Fürsorge

So schützt die Kesb gefährdete Kinder

Zum Schutz des Kindes hat die Kesb verschiedene Möglichkeiten

Zum Schutz des Kindes hat die Kesb verschiedene Möglichkeiten

In diesen Tagen sind alle Blicke auf die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (Kesb) Winterthur-Andelfingen gerichtet. Wie aber eine Kesb funktioniert, ist kaum bekannt.

Die Kesb gleicht einem Gericht: Bestimmt werden ihre Mitglieder von den Kantonen, die Entscheide aber fällen sie unabhängig. Dafür braucht es ein dreiköpfiges Gremium, bestehend aus mindestens einem Juristen und einem Sozialarbeiter. Gegen den Entscheid des Gremiums können die Eltern innerhalb einer Frist Rekurs einlegen.

Zum Wohl des Kindes

Jedermann kann eine Gefährdungsmeldung bei der Behörde einreichen, wenn ein Kind oder ein Erwachsener hilfsbedürftig erscheint. Daraufhin klärt die am Wohnsitz der betroffenen Person zuständige Kesb-Stelle ab, ob dies zutrifft. So auch im Fall Flaach. Aufgrund mehrerer Gefährdungsmeldungen hat die Kesb letzten Oktober das Verfahren gegen die Familie Ihre Aufgabe ist es, Massnahmen zu erlassen – allerdings nur dann, wenn die betroffene Person nicht in der Lage ist, sich selber zu helfen oder sich zu schützen. Bei Kindern sind dies meist die Eltern, die ihre Pflichten nicht oder kaum wahrnehmen. Zum Schutz des Kindes gibt es folgende behördlichen Möglichkeiten:

- Die Kesb kann die Eltern mahnen.
- Sie kann zudem Weisungen zur Pflege, Erziehung und Ausbildung des Kindes an die Eltern erlassen.
- Weiter kann sie eine Beistandsperson ernennen, die die Eltern unterstützt. Die elterliche Sorge bleibt dabei bestehen. Die Behörde kann jedoch der Beistandsperson besondere Befugnisse übertragen oder die elterliche Sorge entsprechend einschränken.
- Falls das Kind gefährdet ist, kann die Kesb einen Obhutsentzug bestimmen. Sie ist dann für die angemessene Platzierung des Kindes verantwortlich. Die Eltern verlieren dabei das Aufenthaltsbestimmungsrecht des Kindes.
- Wenn Eltern durch Tod oder Entzug des Sorgerechts dieses nicht ausüben können, bestimmt die Kesb einen Vormund. Dies betrifft auch Kinder unmündiger Mütter bis zum Erreichen der Volljährigkeit.

Für die getöteten Kinder aus Flaach wurde als provisorische Massnahme den Eltern die Obhut entzogen.

Familien-Drama in Flaach ZH:

Familien-Drama in Flaach ZH: In der Sendung «TalkTäglich» diskutierten am Montagabend Daniela Fischer, Anwältin der Kindsmutter, Psychologe Thomas Steiner und Kesb-Präsident Ruedi Winet mit Moderator Markus Gilli (von links).

Teuer für Eltern und Gemeinden

Wenn erste Massnahmen ergriffen sind, kommt es zur Anhörung betroffener Eltern und Kinder. Es können zusätzlich Abklärungen durch Dritte in Auftrag gegeben werden. Auch Personen, die die Beschwerde eingereicht haben, erhalten die Gelegenheit zur Anhörung. Der Kesb-Entscheid hat sich stets am Prinzip der Verhältnismässigkeit zu orientieren. Für den Einzelfall bedeutet dies, die geeignetste und mildeste Massnahme zu wählen. Besonders wichtig: Freiwillige Hilfsangebote müssen dabei Vorrang haben. Gerade dieser Punkt wirft im Fall Flaach Fragen auf und ist Gegenstand der laufenden Untersuchungen.

Wie bei Gerichten üblich, sind die Kosten von den Betroffenen zu tragen. Je nach Aufwand und Schwierigkeit des Falls liegen diese zwischen 200 und 10 000 Franken, die den Eltern je zur Hälfte auferlegt werden. Sind sie ausserstande, die Kosten zu tragen, erfolgt die Finanzierung durch die Wohnsitzgemeinde des Kindes. Die Gemeinden können nicht gegen Entscheide der Kesb mit der Begründung rekurrieren, dass diese zu teuer seien.

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