Kirche

Reformiertes Kirchenparlament sagt Ja zur «Ehe für alle»

SEK-Präsident Gottfried Locher im Gespräch mit Vize-Ratspräsidentin Esther Gaillard an der Abgeordnetenversammlung des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes (SEK) im Rathaus Bern.

SEK-Präsident Gottfried Locher im Gespräch mit Vize-Ratspräsidentin Esther Gaillard an der Abgeordnetenversammlung des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes (SEK) im Rathaus Bern.

Die reformierte Kirche befürwortet die Öffnung der Ehe für gleichgeschlechtliche Paare auf zivilrechtlicher Ebene. Dies hat die Abgeordnetenversammlung des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes (SEK) am Dienstag in Bern beschlossen.

Die Mehrheit des Kirchenparlamentes folgte dem entsprechenden Antrag des SEK-Rates (Exekutive) mit 45 zu 10 Stimmen bei 4 Enthaltungen. Es gehe hier nicht um einen Entscheid zur Einführung der kirchlichen Ehe für Homosexuelle, betonte SEK-Ratsmitglied Sabine Brändlin. Diese Kompetenz liege bei den Kantonalkirchen.

Der Kirchenbund empfiehlt den Mitgliedkirchen, den allfälligen neuen zivilrechtlichen Ehebegriff für die kirchliche Trauung vorauszusetzen. Die Pfarrerinnen und Pfarrer sollen aber weiterhin auf ihr Gewissen hören können. Die Gewissensfreiheit solle wie für alle anderen kirchlichen Amtshandlungen selbstverständlich gewahrt bleiben.

Gestrichen wurde eine Empfehlung, die Trauung gleichgeschlechtlicher Paare in die Trauregister einzutragen und sie liturgisch gleich zu gestalten wie die Trauung heterosexueller Paare. Eine Mehrheit erachtete diese Empfehlung als überflüssig. Das Dokument zur "Ehe für alle" passierte in der Schlussabstimmung schliesslich mit 49 zu 11 Stimmen.

Kontroverse Debatte

Der Abstimmung ging eine lebhafte Debatte voran. Ein Delegierter aus Obwalden plädierte dafür, den Entscheid ganz den Kirchgemeinden zu überlassen. Er rief zu gegenseitiger Toleranz auf: Eine theologische Minderheit dürfe nicht ausgegrenzt werden. Andere warnten vor einer gegenseitigen Zerfleischung und wollten Zeit gewinnen.

Die Befürworterinnen und Befürworter bezogen sich auf frühere Positionsbezüge des Kirchenparlamentes, wonach sich der Mensch seine sexuelle Orientierung nicht aussuche. "Damit haben wir bereits Ja gesagt zur Gleichwertigkeit", betonte eine Delegierte der Nordwestschweiz. Alles andere sei eine Diskriminierung.

Nationalrat entscheidet im März

Auf zivilrechtlicher Ebene hatte sich die Rechtskommission des Nationalrates Ende August für die "Ehe für alle" ausgesprochen. Der Gesetzesentwurf geht auf eine parlamentarische Initiative der Grünliberalen zurück. Heute steht die Ehe in der Schweiz nur heterosexuellen Paaren offen.

Der Nationalrat wird voraussichtlich in der Frühjahrssession 2020 über die Gesetzesvorlage beraten. In der Vernehmlassung hatten sich mit Ausnahme von SVP und EVP alle Parteien für die Einführung der "Ehe für alle" ausgesprochen. Aus der nationalrätlichen Vorlage ausgeklammert wurden Fragen der Fortpflanzungsmedizin. Sie sollen später geregelt werden.

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