SBB-Kampagne
SBB wollen Kunden das 1.-Klass-GA schmackhaft machen

Die SBB werben bei ihren Kunden derzeit für das 1.-Klass-GA. Wer schon ein 2.-Klass-GA besitzt erhält beim Upgrade einen Rabatt. Dies aus gutem Grund: Unter allen Generalabonnements ist nur knapp jedes 8. für die 1. Klasse.

Antonio Fumagalli
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Beim Aufstieg in die 1. Klasse winkt GA-Besitzern ein Rabatt. (Symbolbild)

Beim Aufstieg in die 1. Klasse winkt GA-Besitzern ein Rabatt. (Symbolbild)

Keystone

«Die 1. Klasse trägt zu Recht die Nummer 1: In Sachen Komfort ist sie unschlagbar. Gönnen Sie sich darum jetzt ein GA 1. Klasse», heisst es im Schreiben, das die SBB Ende März an zahlreiche Besitzer eines 2.-Klass-Generalabonnements geschickt hat.

Es folgt eine Auflistung der Vorteile – «mehr Entspannung, mehr Profit, mehr Genuss» –, die das blaue Plastikkärtchen erster Güteklasse verspricht. Dem Brief angehängt ist ein Formular, mit dem das Upgrade in wenigen Schritten vollzogen ist – und das erst noch mit einem Rabatt von 150 Franken auf den Gesamtpreis von 5800 Franken pro Jahr.

Laufen den Bundesbahnen die 1.-Klass-Kunden davon, dass sie so offensiv um sie werben müssen? Bei den SBB will man davon nichts wissen. «Das 1.-Klass-GA ist weiterhin sehr beliebt. Mit der Aktion wollen wir unsere treuen 2.-Klass-Kunden auf die Alternativen aufmerksam machen und ihnen einen Anreiz für den Klassenwechsel geben», sagt Mediensprecher Stephan Wehrle.

Er weist darauf hin, dass die Kampagne bereits zum vierten Mal durchgeführt werde und erfolgreich sei. Wie viele Kunden aufgrund des Schreibens das Produkt gewechselt haben, geben die SBB nicht bekannt. Es seien aber einige, sonst hätte man die Aktion nicht wiederholt, so Wehrle.

Nicht überall steckt 1. Klasse drin

Das GA ist eines der Flaggschiffe der SBB, in den letzten zehn Jahren nahm die verkaufte Anzahl trotz Preiserhöhungen stets zu. Ende 2013 gab es nicht weniger als 441’000 GA-Besitzer. Wenn man die Zahlen etwas genauer hinschaut, lässt sich Interessantes feststellen: Während im Jahr 2010 noch rund 12.5 Prozent aller GA-Kunden ein Abonnement der 1. Klasse besessen hatten, waren es ein Jahr darauf nur noch 11.3 Prozent. Seither hat sich dieser Wert eingependelt.

Einen Zusammenhang zwischen der Kampagne und dem anteilsmässigen Rückgang des 1.-Klass-GA gibt es laut den SBB nicht. Für Kurt Schreiber, Präsident von Pro Bahn Schweiz, steckt aber nicht mehr überall erste Klasse drin, wo erste Klasse draufsteht: «Bei Doppelstockzügen, die im Fernverkehr eingesetzt werden, ist der deutlich höhere Preis der 1. Klasse nicht gerechtfertigt». Solche Kompositionen verkehren beispielsweise auf der Strecke Zürich Flughafen – Basel. Für die klassischen Fernverkehrszüge gelte dies aber nicht. Dort habe man in der 1. Klasse nach wie vor einen deutlichen Mehrwert, so Schreiber.