Zürich

Schrebergärtner kämpfen gegen Hockeystadion

Diese Schrebergärten müssten dem Stadion weichen.

Schrebergärten

Diese Schrebergärten müssten dem Stadion weichen.

120 von rund 300 Schrebergärten sollen in Zürich Altstetten einer neuen Eishockeyarena Platz machen. So der Plan von Stadt und ZSC. Nun wehren sich die Hobbygärtner mit einer Petition.

Martin Reichlin

«Die Unterschriftenbögen werden am kommenden Wochenende erstellt», erklärt Walter Zbinden, Arealchef der Altstetter Schrebergartenanlage und Vorstandsmitglied des Familiengartenvereins Altstetten-Albisrieden, «sobald die zuständige Person aus dem Zivilschutz zurück ist. Spätestens kommende Woche beginnen wir dann mit dem Sammeln der Unterschriften.»

Vor allem im Quartier werde man die Menschen auffordern, sich für ein Überleben der zwischen Bahnlinie und A1 gelegenen Freizeitgärten einzusetzen. «Wir verschicken die Listen aber auch an die elf anderen Zürcher Familiengartenvereine», sagt Zbinden, der auf die begrenzte politische Durchschlagskraft der Aktion angesprochen meint: «Wir haben ja kaum andere Möglichkeiten.»

Immerhin, schon bald soll ein grosses Transparent mit der Aufschrift «Eisstadion ja - aber nicht auf Kosten der Familiengärten» Bahnreisende auf das Thema aufmerksam machen. Und sobald der Schnee geschmolzen sei, wolle man der Bevölkerung die Schrebergartenanlage auf Rundgängen näher bringen. Zbinden: «Damit die Menschen aus erster Hand erfahren, was wir hier leisten.»

«Glücklich ist niemand»

Informationen aus erster Hand gab es vorgestern endlich auch für die Schrebergärtner selbst. Bei einem Treffen mit Grün Stadt Zürich sei ihnen «reiner Wein eingeschenkt worden», so der Arealchef. Nun sei klar, dass die gut 120 Parzellen, die laut der vorläufigen Planung von Stadt und Zürcher Schlittschuhclub zugunsten des neuen ZSC-Stadions aufgehoben werden sollen, ins Dunkelhölzli an die Grenze zu Schlieren verlegt werden. Zuerst müsse dort aber der Boden aufwändig saniert werden.

Allerdings, so Zbinden, «glücklich ist mit diesem Plan niemand. Wie wir würde auch Grün Stadt Zürich lieber alles beim Alten belassen. Doch die haben nun mal den Auftrag vom Stadtrat gefasst und müssen das Vorhaben nun umsetzen.»

Trend zum Schrebergarten

Bleibt die Frage, ob der Einsatz für den Erhalt der Schrebergärten nicht verlorene Liebesmüh ist, da das Konzept des Familiengartens veraltet ist. «Mitnichten», antwortet Walter Zbinden darauf vehement. «Die Tendenz zeigt ganz klar in die andere Richtung: Wir haben mehr Anmeldungen als freie Parzellen.» In den vergangenen Jahren habe der Verein deshalb auch viel in die Erneuerung der Anlage investiert und unter anderem die Wege erneuert, die Wasserleitungen überholt oder ein neues Pächter-Beizli gebaut. Dass die Stadt plane, das ganze Gartenareal langfristig neuen Sportanlagen zu opfern, gebe ihm darum «sehr zu denken».

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