Watt d'Or
Schweizer Energiepreis für Wasserstoff und ein Solarkraftwerk auf einem Stausee

Der Ausbau der Wasserstoff-Infrastruktur und eine CO2-neutrale Überbauung erhalten den Watt d’Or des Bundes.

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Diese CO2-neutrale Überbauung in Männedorf wurde mit dem Schweizer Energiepreis Watt d'Or ausgezeichnet.

Diese CO2-neutrale Überbauung in Männedorf wurde mit dem Schweizer Energiepreis Watt d'Or ausgezeichnet.

Bruno Knellwolf / Aargauer Zeitung

Bis zum Jahr 2050 sollen in der Schweiz gemäss den Energieperspektiven 50+ keine fossilen Treibstoffe mehr verbrannt werden – kein Öl, Benzin und Gas. Diese Entkarbonisierung ist ein sehr ambitioniertes Ziel der Schweizer Energiestrategie, das nur mit dem kombinierten Einsatz verschiedener Technologien mit erneuerbarer Energie möglich ist. Vor allem muss die Solarenergie um ein Vielfaches ausgebaut werden.

Ein Vorzeigebeispiel ist eine neue CO2-neutrale Wohnüberbauung im zürcherischen Männedorf, welche die Stiftung Umwelt Arena Schweiz erstellt hat. Dafür hat die Stiftung und das Büro René Schmid Architekten den diesjährigen Watt d’Or in der Kategorie Gebäude und Raum erhalten. Zum 14 Mal zeichnet das Bundesamt für Energie (BFE) heute innovative Energieprojekte aus. Neben der Überbauung in Männedorf erhalten vier weitere Projekte den Schweizer Energiepreis.

Wohnsiedlung kommt ohne fremden Strom aus

Die neue Wohnsiedlung in Männedorf ist nicht auf fremden Strom angewiesen. Das Haus ist ein Kraftwerk, welches die meiste Energie aus Windrädern auf dem Dach und Solarmodulen auf Dächern und Fassaden holt. Genutzt wird auch die Biomasse rund ums Haus, aus welcher in einer Kompostieranlage Gas wird, das für Autos wie fürs Heizen genutzt wird.

Biogas feuert nach, wenn im Winter die Solarenergie nicht reicht. Eine Hausbatterie steht für die kurzzeitige Speicherung zu Verfügung. Um übers ganze Jahr Energie zu haben, wird der nicht durch die Bewohner verbrauchte Strom, also vor allem der überflüssige Sommerstrom, über das Stromnetz in eine Power-to-Gas-Anlage geleitet. Das dort produzierte Gas wird zurückgeführt, um die Winterlücke zu schliessen.

Wasserstoff wird weltweit eine entscheidende Rolle spielen

Der Ostschweizer Wasserstoff-Pionier Hansjörg Vock ist einer der treibenden Kräfte hinter dem Wasserstoffprojekt mit Hyundai.

Der Ostschweizer Wasserstoff-Pionier Hansjörg Vock ist einer der treibenden Kräfte hinter dem Wasserstoffprojekt mit Hyundai.

Arthur Gamsa

Ebenfalls ein wichtiger Bestandteil in den Energieperspektiven ist der Wasserstoff H2 als Treibstoff. Wasserstoff wird in Zukunft weltweit bei der klimaneutralen Energieversorgung eine grosse Rolle spielen. Die H2-Infrastruktur steht erst am Anfang, in St.Gallen wurde vor einem halben Jahr schweizweit erst die zweite Wasserstoff-Tankstelle eröffnet. Doch nun wird das Netz stark ausgebaut und soll in erster Linie Treibstoff für den Lastwagenverkehr liefern. Bereits sind 50 Wasserstoff-Lastwagen im Einsatz, bald sollen es 1000 sein. Aber auch die ersten Wasserstoff-Autos mit Brennstoffzellen-Technik sind auf dem Markt.

Wasserstoff-Ausbau ohne staatliche Förderung

Der Wasserstoff wird in der Schweiz ausschliesslich aus grüner Energie hergestellt und könnte dazu beitragen, dass die Sommerstromüberschüsse in speicherbare Energie umgewandelt werden. Das BFE hat die Firmen Hydrospider, die Hyundai Hydrogen Mobility, die H2 Energy und den Förderverein H2 Mobilität Schweiz mit dem Schweizer Energiepreis ausgezeichnet, weil diese den weltweit ersten kommerziellen Kreislauf für erneuerbaren Wasserstoff aufbauten – und das ohne staatliche Förderung.

Geehrt mit dem Watt d’Or wird auch das ETH-Spinoff Adaptricity. Dieses liefert Softwarelösungen für die Planung und Überwachung der Stromnetze und macht die Verteilnetze bereit für die Elektrifizierung der Schweiz.

Solarkraftwerk auf dem Stausee

Der wichtigste Punkt der Energiestrategie ist die Sonnenenergie. Das Unternehmen Romande Energie hat auf dem Stausee Lac des Toules im Wallis einen Kraftort geschaffen, der nicht nur die Wasserkraft, sondern auch Solarstrom von einem schwimmenden alpinen Solarkraftwerk nutzt.

Der fünfte Preis geht an Mettiss AG und Beat Kegel. Diese haben in St.Gallen ein Gebäude aus den 1960er-Jahren dank intelligenter Planung von einer Energieschleuder in ein Passivhaus umgewandelt, dessen Energiebedarf durch die Sonneneinstrahlung und die Wärmeabgabe der Geräte und Menschen im Haus gedeckt wird.