Fall Mörgeli
Steht an der Spitze der Uni Zürich schon bald ein Topmanager?

Der Rücktritt des Rektors der Uni Zürich gibt jenen Kräften Auftrieb, die fordern, dass die Bildungsstätte künftig von jemandem geführt werden sollte, der auch über Topmanagement-Qualitäten verfügt. Sie fordern eine Änderung des Wahlverfahrens.

Matthias Scharrer
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Genügt es, wenn verdiente Professoren ein Grossunternehmen wie die Universität Zürich leiten – oder wären dafür vermehrt Topmanagerqualitäten nötig? Die Frage stellt sich, darüber sind sich nach den Turbulenzen an der Universität Zürich, die am Mittwoch zum sofortigen Rücktritt des Rektors Andreas Fischer führten, Bildungspolitiker quer durch die Parteien einig.

Dabei ist es noch nicht lange her, dass im Zürcher Kantonsrat über die Zusammensetzung der universitären Führungsgremien entschieden wurde. Damals setzte sich die Professorenschaft durch. Sie wollte starke Mitsprache und sorgte dafür, dass das heutige System standhielt. Demnach schlägt nach Sondierungen einer Findungskommission und des Universitätsrats die Versammlung der Professoren – der Unisenat – einen Rektoren-Kandidaten vor. Dessen Bestätigung ist dann in der Regel nur noch Formsache.

«Für mich ist dieses System nicht in Stein gemeisselt», sagt Hans-Peter Portmann (FPD), Präsident der Uni-Kommission im Zürcher Kantonsrat. «In der Unileitung müssen Führungskompetenzen nebst Sozialkompetenzen und unternehmerischen Fähigkeiten Gewicht haben.»

Externe und Frauen ohne Chance

Um die Unileitung über die hauseigene Professorenschaft hinaus zu öffnen, müsste laut Esther Guyer, Kantonsrats-Fraktionschefin der Grünen, das Rektoren-Wahlverfahren geändert werden. Mit dem heutigen Vorschlagsrecht des Senats hätten Externe und Frauen keine Chance, sagt sie. Schon 2006 forderte Guyer mit einer parlamentarischen Initiative, das Vorschlagsrecht des Senats sei abzuschaffen. Vier Jahre später lehnte das Parlament ihren Vorstoss ab.

Einen anderen Reformvorschlag stellt nun Kantonsrat Willy Haderer (SVP) zur Diskussion: «Man müsste anschauen, ob wissenschaftliche Führung und betriebswirtschaftliche Führung an der Universität zu trennen sind», sagt er. Wie ein privatwirtschaftliches Unternehmen könne man die Universität jedoch nicht führen. Nicht nur in der Affäre um Christoph Mörgeli, die nun zum Rücktritt des Unirektors führte, seien Führungsschwächen aufgefallen. «Es gab auch andere Fälle, in denen die Uniführung Probleme verschleppte. Das ist Gift für einen Betrieb», so der Unternehmer aus Unterengstringen (ZH). Trotzdem bedaure er, dass mit Fischer ein «hochanständiger Mensch» seinen Job aufgeben müsse.

Für SP-Kantonsrat Moritz Spillmann ist denn auch entscheidend, jetzt nicht nur auf den Rektor zu fokussieren. Er fordert insgesamt eine professionellere Uniführung. Die Unileitung habe sich in der Affäre Mörgeli als unfähig erwiesen, Personalentscheide rechtlich korrekt abzuwickeln. Auch kommunikativ seien schwere Fehler begangen worden.

Uni-Kommunikation aufgestockt

Eine Verbesserung der Führungsorganisation der Universität Zürich hatte deren strategisches Führungsgremium, der Universitätsrat, schon vor einem Jahr im Zuge der Affäre Mörgeli gefordert. Seither sei unter anderem die Kommunikationsstelle der Uni personell aufgestockt worden, sagt Universitätsrats-Aktuar Sebastian Brändli, der auch Chef des kantonalen Hochschulamts ist.

Und bei der Ausschreibung von Fischers Nachfolge – der Unirektor wollte ohnehin Mitte 2014 zurücktreten – «haben wir Führungs- und Managementfähigkeiten einen hohen Stellenwert zugemessen», so Brändli weiter. Er hält aber fest: «Ausserhalb der Akademie zu suchen, war nicht das Ziel. Nur Managementqualitäten ohne akademischen Hintergrund – das genügt für die Unileitung nicht.»