Der Krieg der Zukunft findet in Zürich Oerlikon, im Basler St.-Johann-Quartier oder in der Luzerner Altstadt statt. Anstelle von schweren Panzern kommen unbemannte Bodenfahrzeuge, Laserwaffen und Drohnenschwärme zum Einsatz.

Was sich wie ein Science-Fiction-Thriller anhört, entstammt dem Bericht «Zukunft der Bodentruppen», den Verteidigungsministerin Viola Amherd am Donnerstag der Öffentlichkeit präsentierte. Das Papier schildert detailliert, wie sich die Schweizer Armee den Krieg der Zukunft vorstellt.

Bedrohte Städte

Es geht um viel Geld. 7 Milliarden Franken will der Bundesrat bis in die Dreissigerjahre in die Erneuerung der Waffensysteme am Boden und in den Kauf moderner Kommunikationsmittel investieren. Dazu kommen nochmals 8 Milliarden für Kampfjets und Flugabwehrraketen.

Macht 15 Milliarden Franken oder mehr als zweimal so viel, wie der Bund jährlich für Bildung und Forschung ausgibt. Das hat die Landesregierung in einem Richtungsentscheid beschlossen.

Ziel des grössten Investitionsprojekts in der Geschichte der Armee ist eine grundsätzliche Neuausrichtung: Weg von konventionellen, hin zu «hybriden» Bedrohungen. Die Truppen sollen künftig nicht mehr den Verteidigungskrieg gegen Streitkräfte anderer Staaten üben, sondern sich auf komplexe Konflikte im urbanen Raum einstellen.

Der Gegner ist in diesem Szenario nur schwer fassbar. Die Rede ist von bewaffneten Gruppen, verdeckt agierenden Sonderoperationskräften oder Sicherheitsfirmen, die versuchen, die Schweiz durch gewalttätige Aktionen, Anschläge auf Infrastrukturen oder das Besetzen von Geländeteilen zu destabilisieren. Als Beispiel für hybride Kriegsführung gilt die 2014 erfolgte Besetzung der Halbinsel Krim durch russische Soldaten, die sich nicht als solche zu erkennen gaben.

Statt in mechanisierten Grossverbänden soll sich die Schweizer Armee künftig in kleineren, autonom einsetzbaren Verbänden organisieren. Schwere Panzer stehen nicht mehr im Vordergrund. Dafür sollen die Waffensysteme präziser werden – denn in den Städten ist das Risiko von zivilen Opfern und Infrastrukturschäden gross.

Im Krieg der Zukunft sollen auch neue Technologien zum Einsatz kommen. Amherds Boden-Bericht erwähnt eine Reihe davon: Zum Beispiel militärische Nano- und Mikrodrohnen zur Aufklärung, bewaffnete Drohnenschwärme oder unbemannte Bodenfahrzeuge zur Evakuierung von Verletzten. Die Armee betont, dass sich beim Einsatz unbemannter Kampfmittel schwierige ethische und moralische Fragen stellen. Zum Beispiel: Soll ein autonomer Roboter wirklich mittels künstlicher Intelligenz entscheiden, ob ein anderer Mensch sterben soll?

Weniger Gegengeschäfte

Mit einem Beschaffungsumfang von 5,5 bis 6 Milliarden für die Bodentruppen hat sich der Bundesrat für die günstigste von drei Optionen entschieden. Die erste hätte sich an einem konventionellen Bedrohungsszenario mit Investitionen von 10 Milliarden orientiert. Option drei wäre von einem hybriden Modell ausgegangen, allerdings mit einem höheren Sollbestand von 120 000 statt 100 000 Armeeangehörigen. Kosten: bis zu 9 Milliarden Franken.

Ebenfalls am Donnerstag gab Verteidigungsministerin Amherd bekannt, wie sie bei der Kampfjetbeschaffung vorgehen will: Wie erwartet will sie für die Flieger 6 Milliarden ausgeben und den Kauf in einem referendumsfähigen Planungsbeschluss dem Parlament unterbreiten. Eine Volksabstimmung ist damit möglich. Die Beschaffung des Systems zur bodengestützten Luftverteidigung soll separat erfolgen und darf 2 Milliarden kosten.

Überraschend hat Amherd zudem beschlossen, dass der Hersteller eines neuen Kampfflugzeuges nur 60 statt 100 Prozent des Auftragswertes in Form mit Gegengeschäften an Schweizer Firmen kompensieren soll. Das soll den Preis drücken und Korruption vorbeugen.

Der Verband der Schweizer Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie kritisierte den Entscheid und warnte, mit der tieferen Kompensationsquote schmälere der Bundesrat die Chancen der Kampfjets an der Urne. Auch die schweizerische Offiziersgesellschaft kann dem Entscheid «wenig abgewinnen».

Es ist das erste Mal, dass Amherd als Verteidigungsministerin mit deutlicher Kritik konfrontiert ist. Sie machte bei ihrem Auftritt in Bern jedoch nicht den Eindruck, als würde sie sich davon beirren lassen.