SVP

Spielt Rime für die SVP den Retter in der Not?

Die grösste Partei verkündet, man habe fünf fähige Kandidaten – doch offiziell mag sich noch keiner outen, zu gross scheint die Angst, verheizt zu werden.

Beat Rechsteiner

Die SVP tut sich schwer mit ihrer Kandidatenkür. Am nächsten Dienstag läuft die Frist für potenzielle Bundesratsanwärter ab, sich in Stellung zu bringen.

Und bis gestern hat sich noch immer keiner offiziell und öffentlich zu einer Kandidatur bekannt. Zu gross scheint die Angst, verheizt zu werden.

Immerhin aber zeichnet sich nun ein Retter in der Not ab: Wenn man sich unter SVP-Parlamentariern umhört, fällt auffällig oft der Name Jean-François Rime.

Der Freiburger Nationalrat (60) wurde, wie er gestern bestätigte, von Parteipräsident Toni Brunner angefragt und führte auch bereits Gespräche mit Christoph Blocher. «Brunner sagte mir, ich sei auf der Shortlist und solle bitte nicht Nein sagen.»

Rime wird Brunner nicht enttäuschen. Auch wenn sich der Inhaber eines Sägereibetriebs in Bulle erst Anfang nächster Woche definitiv entscheiden will, macht er bereits klar, dass er zur Verfügung stehen würde – wenn die Fraktion ihn denn will.

Und danach sieht es derzeit aus. Einflussreiche Fraktionsmitglieder wie der Berner Nationalrat Adrian Amstutz oder sein Zürcher Ratskollege Christoph Mörgeli bezeichnen eine Kandidatur Rimes als «sehr gut vorstellbar».

Zusätzliche Hypothek

Eine andere Frage ist allerdings, wie gross Rimes Chancen im Parlament wären. Zur parteipolitisch schwierigen Situation für die SVP käme noch seine Westschweizer Herkunft als zusätzliche Hypothek. Denn am 22. September gilt es, zwei Deutschschweizer Sitze zu besetzen.

Rime und andere SVP-Politiker spielen die Herkunftsfrage bewusst herunter. Es sei nicht ungewöhnlich, dass drei «Lateiner» im Bundesrat sässen, sagen sie.

Zudem sei es oft so, dass die grossen Parteien einen ihrer beiden Sitze einem Deutschschweizer und den anderen einem Westschweizer zusprechen. Dass die Mehrheit im Parlament die Herkunftsfrage ebenfalls als derart nebensächlich einstuft, ist hingegen unwahrscheinlich.

Manche werfen der SVP angesichts einer möglichen Kandidatur Rimes gar vor, es mit ihren Bundesratsambitionen gar nicht ernst zu meinen.

Die Partei selbst bemüht sich derweil, diesen Verdacht zu zerstreuen. Gestern verschickte die Parteileitung deshalb eigens eine Medienmitteilung und liess die Öffentlichkeit wissen, dass man fünf fähige Kandidaten habe, welche eine Bundesratswahl annehmen würden.

Nur Namen werden noch immer keine verkündet, weshalb weiter gezweifelt und spekuliert wird.

Mehrere Personen im Gespräch

Im Gespräch sind neben Rime auch der Aargauer Nationalrat Ulrich Giezendanner, sein Schwyzer Ratskollege Pirmin Schwander und der Schaffhauser Ständerat Hannes Germann.

Auch Regierungsräte werden immer wieder ins Spiel gebracht. Und: «Wir werden noch einmal versuchen, auf Caspar Baader und Adrian Amstutz Druck zu machen», sagt Christoph Mörgeli.

Beide haben abgelehnt, wobei Baader die Hintertür stets einen kleinen Spalt breit offen gelassen hat.

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