«Nichts spricht gegen Mord, alles dafür.» Der Gerichtsvorsitzende fand klare Worte zur Tötung einer polnischen Prostituierten. 17 Jahre muss Robert S. nach dem noch nicht rechtskräftigen Urteil ins Gefängnis. Nur ein Jahr weniger, als der Staatsanwalt gefordert hat. Der Unterschied ergibt sich durch die schwierige Lebenssituation, welche die Richter dem arbeitslosen Finanzfachmann anrechneten.

Ansonsten liessen die Richter keinen Zweifel daran, dass sie eine harte Strafe für richtig halten. Eine Fülle von Indizien würde für die Qualifizierung als Mord sprechen. Etwa, dass der Küsnachter einen grossen Koffer im Auto mitführte, in dem er die Leiche abtransportierte und immer wieder widersprüchliche Angaben zu diesem Koffer gemacht hat. Oder, dass er im Dolder Grand ein sogenanntes Early Check-in gebucht hatte. Dafür musste er zusätzlich 600 Franken zahlen, nur um das Zimmer bereits um 13 Uhr beziehen zu können. Dabei verbrachte er den ganzen Nachmittag und Abend mit der 25-jährigen «Kahtleen» ausserhalb des Zimmers. Was er am Nachmittag genau gemacht hatte, bleibt unklar.

Der Staatsanwalt vermutet, er habe das Zimmer «vorbereitet». Dass er dabei den Koffer nicht aufs Zimmer genommen hatte, wie der Verteidiger einwarf, spricht für die Richter offenbar nicht dagegen. Gegen den 49-Jährigen verwendet wurde, dass im Blut des Opfers Spuren von Valium gefunden wurden. Ein Medikament, das er nahm, sie aber nicht. Vermutlich hat er ihr das Mittel via Getränk verabreicht. Die junge Frau sei sediert gewesen, der körperlich stark überlegene Täter habe sie überwältigen können und zu Tode gewürgt, schloss der Vorsitzende. Alles deute auf eine geplante Tat hin. Der Verteidiger deutete erfolglos an, dass es seltsam sei, eine Leiche im Weinschrank zu verstauen, statt sie an einem abgelegenen Ort zu «entsorgen».

SMS an eine Tote

Gemäss dem Vorsitzenden hat der Beschuldigte das Opfer regelrecht in eine Falle gelockt, was er als heimtückisch bezeichnete. Die Tat sei besonders skrupellos gewesen. Nicht erwähnt haben die Richter bei der Begründung des Urteils weitere Seltsamkeiten. So hat der Beschuldigte nach dem Tod der 25-Jährigen die Familie in Polen kontaktiert, um nach deren Tochter und Schwester zu fragen. Auch dem Opfer, das zu dem Zeitpunkt bereits in seinem Weinkeller lag, schrieb er noch SMS. Das deutet darauf hin, dass er versucht hat von
sich abzulenken. Strafmildernde Gründe ausser der Lebenssituation des ehemaligen Anlagechefs der Aargauer Pensionskasse fanden die Richter keine. Gestanden habe er erst, nachdem die Leiche in seinem Haus gefunden wurde. Das psychiatrische Gutachten zeige zudem keine verminderte Schuldfähigkeit.

Dolder-Mörder tötete aus Angst vor Zurückweisung

Dolder-Mörder tötete aus Angst vor Zurückweisung

Ein 49-jähriger Banker verliebte sich im September 2014 in eine polnische Prostituierte und tötete sie. In einem Koffer brachte er sie zu sich nach Hause.

Eher überraschend sprachen sich die Richter gegen eine ambulante Therapie aus, die der Mann während seines Gefängnisaufenthaltes besuchen könnte. Seine psychische Störung habe sich nicht direkt auf die Tat ausgewirkt. Jedoch rieten sie ihm, dass er eine bereits begonnene Therapie weiterführen sollte. Der Familie des Opfers sprach das Gericht eine Genugtuung zu. Diese liegt jedoch deutlich unter der hohen Forderung der Rechtsvertreterin. Statt 200 000 Franken für die Eltern und 50 000 Franken für die Schwester soll der Beschuldigte 30 000 und 7500 Franken zahlen. Ob das Urteil bestehen bleibt, ist noch offen. Der Verteidiger, der auf vorsätzliche Tötung und eine Strafe von zehneinhalb Jahren plädiert hatte, wollte sich noch nicht zu einem Weiterzug ans Obergericht äussern.