Kritik

Schlechte Bedingungen der Genfer UNO-Praktikanten: «Die Schweiz müsste sich stärker einsetzen!»

Bei der UNO werden Praktikanten oft nicht entlöhnt.

Bei der UNO werden Praktikanten oft nicht entlöhnt.

Die schlechten Anstellungsbedingungen für Praktikanten bei der UNO rufen die Politik auf den Plan.

Sie klagen seit Jahren: Zahlreiche Praktikanten erhalten für ihre Arbeit bei den Vereinten Nationen (UNO) kein Salär. Ihre Hoffnung auf Besserung wurden jüngst jedoch deutlich kleiner, nachdem die «Schweiz am Wochenende» ein geheimes Video publik machte, in dem UNO-Generalsekretär Antonio Guterres an einer internen Veranlassung sagte, er persönlich sei nicht dafür, dass Praktika bezahlt werden sollten.

Zwar müssen darüber die UNO-Mitgliedstaaten entscheiden, doch dass er oberste UNO-Chef den Praktikanten keine Unterstützung zusagt, wiegt schwer. Eine solche Aussage sei schlicht schockierend und inakzeptabel, sagte denn auch ein Vertreter der UNO-Praktikanten und der sogenannten «Fair Internship Initiative» zu dieser Zeitung.

Rückendeckung erhalten die jungen Hochschulabsolventen nun von der Genfer Ständerätin Lisa Mazzone. Sie hatte 2016 vom Bundesrat in Form eines Postulats einen umfassenden Bericht über die Praktika-Situation in der Schweiz gefordert – ist damals aber abgeblitzt. «Das Thema ist nach wie vor problematisch», sagt die Grüne auf Anfrage.

Nicht dem Schweizer Gesetz unterworfen

Das Problem bei der UNO sei, dass sie als internationale Institution nicht dem Schweizer Gesetz unterworfen sei. «Sie entzieht sich unseren Vorschriften.» Sie prüfe deshalb nun, das Thema erneut zur Sprache zu bringen. «Das Postulat von 2016 könnte ich erneut einreichen, weil es an Bedeutung nicht verloren hat.»

Mazzone bezeichnet die Situation als nicht akzeptabel, da die diese für die Auszubildenden prekär sei. «Vor allem in einer teuren Stadt wie Genf, wo es fast unmöglich ist, eine billige Unterkunft zu finden.» Dies habe zur Folge, dass die Vielfalt der Leute, die sich ein unbezahltes Praktikum leisten können, leidet. Es fehlt an Vertretern aus ärmeren Ländern. Die Genferin nimmt auch den Bundesrat in die Pflicht: «Die Schweiz müsste sich viel stärker für die Verbesserung der Praktikumssituation bei der UNO einsetzen.»

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