Im Januar dieses Jahres meldete sich Bettina Rimensberger mit einem emotionalen Video über die Crowdfunding-Plattform GoFundMe an die Öffentlichkeit. Die schwerkranke 31-Jährige aus dem Zürcherischen Wetzikon leidet an einer seltenen Muskelschwundkrankheit, die nur durch eine Behandlung mit dem teuren Medikament Spinraza gestoppt werden kann - wenn überhaupt.

Weil das Medikament noch nicht ausreichend geprüft wurde und die Krankenkasse Bettina Rimensberger die 600‘000 Franken teure Behandlung deshalb nicht zahlen wollte, nahm die junge Frau die Zügel selbst in die Hand.

Mit ihrer Kampagne berührte die schwerkranke Germanistik-Studentin die Spenderherzen der Schweiz. Rund 4000 Spender meldeten sich über die Online-Plattform, sprachen Bettina Mut zu und zahlten innert Rekordzeit 600‘000 Franken auf Bettinas Konto ein.

Bettina will leben – das Crowdfunding-Video von Bettina Rimensberger

SVP-Nationalrat Thomas Matter spendete 100‘000 Franken für die Kampagne. Dazu kamen Stiftungsgelder und weitere Privatspenden. Letztlich hatte Bettina rund 640‘000 Franken auf dem Konto. Die Behandlung, sagte die junge Frau damals, könne nun losgehen.

Seither wurde es ruhig um Bettina Rimensberger. Am Mittwochmorgen aber meldete sie sich mit einem offenen Brief an ihre Unterstützer. Auch unsere Redaktion hat den Brief erhalten. In ihm steht:

Liebe Unterstützerinnen und Unterstützer

Auf diesem Weg möchte ich mich nochmals in aller Form bei euch allen für die wunderbare Unterstützung und eure lieben Wünsche und Gedanken bedanken. Ein ganz grosses Dankeschön gilt Ivana und ihrem Team, welche so richtig Gas gegeben und das erfolgreichste Crowdfunding aller Zeiten im deutschsprachigen Raum auf die Beine gestellt haben. Es war super mit euch!

Nach dieser intensiven Phase und sorgfältigen medizinischen Abklärungen folgt nun die Therapie, welche durch das Crowdfunding finanziert wurde. Damit diese erfolgreich wirkt und zu einer Verbesserung meiner Lebensqualität führt, möchte ich mich in dieser Zeit ganz darauf konzentrieren und diese mit der Unterstützung meines engsten Umfelds angehen. Nach einer ersten Therapiephase komme ich gerne wieder auf euch zu mit einem Update, wie es mir geht.

Für diese ruhigere Phase habe ich meine Schulfreundin Nathalie, mit der ich seit bald zwei Jahrzehnten durch dick und dünn gehe, gebeten, sich als Ansprechperson zur Verfügung zu stellen.

In diesem Sinne fokussiere ich mich nun vollkommen auf meine Therapie und stelle mich auch den damit verbundenen Herausforderungen. Die Unterstützung meiner Familie vor Ort und eure Gedanken begleiten mich auf diesem Weg. In gut drei Monaten werdet ihr wieder von mir via Nathalie hören. Ich umarme euch alle von Herzen.

Alles Liebe

Bettina

Dem offenen Brief liegt ein Schreiben von Bettinas bisherigem Unterstützerteam rund um Ivana Leiseder bei. Leiseder hat gemeinsam mit Kollegen und Freunden von Bettina die Kampagne im Januar aufgegleist und Bettina in den vergangenen Monaten als Beraterin unterstützt. In ihrem Begleitschreiben nun geben Leiseder und ihr Team überraschend bekannt, dass ihre gratis geleistete Zusammenarbeit mit Bettina per sofort beendet wird – auf Wunsch der schwerkranken Patientin.

Leiseder schreibt, ihr Team habe Bettina empfohlen, die Spender und Unterstützerinnen offen über den Fortschritt der Behandlung zu informieren; insbesondere, weil die im besten Fall lebensrettende Therapie ohne die «unglaubliche Unterstützung» nicht möglich gewesen wäre. «Wir haben Bettina empfohlen, sich monatlich zu melden, ohne dabei medizinische Details preiszugeben», schreibt Leiseder. Bettina habe das anders gesehen und sich auf ihre Privatsphäre berufen.

Enttäuschung beim Unterstützer-Team

Dass Bettina sich von ihrem Unterstützerteam trenne und die Kommunikation an eine Schulfreundin abgebe, bedauern Leiseder und ihr Team. „Wir hätten selbstverständlich weiterhin für Bettina gekämpft und wünschen ihr von Herzen alles Gute.“ Auf Nachfrage sagt Leiseder: „Das ganze Kampagnen-Team aus neun Personen hat sich mit voller Kraft für Bettina eingesetzt und verschiedene Stärken für sie einbringen können, die durch eine einzige Person vermutlich nicht abgedeckt werden können. Dies stellt in Anbetracht der Komplexität der Situation ein Risiko dar, das wir gerne vermieden hätten." 

Bettina führt ihren Kampf also mit neuen Kräften weiter. Ob das „Wunder von Wetzikon“ Realität wird und die Behandlung dank der finanziellen Unterstützung der 4000 Spenderinnen und Spendern erfolgreich sein wird, bleibt unklar. Bettina Rimensberger hat bislang nicht auf eine Anfrage unserer Redaktion zum Stand der Behandlung reagiert.

SVP-Nationalrat Thomas Matter, der Bettinas Kampagne mit 100'000 Franken unterstützt hat, sagt auf Anfrage: «Ich habe Verständnis für den Weg, den Bettina eingeschlagen hat und kann sehr gut nachvollziehen, dass sie ihre Ruhe braucht für ihre Therapie.»