UBS-Rettung

Rettung der UBS: Hans-Rudolf Merz erhält Schützenhilfe von Pascal Couchepin

Der abtretende Bundesrat Pascal Couchepin bedankt sich 2009 für den Applaus des Parlaments. Rechts klatscht Bundespräsident Hans-Rudolf Merz. (Quelle: Keystone/Peter Schneider)

Der abtretende Bundesrat Pascal Couchepin bedankt sich 2009 für den Applaus des Parlaments. Rechts klatscht Bundespräsident Hans-Rudolf Merz. (Quelle: Keystone/Peter Schneider)

Hans-Rudolf Merz habe die UBS-Rettung nach seinem Herzstillstand nicht sabotiert, sagt Pascal Couchepin, Bundespräsident von 2008. Er sei seinem Parteikollegen sehr  dankbar gewesen, dass er die UBS-Rettung nach seiner Rückkehr ins Amt buchstabengetreu umgesetzt habe.

Versuchte Hans-Rudolf Merz nach seinem Herzstillstand vom 20. September 2008 die Rettung der UBS zu hintertreiben? Ja, sagt Daniel Zuberbühler, damals Direktor der Bankenkommission. «Er wollte quasi aus der Intensivstation raus und das Ganze stoppen», hält er im Buch «Wie die Swissair die UBS rettete» fest. Merz bestreitet diese Darstellung: «Das ist Blödsinn, eine verleumderische Behauptung».

Der Alt-Bundesrat erhält nun Unterstützung von Pascal Couchepin, dem Bundespräsidenten von 2008. «Ich denke nicht, dass er interveniert hat», sagt er. «Vor der akuten Krise war Merz zwar dagegen, dass der Staat Privatbanken Geld gibt. Als er ins Amt zurückkehrte, hat er die Meinung des Bundesrats aber sehr buchstabengetreu vertreten. Dafür bin ich ihm dankbar.»

Couchepins Worte zu Merz an der Medienkonferenz

An der Medienkonferenz vom 16. Oktober 2008 erwähnte Couchepin Merz explizit: «Ich möchte beifügen, dass Herr Merz informiert wurde. Und er sagte mir, er unterstütze diese Projekte und danke allen, die daran gearbeitet hätten.»

Couchepin hatte sich am Flughafen Genf-Cointrin befunden, als ihn der Anruf seines Generalsekretärs erreichte: Merz liege nach einem Herzstillstand in der Intensivstation.

Der Bundespräsident erkannte die Tragweite des Vorfalls sofort. Die UBS befand sich in einer dramatischen Liquiditätskrise. Mit dem Ausfall des Finanzministers spitzte sich die Lage zu. Couchepin stornierte den Flug nach New York, wo er vor der UNO eine Rede hätte halten sollen. Er traf am selben Tag Eveline Widmer-Schlumpf, die Stellvertreterin von Merz.

Merz thematisierte Banken schon 2003

In der Folge konkretisierte Widmer-Schlumpf den Rettungsplan, an dem Merz mit Nationalbank und Bankenkommission gearbeitet hatte, wie es im Bundesrats-Lexikon heisst.

Merz habe die Bedeutung der Grossbanken zu Beginn seiner Amtszeit thematisiert, sagt Alexandre Schmidt, damals persönlicher Mitarbeiter. «Er sagte, er sehe im Finanzbereich zwei grosse Risiken für die Schweiz: Erstens, dass einer der multinationalen Konzerne die Schweiz verlässt. Und zweitens, dass eine der beiden grossen Banken ins Trudeln gerate.» Für beide Fälle habe Merz Szenarien verlangt.

Steckt doch noch mehr dahinter?

Im Vorfeld der akuten UBS-Krise habe Merz nichts gegen Abklärungen gehabt, wie eine Bank im Krisenfall mit Staatsgeldern gerettet werden müsse, sagt Peter Siegenthaler, Ex-Direktor der Finanzverwaltung. «Aber er stand ihnen sehr reserviert gegenüber. Kümmere du dich darum, sagte er mir. Er wolle sich fernhalten.»

Nach dem Herzstillstand habe er «mehr als ein Telefonat» mit Merz gehabt. «Noch am Montag vor dem 15. Oktober sprach ich mit ihm. Er sagte mir da, er wolle die Staatshilfe nicht für die UBS.»

Daniel Zuberbühler behauptet im Swissair-UBS-Buch, Merz habe Siegenthaler gar verboten, an Sitzungen teilzunehmen, in denen es um Staatshilfe für die UBS ging. Merz selbst kann sich nicht an ein solches Verbot erinnern. Siegenthaler sagt: «An einen ganz konkreten Anlass kann ich mich nicht erinnern. Aber generell stand Herr Merz den Bemühungen zur Rettung der UBS nicht sehr positiv gegenüber.»

Welche Rolle spielte die Generalsekretärin?

Nichts sagen will Elisabeth Meyerhans, 2008 Generalsekretärin des Finanzdepartements. Sie habe hinter den Kulissen gegen den Rettungsplan geweibelt, bis Couchepin intervenierte, sagen Insider. Couchepin selbst sagt dazu nur zwei Worte: «Kein Kommentar». Ein Insider hat gar von Merz selbst gehört, dass er sich überlegt hatte, schon für die Bundesrats-Sitzung vom 15. Oktober zurückzukehren.

Hätte sich die UBS-Geschichte mit Merz an Stelle von Widmer-Schlumpf gleich entwickelt? «Letztlich schon», sagt Peter Kurer, damals UBS-Verwaltungsrats-Präsident, im Buch. «Natürlich war Merz zuerst skeptisch. Aber mit ihm konnte man sprechen.»

Autor

Othmar von Matt

Meistgesehen

Artboard 1