Tiefenlager

Radioaktive Abfälle: Jetzt kommt die Bevölkerung zu Wort

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Für die Lagerung radioaktiver Abfälle kommen weiterhin sechs Standorte infrage – auch «Nördlich Lägern». Nun wird eine Diskussionsplattform für Betroffene gebildet.

Martin Rupf
Seit Jahrzehnten nutzt die Schweiz Kernenergie zur Stromproduktion. Dabei fallen radioaktive Abfälle an. Wenn die Betriebszeit der bestehenden Kernkraftwerke (KKW) dereinst abgelaufen ist und die Anlagen abgebrochen werden, muss rund 100 000 Kubikmeter radioaktives Material sicher entsorgt werden. Grundsätzlich soll das im Inland, und zwar in einem geologischen Tiefenlager, passieren.

Zurzibieter Gemeinden tangiert
In einem dreistufigen Auswahlverfahren wird der Bundesrat bis 2016 ein oder zwei neue Tiefenlager bestimmen. Einer der sechs möglichen Standorte ist «Nördlich Lägern». Dieser umfasst im engeren Kreis die Zurzibieter Gemeinden Fisibach, Schneisingen und Siglistorf - dort könnte einst das Tiefenlager zu liegen kommen.

Das Forum Lägern-Nord ist besorgt über die Aussicht eines möglichen geologischen Tiefenlagers. «Diese Region trägt mit Fluglärm und Kiesabbau schon genügend Lasten für die Allgemeinheit», sagt Hanspeter Lienhart, Präsident des Forums und Stadtrat von Bülach.

Startteam ergreift keine Partei
Grundsätzlich anerkenne man aber, dass eine nationale Lösung gefunden werden müsse. Nächsten Monat werden Betroffene der Standorte angehört, danach entscheidet der Bundesrat, welche Standorte in der Etappe 2 übrig bleiben. «Es gibt leider keine Anzeichen, dass wir in der nächsten Etappe nicht mehr dabei sind», sagt Lienhart.

Deshalb gehe es jetzt darum, sich für die in der Etappe 2 vorgesehene regionale Mitwirkung vorzubereiten, so Lienhart. In dieser können sich Kantone, Gemeinden und Interessierte einbringen. Auf Wunsch des Forums übernimmt Starmoderator Hannes Hinnen diese Vorbereitung. Hinnen wird als Erstes das «Startteam Nördlich Lägern» zusammenstellen.

Dieses Team soll die regionale Plattform aufbauen, auf der sich Interessengruppen ab Mitte 2011 einbringen können. Wichtig: «Das Team wird nicht Partei gegen oder für den Standort ergreifen, sondern sorgt lediglich dafür, dass Information und Meinungsaustausch gewährleistet sind», betont Hinnen.

Ängste und Sorgen platzieren

Die regionale Plattform - Regionalkonferenz genannt - könne man sich wie ein Parlament vorstellen, sagt Hinnen. «Sie soll allen Beteiligten die Gelegenheit bieten, ihre Sorgen und Ängste zu platzieren», ergänzt Lienhart. «Wir können zwar nicht mitbestimmen, wo das Tiefelager zu liegen kommt, aber immerhin mitsprechen.» Nach welchen Kriterien Mitglieder der Plattform ausgewählt würden, stehe noch nicht fest, sagt Hinnen.

Lienhart hofft, dass die Plattform und die im September anstehende Anhörung dazu beitragen, die Bevölkerung zu sensibilisieren. «Ich stelle fest, dass das Tiefenlager in der Bevölkerung noch kein grosses Thema ist.»

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