Kantonale Wahlen TI

Protestpartei Lega verliert vier Parlamentssitze und FDP büsst einen Sitz ein

Wie beste Freunde: Der neu gewählte CVP-Staatsrat Raffaele De Rosa umarmt den abgewählten Parteikollegen Paolo Beltraminelli (l.).

Wie beste Freunde: Der neu gewählte CVP-Staatsrat Raffaele De Rosa umarmt den abgewählten Parteikollegen Paolo Beltraminelli (l.).

Die FDP bleibt mit einem Wähleranteil von 25,3 Prozent zwar stärkste Partei im Tessiner Grossen Rat, verliert aber einen ihrer 24 Sitze. Starke Verluste muss die Lega einstecken. Mit noch knapp 20 Prozent Wähleranteil erhält sie 18 Sitze, vier weniger als bisher.

Die erfolgsverwöhnte Lega dei Ticinesi konnte ihre beiden Staatsräte am Sonntag zwar bestätigen. Doch bei der Auszählung der Wahlen für den Grossen Rat am Montag musste die Protestpartei eine deutliche Niederlage einstecken. Sogar in der Lega-Hochburg Lugano kam es zu einem regelrechten Einbruch. Die Lega hat insgesamt 4 Sitze verloren und wird künftig nur noch mit 18 Grossräten im Kantonsparlament vertreten sein. Ihr Wähleranteil rutschte auf unter 20 Prozent. Sie verpasste ihr Ziel damit deutlich, stärkste Fraktion zu werden. Die FDP stellt trotz eines Sitzverlustes wie bis anhin mit einem Wähleranteil von 25,5 Prozent die meisten Grossräte in Bellinzona (23). Bei Redaktionsschluss waren diese Ergebnisse noch nicht definitiv.

Die SVP konnte hingegen ein zusätzliches Mandat erobern. Dieses Ergebnis zeigt, dass die Lega ihre beiden Staatsratssitze nur dank der Listeverbindung mit der SVP halten konnte. Die Verschiebung von Wähleranteilen zwischen Lega und SVP könnte darauf hinweisen, dass einige Legisten mittlerweile lieber eine Partei wählen, die national verankert ist. Im Grossen Rat fehlen zudem Lega-Lokomotiven, wie es Norman Gobbi und Claudio Zali im Staatsrat sind. Und das Thema der Grenzgänger, das die Lega bis anhin bewirtschaftete, spielte im lauen Wahlkampf eine eher untergeordnete Rolle. Das Ergebnis könnte aber auch ein Zeichen sein, dass die Lega-Wählerschaft die immer stärkere institutionelle Funktion der einstigen Bewegung missbilligt.

Die Tessiner SP konnte im Staatsrat dank Unterstützung aus anderen Parteien leicht zulegen und ihren einzigen Sitz halten. Auch im Parlament konnte sie einen zusätzlichen Sitz erringen. Die CVP bleibt gegenüber den Wahlen von 2015 unverändert, nachdem sie bei den Wahlen für den Staatsrat etwas zugelegt hatte.

Das noch nicht definitive Endergebnis ergab folgende Sitzverteilung für das 90-köpfige Parlament: FDP 23 Sitze (–1), Lega dei Ticinesi 18 (–4), CVP 17 (0), SP 14 (+1), SVP 6 (+1), Die Grünen 6 (0), Più donne 2 (+2), MpS 3 (+1), KP 1 (+1), Montagna Viva 0 (–1).

Die Grünen blieben konstant mit sechs Sitzen. Es mag überraschen, dass sich im Tessin keine grüne Welle ausgebreitet hat, so wie bei den Kantonalwahlen in Zürich, Luzern oder Baselland. Denn auch im Südkanton gab es «Klimastreik» und Schülerdemos. Doch in der Parteienlandschaft sind die Grünen traditionell schwach vertreten und zerstritten, besonders seit ihr Zugpferd Sergio Savoia die Partei verlassen hat. Die Grünliberalen sind ihrerseits so jung, dass ihre Vertreter gar nicht bekannt sind. Die Grünliberalen erreichten denn auch nicht einmal ein Prozent und schafften den Sprung ins Parlament nicht. Dazu kommt, dass grüne Anliegen im Tessin traditionell nicht eine so grosse Rolle spielen wie in der deutschen Schweiz, was sich beispielsweise in der hohen Autodichte und der eher geringen Nutzung des öV spiegelt.

Zwei Mandate gewonnen hat hingegen die vollkommen neue Frauenliste «Più donne», in der einige ehemalige Politikerinnen der Grünen kandidierten. Die angriffige Bewegung für Sozialismus (MpS), die mit ihrem Grossrat Matteo Pronzini radikale Oppositionspolitik betreibt, konnte auf drei Mandate erhöhen (+2). Und auch die Kommunistische Partei errang ein Mandat. Die äussere Linke geht aus diesen Wahlen somit auf niedrigem Niveau gestärkt hervor. Ein Teil der Tessiner zeigte, dass sie mehr Opposition von links wollen.

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