeschäft von Sunrise: Noch treten Sunrise und UPC unabhängig voneinander auf.

Ein Ladengeschäft von Sunrise: Noch treten Sunrise und UPC unabhängig voneinander auf.

Sunrise

Es regnet Herzen auf der Internetseite von Sunrise. Noch immer lockt die Telekomfirma dort «zum Valentinstag» mit Spezialaktionen und saftigen Rabatten. Die frühere Konkurrentin, die Kabelnetzbetreiberin UPC, ist ebenfalls auf Kundenjagd: Sie verspricht, diese könnten bis zu 1'300 Franken sparen – «auf alles, was du liebst». Eine Ausnahme ist das nicht. Seit Monaten tobt eine Rabattschlacht – und sie scheint sich auszuzahlen.

«Ein starkes Kundenwachstum» habe es gegeben, wurde eine Mitteilung zum Geschäftsbericht 2020 der beiden Firmen am Dienstag betitelt. Erstmals teilten die Unternehmen gemeinsame Zahlen mit. Liberty Global, die Eigentümerin von UPC, hält seit Ende 2020 über 99 Prozent der Aktien von Sunrise. Mit der Übernahme soll die neue Sunrise UPC der übermächtigen Swisscom Paroli bieten. Ein Blick in die Zahlen zeigt aber: Es haben sich ungleich erfolgreiche Partner gefunden.

Vor allem Sunrise ist erfolgreich

Das Wachstum ist vor allem auf den Erfolg von Sunrise bei der Akquise neuer Kunden zurückzuführen. UPC hingegen laufen sie im wichtigen Fernsehbereich weiter davon. Dort legte Sunrise im vierten Quartal um 12'300 Kunden auf 314'000 zu. UPC hingegen musste einen Abfluss von etwa 9'000 zahlenden Kunden verbuchen. Noch grösser sind die Verluste bei den «Basis»-Fernsehkunden. Darunter werden jene verstanden, die über einen Kabelnetzanschluss von UPC verfügen, aber darüber hinaus keine weiteren Abos abschliessen und nur mit einem Grundangebot versorgt werden. Häufig zahlen diese Kunden keine Rechnungen von UPC, weil der Kabelnetzanschluss in den Mietnebenkosten abgerechnet wird.

Dass mit der weiteren Verbreitung von Glasfaseranschlüssen immer mehr Vermieter auf diesen Anschluss verzichten oder Mieter den Posten aus ihrer Nebenkostenabrechnung streichen lassen wollen, könnte einer der Gründe für den Rückgang in diesem Segment von UPC sein. Der Kauf von Sunrise verschafft UPC nun einen Vorteil: Sunrise bietet ihre Fernseh- und Internetprodukte grossmehrheitlich über Glasfasernetze an. Dank Verträgen mit der Swisscom, Swiss Fibre Net und regionalen Energieversorgern erreicht sie fast jeden Haushalt mit Glasfaseranschluss. UPC wiederum dominiert die Kabelnetzlandschaft. Zusammen können die beiden Firmen fast alle Haushalte erschliessen.

Was wird aus der Salt-Kooperation?

Offen bleibt, was aus der im Frühling angekündigten Zusammenarbeit von Sunrise mit der Mobilfunkfirma Salt wird. Unter dem Namen «Swiss Open Fiber» hatten die beiden Firmen angekündigt, künftig vermehrt selbst in eigene Glasfasernetze zu investieren und sich so von der Swisscom, der ein grosser Teil der Netze gehört, zu emanzipieren. Seit der Übernahme liegt das Projekt allerdings auf Eis, weshalb Salt gegen das Zusammengehen der Firmen klagte – erfolglos.

In gewissen Bereichen lief es im letzten Jahr auch UPC wieder etwas besser. So konnte die Firma erstmals seit drei Jahren im vierten Quartal wieder Internetkunden hinzugewinnen und legte um 18'000 Mobilfunkkunden zu. Auch das Geschäft mit Firmenkunden habe sich positiv entwickelt, heisst es in der Mitteilung. Mit kombiniert knapp 2,8 Millionen Mobilfunkkunden ist die neue Firma dort noch weit weg von der Swisscom, die zuletzt 6,2 Millionen Mobilfunkkunden registrierte. Im Bereich Breitbandinternet kommt sie mit knapp 1,2 Millionen Anschlüssen hingegen näher an den Branchenprimus, der Ende 2020 2,0 Millionen Kunden zählte. In diesen Zahlen sind die Abschlüsse von Geschäftskunden enthalten.

Sunrise UPC holt zur Swisscom auf

Im Fernsehbereich ist der Abstand noch geringer: Den knapp 1,3 Millionen TV-Kunden von Sunrise und UPC stehen knapp 1,6 Millionen bei der Swisscom gegenüber. Die Entwicklung in diesem Bereich dürfte besonders spannend werden: Zuletzt verloren Swisscom und UPC Kunden, Sunrise gewann. Ob diese Gewinne ausreichen, um den Kundenabfluss von UPC auch künftig zu überkompensieren, wird nicht zuletzt von der Strategie des neuen Unternehmen abhängen.

Mehr Informationen dazu stellte Liberty-Chef Mike Fries an einer Telefonkonferenz mit Investoren für das zweite Quartal in Aussicht. Das Ziel der neuen Firma umschreibt Liberty damit, der «Herausforderer Nummer 1» der Swisscom zu werden. Allerdings hat das Wachstum seinen Preis: Auch wegen grosszügigen Rabatten und dem Wettbewerbsdruck sinken die Umsätze pro Kunde – letztes Jahr bei Sunrise UPC um 1,8 Prozent. Insgesamt nahmen die Umsätze um 4,5 Prozent ab. Die neue Firma ist auf Synergien durch den Zusammenschluss angewiesen.

Was das für den angekündigten Personalabbau heisst, ist noch unklar. Vorerst bleibt es bei der kürzlich publizierten Information, dass maximal 30 Prozent der Belegschaft von Sunrise UPC ihre Stelle verlieren könnten. Das wären etwa 1000 Mitarbeiter.