Langsamverkehr

Schweizer Routen für Wanderer und Velofahrer sind einmalig: Doch wird das Netz langsam zu gross?

Das Netz für Langsamverkehr von Schweiz Mobil ist weltweit einmalig. (Archivbild)

Das Netz für Langsamverkehr von Schweiz Mobil ist weltweit einmalig. (Archivbild)

Diesen Sommer feiert Schweiz Mobil das 10-Jahr- und Veloland Schweiz gar das 20-Jahr-Jubiläum. Die Routen sind ein Erfolg, aber langsam wird es dicht.

Das Netz für Langsamverkehr von Schweiz Mobil ist weltweit einmalig. Es umfasst heute über 1000 Routen mit 33 000 Kilometern und rund 200 000 Wegweiser-Standorten für Wanderer, Velofahrer, Mountainbiker, Skater und sogar Kanufahrer.

Wir wollten von Projektleiter Markus Capirone wissen, ob nicht bald die Übersicht fehlt. Capirone gibt nach 25-jähriger Tätigkeit sein Mandat Ende Jahr ab. Er ist Mitinitiant von Veloland Schweiz und Mitinhaber des Velobüros Olten. Aufgrund dessen Erfolg wurde das Velobüro auch mit der Projektleitung für Schweiz Mobil betraut. Im Sommer wird nun in Bern eine neue Geschäftsstelle Schweiz Mobil geschaffen.

Herr Capirone, auf diese Saison kommen vierzehn lokale Routen im Mountainbikeland, acht im Wanderland und drei im Veloland hinzu. Braucht es immer noch mehr Routen?

Markus Capirone: Unser Ziel ist nicht eine stetige Erweiterung, sondern eine Optimierung: Erhöhung des Anteils an Naturbelag auf den Routen von Wanderland, Sanierung von Gefahrenstellen und bessere Wegführungen im Veloland. So haben wir zum Beispiel das Programm «Veloland 2030», das über 400 Routenverbesserungen mit Investitionen von geschätzten 500 Millionen Franken vorsieht. Ein grosses Projekt darin ist der Schöllenenradweg, der aktuell im Bau ist.

Markus Capirone ist Mitinitiant des Velolandes Schweiz.

Markus Capirone ist Mitinitiant des Velolandes Schweiz.

Nun scheint aber gerade das Veloland noch von privaten Routenorganisationen wie der Herzroute, den Umweltvelowegen oder neuestens der Route Verte konkurrenziert zu werden.

Der Erfolg von Veloland motiviert andere zur Lancierung eigener Routen – meist aus Marketingüberlegungen. Neuen Initianten legen wir nahe, das bestehende Routennetz zu nutzen und es mittels eigener Kommunikation thematisch aufzuladen. Letztlich entscheiden die Kantone, ob neue Routen aufgenommen werden – sie sind ja in der Regel für Erstellung und Unterhalt der Signalisation verantwortlich. Sie haben nicht zweckmässige lokale Routen auch schon gestrichen.

Andererseits gibt es signalisierte Velorouten, die bei Veloland nirgends aufgeführt sind.

Wir streben an, in absehbarer Zeit als Ergänzung zum momentan eingezeichneten Freizeitnetz (Veloland) das Basisnetz für den Alltagsverkehr auf der Webkarte mit dünnen Linien darstellen zu können – analog zum Wanderland. Ortsfremde Velofahrer würden so nicht mehr überraschend auf Routen stossen, die nirgends aufgeführt sind.

Ist das Netz nicht zu gross?

Wir sehen das als touristische Grundinfrastruktur – so wie das Strassennetz als Verkehrsinfrastruktur auch nicht hinterfragt wird. Das heisst aber nicht, dass Wegnetze nicht optimiert werden. So streben wir an, dass gewisse Skatingrouten auf Velorouten gelegt werden, da sie weniger genutzt werden.

Aber das Mountainbikeland hält mit der rasanten Entwicklung in diesem Bereich kaum mit: In Graubünden darf ja jeder Wanderweg offiziell zum Biken genutzt werden.

Dieses Routennetz steht derzeit in der Tat am meisten auf dem Prüfstand. Ziel: Die Überprüfung der Qualität der bestehenden signalisierten MTB-Routen und Verbesserung ihrer Kommunikation. Damit soll auch die Kanalisierung des Mountainbikens auf geeignete Routen gefördert werden. Aktuelle Qualitätsverbesserung: Routen, die in einer Richtung besser zu befahren sind, werden nun auf der Webkarte mit kleinen, roten Richtungspfeilen sichtbar gemacht.

Braucht es im Zeitalter der Digitalisierung überhaupt noch eine komplette Signalisierung en route?

Als einzigartiges Qualitätsmerkmal wurde seinerzeit festgelegt, dass der Schweiz-Mobil-Nutzende in vier Routennetzen dank optimaler Ausschilderung seine Wege jederzeit ohne weitere Hilfsmittel finden kann (Kanuland ist ein Spezialfall). Das soll auch heute noch gelten, und die letzte Erhebung bestätigt es: Bei den Wanderern orientieren sich 75 Prozent an der Signalisation, bei den Mountainbikern 67 Prozent und bei den Velofahrern 61 Prozent.

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