Bei der SP spielen die Frauen eine Rolle: Im Präsidium kommen auf sechs Frauen drei Männer. Das Generalsekretariat wird von Flavia Wasserfallen und Leyla Gül geführt. Im Nationalrat sind die Frauen in der Mehrheit (siehe Grafik). Trotzdem gibt es Kritik: «Die Exekutivposten sowie prestigeträchtige Ämter wie zum Beispiel Ständeratsmandate, das Fraktionspräsidium oder auch das nationale Parteipräsidium waren in den letzten Jahrzehnten überdurchschnittlich männlich besetzt und sind dies noch immer.» So steht es im Manifest der SP-Frauen. Das Positionspapier wird am Samstag an der SP-Delegiertenversammlung behandelt. Eine Formsache wird sein, dass sich die Delegierten für mehr Gleichstellung in den Führungsgremien der Partei aussprechen. Die Geschäftsleitung empfiehlt ein Ja zum Antrag, dass bei einer Vakanz im Fraktions- oder Parteipräsidium sichergestellt werden sollte, dass eine Position von einer Frau eingenommen wird.

Frauenanteil im Nationalrat.

Frauenanteil im Nationalrat.

Heute führt Roger Nordmann die Fraktion und Christian Levrat die Partei. «Es ist ungünstig, dass die zwei sichtbarsten Funktionen von Männern besetzt werden», sagt die Zürcher SP-Nationalrätin Min Li Marti. Für Natascha Wey, Co-Präsidentin der SP-Frauen, geht es bei dieser Forderung schlicht um die Glaubwürdigkeit der SP als Partei der Gleichstellung. Wahrscheinlich ist, dass Levrat vor Nordmann geht. Dass also bei der Besetzung des Parteipräsidiums nach den Wahlen 2019 die Frauen-Frage virulent wird.

Badrans Kritik

Als Levrat-Nachfolger stehen zwei Nationalräte im Vordergrund: Cédric Wermuth (AG) und Beat Jans (BS). Und Frauen? Fehlanzeige. Min Li Marti sieht darin ein gesellschaftliches Problem: «Eine gewisse Logik führt dazu, dass Männer einen Vorteil haben. In diesen Positionen ist ein Typus besonders gefragt: Leute, die provozieren und laut ihre Meinung sagen.» Marti erstaunt es nicht, dass Wermuth mit seinem rhetorischen Talent bereits als Levrat-Nachfolger gehandelt wird. «Doch man kann sich fragen, ob ein Präsident in erster Linie «Arena»-tauglich sein soll, oder ob nicht auch andere Fähigkeiten wichtig sind. Etwa, ob jemand eine Partei organisieren kann.»

Jacqueline Badran hält wenig von der neuen Regel: «Die Rekrutierungsbasis für das Fraktions- und Parteipräsidium ist zu klein, um auch noch auf das Geschlecht Rücksicht zu nehmen», sagt die Zürcher Nationalrätin. Denn die Ämter seien anspruchsvoll: Die Aspiranten müssten zweisprachig sein, extrem kompetent, kommunikativ begabt, strategisch beschlagen.

Potenzielle Parteipräsidentinnen sieht Badran aber durchaus. Sie fände Pascale Bruderer eine hervorragende Wahl. Die Aargauer Ständerätin steht für den reformorientierten Flügel der Partei. Badran hält nichts von der Einteilung in rechte und linke SPler. Andere Parteiexponenten hingegen fänden Bruderer perfekt in einem Co-Präsidium. Allerdings: Ist für Bruderer das Parteipräsidium überhaupt erstrebenswert? Schliesslich wird ihr Bundesratsformat attestiert.

Wasserfallens Nähe zu Levrat

In Parteikreisen oft genannt als mögliche Parteipräsidentin wird Co-Generalsekretärin Flavia Wasserfallen. Sie wird voraussichtlich im Sommer 2018 in den Nationalrat nachrücken, da Evi Allemann für den Berner Regierungsrat kandidiert. Wasserfallen gilt als politisch erfahren, stark vernetzt und als gute Kommunikatorin. Angenommen, das Präsidium wird nach den Wahlen 2019 frei, hätte sie etwas mehr als ein Jahr Zeit, um sich als Nationalrätin von ihrem Förderer Levrat zu emanzipieren. Denn die Nähe zum Parteipräsidenten wird ihr derzeit als grösstes Handicap ausgelegt.

Ebenfalls nicht im Parlament ist eine andere aussichtsreiche Kandidatin: die ehemalige Fraktionschefin Ursula Wyss. Sie ist Mitglied der Berner Stadtexekutive. Die Wahl ins Stadtpräsidium verpasste sie im letzten Jahr. Denkbar, dass Wyss 2019 in die nationale Politik zurückkehren wird. Und was ist mit den übrigen, so zahlreichen Parlamentarierinnen? Von den Vizepräsidentinnen kommen Marina Carobbio (TI) und Géraldine Savary (VD) wegen ihrer Herkunft kaum infrage. Der St. Gallerin Barbara Gysi, so wird moniert, fehle die Ausstrahlung. Konsumentenschützerin Prisca Birrer-Heimo wird parteiintern ein «zu bürgerlicher Habitus» nachgesagt. Sie könnte aber ohnehin eher auf ein Regierungsratsamt aspirieren.

Und Min Li Marti winkt ab, sagt aber: «Mich interessiert das Amt des Fraktionschefs.» Als Parteipräsident sei man oft unterwegs. Das Amt sei nicht sehr familienfreundlich – auch das halte Frauen ab. «Ein Co-Präsidium hätte Vorteile, auch für Männer, die nicht das traditionelle Familienbild leben.»