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Prostitution am Sihlquai: Jetzt will Stadt eingreifen

Prostitution in Zürich

Prostitution in Zürich

Ärger im Kreis 5. Dort, wo immer mehr Dirnen aus Osteuropa auf der Strasse Billigsex anbieten, wird das Leben für die Anwohner unerträglich. Jetzt verspricht die Stadt Abhilfe.

Martin Reichlin

Den Bewohnern des Zürcher Stadtkreises 5 stinkts. Zumindest jenen, die entlang des Sihlquais leben und arbeiten. Tag für Tag und vor allem Nacht für Nacht verschmutzen Dutzende Dirnen und unzählige Freier die Gebüsche, Hinterhöfe, Spielplätze, ja selbst Hauseingänge mit gebrauchten Präservativen, verschmutzten, teils blutigen Taschentüchern, Urin oder Kot.

Kein Wunder also, dass in den Häusern entlang des Sihlquais zwischen Oberem Letten und Escher-Wyss-Platz, dort wo die Strassenprostitution laut Strichplan zugelassen ist, die Wut steigt. «Ich frage mich jeden Tag, weshalb diese ‹Trottoirschwalben› aus Rumänien ausgerechnet hier anschaffen dürfen», ärgert sich zum Beispiel Max Egger. Vom Balkon seiner Wohnung aus kann er fast rund um die Uhr beobachten, wie sich die jungen Prostituierten aus Osteuropa ihren Freiern anbieten und anschliessend mit ihnen verschwinden, um ihre Dienste in einem Hinterhof oder auf einem Kinderspielplatz zu verrichten. Und jeden Morgen darf der Hausabwart von Neuem die Spuren der Nacht eimerweise aus den Büschen klauben.

Anwohner ernst nehmen

Nun reichts dem bodenständigen Hausverwalter und er fordert: «Nur das letzte Stück vor dem Escher-Wyss-Platz darf künftig noch im Strichplan bleiben. Aber hier, wo ein Altersheim steht und für viele Millionen Franken neue Wohnungen gebaut wurden, gehört die Prostitution verboten.» Der Staat, so Egger, habe seine Bürger besser zu schützen vor den negativen Auswirkungen der Liebesdienerei. Bisher seien die Anwohner und Hausbesitzer jedoch vertröstet worden, wenn sie sich über die Zustände vor ihren Haustüren beschwerten.

«Unsere Verwaltung hat mehrmals an die Stadt geschrieben. Passiert ist aber nichts», so Egger weiter. Er befürchte, dass die Probleme so lange verschleppt würden, bis sich «ein Grosser beschwert. Wie damals mit der offenen Drogenszene. Erst als die Wirtschaft ausrief, die Migros eine Schadenersatzklage androhte und die Bilder von den Junkies am Letten rund um die Welt gingen, hat die Stadt gehandelt.»

Die Polizei könne ja sowieso nur eingreifen, solange sich Dirne und Kunde auf öffentlichem Grund betätigen. Sobald der Verkehr auf einem Privatgrundstück stattfinde, müsste er jedes Mal die Ordnungshüter rufen, um die öffentliche Unzucht anzuzeigen. Aber, so Egger: «So schnell wie die ‹höpperlen›, würde die Polizei sowieso jedes Mal zu spät kommen.»

Abhilfe versprochen

Nun scheinen die Klagen aus dem Kreis5 aber doch gehört worden zu sein. Rolf Vieli, Leiter des Projekts Rotlicht, sagte auf Anfrage, er wolle sich «Mitte der kommenden Woche mit Herrn Egger treffen». Die Situation am Sihlquai habe sich in den letzten zwei Wochen massiv verschärft. «Zahlreiche neue Frauen sind aufgetaucht und mit ihnen, angelockt auch durch die Medienberichte, noch miesere Freier, als wir zuvor schon beobachteten.»

Es gehe ihm nun vor allem darum, die Probleme entlang des Sihlquais und der Langstrasse detaillierter zu erfassen. «Dann können wir gezielte und wirksame Massnahmen ergreifen», so Vieli. Dass die Stadt in der Lage sei, die Situation markant zu verbessern, hätten etwa frühere Interventionen im Kreis4 bewiesen. «Dort hatten wir grosse Schwierigkeiten mit der Prostitution und dem Drogenhandel in den Hinterhöfen. Heute hat sich die Lage beruhigt.» Populistische Hauruck-Methoden würden hingegen nicht zum Ziel führen, sondern höchstens zu einer Verschiebung der Szene an einen anderen Ort.»

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