Ratgeber

So kaufen Sie für einen Franken eine Kirche

Im Kanton Zürich gibt es gemäss Kirchenrat viel zu viele Kirchen. Doch was machen damit? Neben der Möglichkeit der Umnutzung könnte man sie auch verkaufen. Doch wie geht das?

Sie sind auf der Suche nach einem Vereinslokal? Sie suchen ein zentral gelegenes, historisches Gebäude? Sie wünschten sich schon immer einen Turm auf Ihrem Haus? Dann wäre vielleicht eine Kirche genau das richtige für Sie. Doch um eine Kirche käuflich zu erwerben, bedarf es einiger Geduld. Auch hier gilt: «Es hät solang's het!»

Zuerst müssen Sie sich entscheiden, ob Sie Interesse an einer reformierten oder einer römisch-katholischen Kirche haben. Die Wege zu Ihrem Objekt der Begierde sind nämlich unterschiedlich.

Im Folgenden zuerst die Anleitung, wie Sie zu einer römisch-katholischen Kirche kommen:

1) Sie sollten sich klar sein, dass Ihre Chancen, in ländlichen Gebieten eine Kirche zu erwerben, sehr gering sind. Konzentrieren Sie sich daher lieber auf städtische Gebiete. Ein Tipp: Probieren Sie es zuerst in Zürich, Basel oder Genf.

2) In vielen Deutschschweizer Kantonen ist das Grundbuch entscheidend, denn dort ist die Kirchgemeinde als Eigentümerin der Kirche eingetragen. Daher ist es ratsam, sich bei der Kirchengemeinde Ihrer Wahl von der Sonnenseite zu zeigen. Unser Tipp: Treten Sie einer (wohltätigen) Organisation bei, die der Kirchgemiende nahe steht und zeigen Sie sich dort von Ihrer besten, hilfsbereitesten Seite.

3) Sieht sich eine Kirchgemeinde nun gezwungen - aus welchen Gründen auch immer - eine Kirche zu veräussern, so muss sie zuerst «profanisiert» werden. Das heisst sie muss «entweiht» werden, sodass die Kirche einem nicht sakralen - eben einem profanen - Verwendungszweck zugeführt werden kann. Diese Profanisierung kann nur der Bischof persönlich vornehmen. Doch Achtung: Seine Entscheidung basiert auf der Entscheidung des Priesterrates, auch hat die Bistumsregionalleitung ein Wörtchen mitzureden.

4) Sollten Sie eine nicht profanisierte Kirche erwerben, obliegt die Kirche einer Nutzungsbeschränkung. Das heisst, ein sakraler Zweck soll in jedem Fall erhalten bleiben. Dies darum, weil die Kirchen in aller Regel einem (Schutz-)Patron geweiht sind. Was aber genau ein sakraler Zweck ist und was nicht, klären Sie am besten mit dem zuständigen Pfarrer, denn bei ihm obliegt die Verfügungsgewalt der einzelnen Kirche.

5) Nun brauchen Sie noch die Zustimmung der hiesigen Kirchenpflege, die die Anliegen von der Kirchgemeinde nahestehenden Organisationen in der Regel bevorzugt behandelt.

6) Auf die Zustimmung der Kirchenpflege folgt die Zustimmung des kantonalen Kirchenrates.

7) Nun wird der Preis festgelegt. Aber Achtung: Lassen Sie sich nicht übers Ohr hauen. In aller Regel sollte der Preis nämlich nicht mehr als einen Franken betragen. Dies darum, weil Sie der Kirche einen Gefallen tun und diese nun einen Kostenpunkt los ist.

8) Nun stellt die Kirchengemeinde den Antrag, die Kirche in andere Hände zu geben. Hierbei kommt ihnen ihr hilfbereits Engagement bei einer wohltätigen, der Kirchgemeinde nahestehenden Organisation zugute!

9) Das Geld für den Kauf zahlen Sie an die Kirchgemeinde. Diese aber darf mit dem Geld - dem Franken - nicht machen, was sie will. Das Geld ist ebenfalls zweckgebunden und darf nur in einem sakralen Sinne verwendet werden.

10) Nun stellen Sie fest, dass die Kirche nicht nur unter Denkmalschutz steht, sondern sich zudem in einer Schutzzone befindet. Sie werden sich bewusst, dass Sie am Gebäude so gut wie nichts verändern dürfen und dass es nächstens eventuell einstürzen wird. Sie merken, dass der Unterhalt extrem teuer ist, weil auch kleinste Reparaturarbeiten strengen Auflagen unterliegen. Sie merken auch, dass es viel zuwenig Parkplätze hat, um eine Beiz oder einen Laden zu betreiben, da Sie eine Quartierkirche erworben haben, in die früher die Menschen aus der Umgebung alle zu Fuss pilgerten. Sie werden sich auch bewusst, dass die Kirche zwar eine Heizung hat, man aber damit keinenfalls sieben Tage die Woche heizen kann - nicht nur der miesen Isolation wegen. Kurzum: Sie beginnen zu verstehen, warum Sie die Kirche für nur einen Franken erwerben konnten.

In der Folge vergessen Sie alle Pläne, die Sie mit der Kirche vor hatten und lassen sie, wie sie ist und erfreuen sich des schönen, historischen Bauwerks in seiner bestehenden Pracht - so, wie es früher die Religion getan hat.

Reformierte Kirchen

Sollten Sie sich eine reformierte Kirche unter den Nagel reissen wollen, empfiehlt sich eine ähnliche Vorgehensweise wie oben beschrieben. Der Unterschied aber zu den Katholiken ist, dass hier die Synode - das Kirchenparlament - dem Verkauf zustimmen muss. Das Verfahren ist also weniger kompliziert - aber keinesfalls einfacher für Sie. Doch Achtung: Auch hier hat der Bischof ein Wort mitzureden - doch nicht über den Rahmen der Synode hinaus.

Zum Schluss noch ein Tipp: Quellen besagen, dass in Basel einige Kirchengebäude in den nächsten Jahren von der Kirche nicht mehr gehalten werden können. Überlegen Sie sich also schon jetzt Ihr Vorgehen, da die Verfahren sehr langwierig sein können.

Allerletzter Tipp: Im Falle der Don-Bosco Kirche in Basel ist sogar schon eine Studie in Auftrag gegeben worden, die die Möglichkeiten einer eventuellen Umnutzung abklären soll.

Viel Glück!

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